Bereits seit dem 8. April rollen durch Zagreb die fahrerlosen Autos des kroatischen Start-ups Verne, das dabei vom Fahrdienstleister Uber und dem auf autonomes Fahren spezialisierten Unternehmen Pony.ai unterstützt wird. Die kroatische Hauptstadt zählt damit zu den Vorreitern in Europa.
Wobei fahrerlos nur teilweise stimmt: Mit an Bord sitzt stets ein sogenannter Operator, ein Angestellter von Verne – bereit, notfalls einzugreifen. Filip Cindric, der bei Verne das Geschäft auf dem Heimatmarkt leitet, versichert, die meisten Fahrten würden „ohne jegliches Eingreifen“ verlaufen. Zehntausende Kilometer hätten die Autos der vorerst aus zehn Fahrzeugen bestehenden Flotte bereits absolviert, ohne dass Kollisionen gemeldet worden seien. 90 Prozent der Fahrgäste hätten den Service zudem mit vier oder fünf Sternen bewertet, berichtet er.
Bisher sind die Robotaxis auf den Straßen Zagrebs noch ein seltener Anblick. Hauptsächlich verkehren sie rund um das Stadtzentrum, in einigen südlichen Gegenden Zagrebs und nahe dem Flughafen. Die Expansion erfolge „schrittweise“, hebt Unternehmenschef Marko Pejkovic hervor. Erst nach „detaillierter Validierung“ und Erprobung des Systems unter realen Bedingungen würden neue Zonen eingeführt.
Rund 300 Fahrgäste nutzen den Dienst
Bisher genutzt haben den Dienst Unternehmensangaben zufolge rund 300 Fahrgäste. Dabei ist die Nachfrage erheblich größer: 4000 Personen stehen laut Verne auf der Warteliste. Eine Rolle spielen dürfte dabei auch der vergleichsweise günstige Preis – lediglich 1,99 Euro kostet die Fahrt.
Der niedrige Preis diene dazu, Nutzer anzulocken und gleichzeitig das Feedback zu fördern, erläutert Pejkovic. Mit dem angestrebten Wachstum des Dienstes allerdings würden die Preise voraussichtlich steigen, fügt er hinzu.
Das Unternehmen hofft darauf, bis zum Jahresende die Fahrzeuge in Zagreb auch ohne Operator, also komplett autonom fahren zu lassen – vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen. Dabei sind die Autos von Verne, ebenso wie die Robotaxis anderer Fahrdienste, die schon in US-Städten oder in China verkehren, mit diversen Kameras, Radargeräten und Lidar-Sensoren ausgestattet, die mithilfe von Laserstrahlen permanent die Umgebung eines Fahrzeugs abtasten und daraus ein dreidimensionales Bild errechnen.
Elf Städte im Gespräch mit Unternehmen
Das Start-up, das 2019 innerhalb der kroatischen Rimac-Gruppe gegründet und zu Ehren des französischen Schriftstellers Jules Verne benannt wurde, ist nach eigenen Angaben zudem im Gespräch mit elf Städten in der EU, Großbritannien und im Nahen Osten.
Im Sommer 2023 hatte die EU-Kommission insgesamt 179 Millionen Euro an Fördermitteln für die Entwicklung eines städtischen Mobilitätsdienstes auf Basis vollautonomer Elektrofahrzeuge von Rimac genehmigt. Von diesen Mitteln hat Verne nach eigenen Angaben 89,7 Millionen Euro verwendet. Bisher seien zudem mehr als 100 Millionen Euro von privaten Investoren eingesammelt worden. Ein Betrag, der künftig noch steigen dürfte, ist sich das Unternehmen sicher.
Cindric ist zudem stolz darauf, dass nun ausgerechnet Zagreb als erste europäische Stadt den Schritt zu kommerziellen Robotaxis auf den Straßen wagt. „Wenn es so einfach wäre, gäbe es das System bereits in London oder einer anderen europäischen Großstadt“, sagt er.
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