Um das Parlament als „verlässliche Quelle für Information“ zu positionieren, ist am Montag dank Quantenkryptografie erstmalig eine absolut sichere Signalübertragung aus dem Hohen Haus gestartet. Zur Demonstration diente ein Livestream aus dem Besucherzentrum.
Bei Weiterführung des Pilotprojekts könnten TV-Übertragungen von Plenarsitzungen derart abgesichert werden, um zu „garantieren, dass diese authentisch sind“, so Parlamentssprecher Karl-Heinz Grundböck. Man rüste sich in dem dreimonatigen Pilotprojekt, in dem Parlament, der ORF, seine Technik-Tochter Big Blue Marble und das Wiener Quanten-Startup zerothird kooperieren, „für die technologische Zukunft“, erklärte Big Blue Marble-Chef Michael Wagenhofer.
Hintergrund ist etwa die rasante Entwicklung von Modellen Künstlicher Intelligenz wie Anthropics Mythos, das Sicherheitslücken in Systemen aufspüren kann. Ziel sei, die Technik unter realen Bedingungen zu testen und praktische Erfahrungen zu sammeln.
Erschreckendes Szenario
Was angesichts solcher Entwicklungen passieren könnte, schilderte Harald Kräuter, Technischer Direktor des ORF, in einem fiktiven Szenario, in dem bei der TV-Übertragung einer Fragestunde an den Bundeskanzler auf den TV-Schirmen etwas anderes zu hören ist als im Plenarsaal. „Ein solches Szenario, das wir uns alle nicht vorstellen wollen, könnte in Zeiten wie diesen der Fall sein. KI-Technologien sind darauf ausgelegt, Fehler in Systemen zu finden und Algorithmen in Gang zu setzen, etwa um Demokratie zu destabilisieren“, so Kräuter.
Auch weil Journalismus nicht mehr die einzige Quelle für Information sei, sei die Verlässlichkeit der Informationen, die aus dem Parlament kommen „demokratiepolitisch von höchster Bedeutung“, betonte Grundböck. „Es geht nicht nur um die Souveränität der Infrastruktur, sondern auch um die Integrität der Inhalte“, so Wagenhofer. Durch die Quantenkryptografie werde die Verschlüsselung des Signals auf die nächste Ebene gehoben und jeder Versuch, in Übertragungen einzugreifen, bleibe nicht mehr unbemerkt.
Fragile Quantenzustände
Grund dafür ist, dass der Quantenzustand der Lichtteilchen (Photonen), mit denen die Information für den Schlüssel über Glasfasern vom Parlament zum ORF gesendet wird, so fragil ist, dass jedes Eingreifen, jede Veränderung sofort erkannt wird. Weil die Schlüssel bereits vor dem Informationsaustausch erzeugt und lokal gespeichert werden, beeinflusst eine solche Störung die tatsächliche verschlüsselte Kommunikation nicht.
Schutz vor Deepfakes
Wovor die Quantenkryptografie nicht schützt, ist etwa die Verbreitung manipulierter Inhalte von bereits gesendetem Material, beispielsweise Deepfake-Videos. Um solche falschen Inhalte zu entlarven, werden ab Herbst digitale Inhalte aus dem Parlament mittels spezieller Signaturen (C2PA – Coalition for Content Provenance and Authenticity) versehen, so Grundböck. Werden Inhalte manipuliert, passt diese unveränderbare Herkunftsinformation nicht mehr zu den aktuellen Daten und Geräte und Plattformen können diese Diskrepanz anzeigen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.