„Sozial falsch“

Unternehmen warnen vor Kürzungen bei Inklusion

Innenpolitik
04.05.2026 14:31
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein neues Bündnis von Sozialorganisationen und Unternehmen hat vor Kürzungen bei Menschen mit Behinderungen gewarnt. Die bestehenden Strukturen müssten verlässlich finanziert werden, forderte das „Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt – Chancenreich“ am Montag in Wien.

Dem Bündnis gehören neben zahlreichen Sozialorganisationen auch eine Reihe von Unternehmen an, die bereits Personen mit Behinderung beschäftigen – darunter große wie IKEA, Interspar, die REWE-Gruppe, Post und Kapsch TrafficCom. Viele österreichische Betriebe seien sehr offen dafür, Menschen mit Behinderung anzustellen, sagte der Generalsekretär der Lebenshilfe, Philippe Narval. Allerdings seien Unterstützung und Begleitung nötig. Daher richte man einen Appell an die Bundesregierung und Landeshauptleute, keine Einsparungen in dem Bereich vorzunehmen.

Kürzungen bei Qualifizierung, Vermittlung und Begleitung von Menschen mit Behinderung sowie bei der persönlichen Assistenz wären nicht nur sozial falsch, sondern auch volkswirtschaftlich nicht sinnvoll und kurzsichtig, sagte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr. Besonders wichtig sei die Absicherung und Stärkung des Ausgleichstaxfonds, der zum Teil aus Ausgleichszahlungen von Unternehmen gespeist wird, die die Beschäftigungspflicht von Menschen mit Behinderungen nicht erfüllen. Der Bundeszuschuss von derzeit 65 Millionen Euro jährlich soll dem Vernehmen nach bis 2019 auf 15 Millionen Euro gekürzt werden.

Menschen mit Behinderungen doppelt so oft arbeitslos
Nur 15 Prozent der Menschen mit Behinderungen sind aktuell erwerbstätig. Im Vergleich zu Menschen ohne Behinderungen sind sie mehr als doppelt so oft arbeitslos. Ein inklusiver Arbeitsmarkt sei kein Sozialprojekt, sondern eine Frage der Gerechtigkeit und eine Frage der Vernunft, sagte Andreas Jesse vom Dachverband Berufliche Inklusion Austria (dabei-austria). Fähigkeiten würden sonst ungenützt bleiben und Menschen systematisch benachteiligt. Aktuell gebe es nur in vier Bundesländern Angebote zur beruflichen Inklusion von Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf, sagte Narval. Es brauche auch eine Rückkehr in Tagesstrukturen, falls der Übergang in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis nicht klappe.

Auch der Gewerkschaftsbund (ÖGB) schloss sich den Forderungen an. Die Ausgleichstaxe für Betriebe müsse „deutlich erhöht“ werden. Zudem sollten Menschen mit Behinderungen in Werkstätten „fair“ entlohnt werden. Kritik an den Budgetplänen der Bundesregierung kam von der Behindertenanwaltschaft. Menschen mit Behinderungen dürften nicht überproportional von Einsparungen betroffen sein, hieß es. Gleichstellung brauche verbindliche Finanzierung.

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