„Krone“-Kommentar

… dann werden sie Deutsch nie ausreichend lernen

Kolumnen
04.05.2026 05:30

Sie betreiben gemeinsam eine kleine Firma in Wien – Vater und Sohn. Der Ältere um die 60, aus Anatolien stammend. Sein Sohn unter 30. Beide fleißig, die Kommunikation klappt einigermaßen, der Vater spricht recht gut Deutsch, sein Sohn tut sich mit seinem harten Akzent schwerer. Weil er in der Türkei die Schule besucht hat? Nein, Fehlanzeige! Der junge Mann ist in Österreich geboren, hat hier die Schule besucht – aber hat bloß ein Sprachniveau unter jenem seines als Erwachsener zugezogenen Vaters erreicht.

Leider kein Einzelfall, unser Bildungssystem brachte und bringt Zigtausende Schulabsolventen hervor, die kaum Deutsch lesen und schon gar nicht schreiben können.

Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Geschäftsführender ...
Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/Imre Antal, stock.adobe.com)

Von „alarmierenden Zahlen“ bei den Deutschkenntnissen sprach denn auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr in der ORF-„Pressestunde“. Er weiß wie jeder: Wer nicht gut genug sinnerfassend lesen kann, kann auch kaum an der Gesellschaft teilhaben.

Der Anspruch nicht nur des Ministers: Alle Kinder, die in Österreich aufwachsen, müssen die deutsche Sprache gut beherrschen.

Ein berechtigtes Ziel. Aber wie die mangelnden Deutschkenntnisse von Mitbürgern oft aus zweiter oder gar dritter Zuwanderer-Generation beweisen: Wenn diese in ihrer Community bleiben, bei ihrem Medienkonsum, in den sozialen Netzwerken fast ausschließlich muttersprachlich kommunizieren – dann werden sie es nie lernen. Und nie Teilhabe haben.

Das Bitterste: Wenn sie gar keine Teilhabe wollen.

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