Vertreter aus Kiew haben bei den Ukraine-Friedensgesprächen einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht. Sie wollen ein Gebiet im Nordwesten der Oblast Donezk, das Russland noch nicht erobert hat, in „Donnyland“ umbenennen. Hinter dem kuriosen Namen steckt ernstes Kalkül.
Den Spitznamen, der sowohl an „Donbass“ als auch an „Donald“ erinnert, habe ein ukrainischer Verhandler ursprünglich halb im Scherz verwendet, erklärten vier Personen, die mit den Verhandlungen vertraut sind und anonym bleiben wollen, gegenüber der „New York Times“. Im Laufe der vergangenen Monate wurde „Donnyland“ dann immer wieder verwendet, wenn auch nicht in Dokumenten niedergeschrieben. Ein Unterhändler hat dem Bericht zufolge sogar eine grün-goldene Flagge für das Gebiet entworfen sowie ChatGPT eine Hymne komponieren lassen.
Ein Name, der an „Disneyland“ angelehnt ist, für ein entvölkertes, vom Krieg verwüstetes Gebiet, das etwa doppelt so groß ist wie Vorarlberg? Das Kalkül dahinter ist ernst: Mit der Umbenennung will man die Aufmerksamkeit von US-Präsident Donald Trump erregen, indem man sein Ego streichelt. Das soll ihn dazu bringen, den Moskauer Gebietsansprüchen einen Riegel vorzuschieben.
Zugeständnis an Putin
Denn bisher war das Gegenteil der Fall. Vergangenen August traf sich Trump mit Kremlchef Wladimir Putin in Alaska. Seither signalisiert die US-Regierung immer wieder, dass ein Friedensplan, der die Abtretung des noch ukrainischen Teils von Donezk an Russland vorsieht, für sie akzeptabel ist. Das wäre ein enormes Zugeständnis an Putin. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnt das entschieden ab. Land gegen Frieden zu tauschen, wäre ein „großer Fehler“.
Kiew befürchtet eine weitere Invasion in der Zukunft, wenn das Gebiet jetzt abgetreten wird. Die Ukraine ist weiterhin entschlossen, den Nordwesten von Donezk zu verteidigen und hat dort einen Festungsgürtel errichtet.
Die Karte in diesem X-Post zeigt das Gebiet, das „Donnyland“ werden könnte:
Entmilitarisierte Zone
Selenskyj zeigte sich aber offen dafür, eine entmilitarisierte Region oder Freihandelszone zu schaffen, die von keiner Kriegspartei kontrolliert wird. Für den Kreml ist eine solche Zone aber nur vorstellbar, wenn russische Polizei oder Nationalgardisten dort patrouillieren dürfen – was wiederum inakzeptabel für Kiew ist.
Die ukrainische Regierung will Washington dazu bringen, mit mehr Druck auf Moskau Zugeständnisse zu erreichen. Mit dem Namen „Donnyland“ würde die entmilitarisierte Zone dann als eindeutiger Erfolg von Donald Trump gewertet werden. Der Vorschlag zeugt von der absurden Realität, dass man sich in der aktuellen Weltlage offenbar die Eitelkeit des US-Präsidenten zunutze machen muss, wenn in der Diplomatie etwas erreicht werden soll.
Zwar hat Trump vergangene Woche erklärt, dass es „Fortschritte“ bei den Gesprächen gebe, konkret hat der ungewöhnliche Vorstoß der Ukraine aber noch nicht gefruchtet. Denn die Hauptverhandler der USA, Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, sind aktuell mit den Verhandlungen zum Iran-Krieg beschäftigt.
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