Immer mehr bekommt Russland die Folgen seines Angriffskriegs selbst zu spüren. Präsident Wladimir Putin sucht eine Strategie, um die schwächelnde russische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Was einige Top-Manager als Lösung vorschlagen, dürfte Putin aber nicht schmecken ...
Ständige ukrainische Drohnenangriffe haben die russische Wirtschaft dort getroffen, wo sie empfindlich ist – bei der Erdöl- und Gasindustrie. Ein Viertel der Raffineriekapazitäten ist von den Attacken betroffen, Russland kann weniger Öl exportieren, es herrscht Angst vor Treibstoffmangel. Zuletzt musste das Regime sogar ein Exportverbot für Kerosin verhängen, um die eigene Versorgung nicht zu gefährden.
Nur Mini-Wachstum
Die russische Wirtschaft ist stark von Rohstoffexporten abhängig. In den ersten Jahren nach der Invasion in der Ukraine hatte sie sich noch erstaunlich widerstandsfähig gegenüber den westlichen Sanktionen gezeigt. Jetzt ächzt sie. Für 2026 wird ein bescheidenes Wachstum von 0,4 Prozent vorausgesagt. Die Blockade der Straße von Hormuz hat Russland zwar zusätzliche Einnahmen beschert, es wird aber nicht erwartet, dass sie von Dauer ist.
Suche nach Strategie beim „russischen Davos“
Moskau sucht nach einer Strategie, das Wachstum wieder anzukurbeln. Lösungsansätze erhofft sich Machthaber Putin vom St. Petersburger Wirtschaftsforum, das er zum fünften Mal seit Kriegsbeginn veranstaltet. Das „russische Davos“ 2026 beginnt am Mittwoch und dauert bis 6. Juni.
Im Vorfeld mehren sich unter Russlands Top-Managern die Stimmen, wonach die naheliegende Lösung, um die Wirtschaft anzukurbeln, ist, den Krieg zu beenden. Das hätten „Kursanstiege und die Begeisterung am russischen Aktienmarkt nach jeder positiven Nachricht aus den von den USA vermittelten Friedensgesprächen zur Ukraine“ gezeigt, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Firmenchef, der anonym bleiben wollte.
Friedensgespräche auf Eis
Derzeit liegen die Gespräche auf Eis, da die USA weiterhin mit dem Iran-Krieg beschäftigt sind. Bereits vergangenes Jahr habe Putin aber die Gelegenheit verpasst, einen Deal zu machen, so ein russischer Banker gegenüber Reuters. Jetzt zeige die Wirtschaft Zeichen von Instabilität. Davor wurde der Kremlchef in der Vergangenheit mehrfach gewarnt.
„Die Regierung hat im Grunde nichts zu bieten, um das Wachstum wieder anzukurbeln“, so Oleg Wjugin, der ehemalige Vizechef der russischen Zentralbank laut Reuters. Der Ökonom verweist auf einen zweistelligen Leitzins, Steuererhöhungen zur Finanzierung des Krieges und rückläufige Investitionen.
Weder Panzer noch Granaten haben einen Konsumwert.
Renat Sulejmanow, Abgeordneter der Kommunistischen Partei im russischen Parlament
Angesichts der tristen Wirtschaftslage gibt es auch mehr Stimmen in der Politik, die aufrufen, den Krieg zu beenden. Die Wirtschaft werde eine längere Fortsetzung der „militärischen Spezialoperation“ nicht überleben, erklärte etwa ein Abgeordneter aus Sibirien. „Von welcher Entwicklung, welchen Investitionen und welchen Kapitalausgaben können wir hier sprechen? Weder Panzer noch Granaten haben einen Konsumwert: Die Wirtschaft produziert sie, aber sie können von der Bevölkerung nicht konsumiert werden“, sagte zuletzt ein Duma-Abgeordneter der Kommunistischen Partei.
„Braucht externen Impuls“
Der Tenor ist eindeutig. Durch den Krieg belastet, ist die russische Wirtschaft zur Stagnation verdammt. Michail Matownikow, Finanzanalyse-Chef der russischen Sberbank fasst es zusammen: „Die Wirtschaft braucht einen externen Impuls“. Ein solcher Impuls wäre die Lockerung von Sanktionen. Die gibt es nicht ohne einen Friedensschluss.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.