Der Chef des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG), Gerhard Christiner, spricht sich gegen zu viel Photovoltaik (PV) in Österreichs Stromnetz aus: PV erfordere einen massiven Netzausbau für nur wenige Stunden am Tag und verteuere somit Strom.
Besser wäre es, den Fokus auf Windräder zu legen, die lieferten auch im Winter Strom, „wo wir ihn dringend brauchen“, zeigte sich Christiner am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) überzeugt.
Hattmannsdorfer verteidigte, dass das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) für PV höhere Ausbauziele vorsieht als für Wind. Es sei besser, alle Beteiligten mitzunehmen, „weil Druck erzeugt immer Gegendruck“. Mit den Leuten zu reden, sie mitzunehmen, sei die einzige Chance, Energiewende-Projekte umzusetzen, so Hattmannsdorfer.
Hattmannsdorfer: Nicht „ideologisch getrieben“ alles vorschreiben
Gleichzeitig kritisierte der für Energie zuständige Minister seine Vorgängerin, Grünen-Chefin Leonore Gewessler. „Es gibt einen Grund, warum diese Gesetze in der Vergangenheit nie das Licht der Welt erblickt haben“, so Hattmannsdorfer. Ihm gehe es nicht darum, „ideologisch getrieben“ alles vorzuschreiben. Unterschiedliche Bundesländer hätten unterschiedliche Voraussetzungen.
Die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS brauchen für den Beschluss des EABG die Stimmen von einer der Oppositionsparteien FPÖ und Grüne. Diese Zwei-Drittel-Mehrheit wird derzeit im Parlament gesucht. Die Grünen haben bereits erklärt, die Ziele für zu wenig ambitioniert zu halten.
Auch Hattmannsdorfer sagte, er wolle sich nicht auf das Ziel, die jährliche Stromerzeugung um 27 Terawattstunden (TWh) zu erhöhen, versteifen. Er hält es, wie er sagte, für zu niedrig, die Welt sei mittlerweile eine andere geworden. Er verwies auf den steigenden Strombedarf von Industrie und Rechenzentren.
Verbund-Tochter APG investiert bis 2035 jährlich fast eine Milliarde
APG-Chef Christiner erklärte, er warte sehnsüchtig auf den Beschluss des EABG. Die Netztochter des teilstaatlichen Stromkonzerns Verbund will bis 2035 rund 9 Mrd. Euro in das Übertragungsnetz investieren. Übergeordnetes Ziel der Investitionen sei es, mehr grünen Strom aus Wind und Sonne vom Osten Österreichs und aus Deutschland zu den Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen zu bringen – sowie die voestalpine und andere große Industriebetriebe an die Starkstromleitungen anzuschließen.
Laut Christiner gibt es Netzzutrittsanfragen aus Industrie und zur Produktion von Wasserstoff, die sich auf 1900 Megawatt belaufen. Dazu kommen Rechenzentren, die 2500 MW benötigen. Der größte Anteil an Netzzutrittsanfragen kommt derzeit aber von potenziellen Betreibern von Batteriespeichern, die sich auf 12.000 MW summieren, wobei Christiner nicht davon ausgeht, dass alle tatsächlich realisiert werden. Aus dem Bereich der Pumpspeicher gibt es Anfragen über 4700 MW und aus PV und Wind Anfragen über 10.500 MW.
Insgesamt umfasst der Netzentwicklungsplan der AGP rund 1700 Kilometer an Stromleitungen und 71 neue Umspannwerke. Christiner betonte, dass ein starkes Stromnetz die Basis für die wirtschaftliche Entwicklung sei. Nicht umsonst würden sich neue Unternehmen dort ansiedeln, wo es genügend Netzkapazitäten gibt. Er verglich Umspannwerke mit Steckdosen, an denen sich Industriebetriebe anschließen können.
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