Einen Satz lang war Novak Djokovic mit den Aufschlägen von Giovanni Mpetshi Perricard überfordert, schien seine erste Erst-Runden-Niederlage bei einem Grand Slam seit 20 Jahren denkbar. Doch einmal mehr zog sich der „Djoker“ aus der Affäre und siegte 5:7, 7:5, 6:1, 6:4. „Giovanni hat ein sehr gutes Match gespielt, ich bin froh, dass ich es geschafft habe.“
Extrem skeptisch hatte sich Novak Djokovic schon im Vorfeld dieser French Open gegeben. Sein Körper sei nicht in Schuss, die Spielpraxis fehle ihm, er zähle hier nicht zu den Favoriten. Eine Tiefstapelei, die man jedoch vom Serben schon des öfteren in ähnlicher Manier, wenngleich vielleicht nicht ganz so extrem, gehört hatte und die deswegen mit Vorsicht zu genießen war – trotz seines fast erschreckenden Kurzauftritts in Rom. Zu oft hatte man schon erlebt, wie Djokovic sich selbst halb tot gesagt hatte und dann doch wieder auferstanden war, als hätte er verjüngenden Nektar getrunken.
Herren, 1. Runde
Zverev (D/2) – Bonzi (Fra) 6:3, 6:4, 6:2
Basavareddy (US) – Fritz (US/7) 7:6, 7:6, 6:6, 6:1
Chatschanow (Rus/13) – Gea (Fra) 6:3, 7:6, 6:0
Davidovich Fokina (Sp/21) – Dzumhur (Bos) 6:7, 6:3, 2:6, 7:5, 6:3
Borges (Por) – Etcheverry (Arg/23) 6:3, 6:4, 6:2
Mensik (Tch/26) – Droguet (Fra) 6:3, 6:2, 6:4
Fonseca (Bra/28) – Pavlovic (Fra) 7:6, 6:4, 6:2
Machac (Tch) – Bergs (Bel) 6:4, 6:4, 6:4
Cina (It) – Opelka (US) 3:6, 6:4, 6:2, 6:7, 6:4
Trungelliti (Arg) – Jacquet (Fra) 6:4, 6:2, 6:2
Halys (Fra) – Bellucci (It) 6:3, 7:6, 6:3
Tirante (Arg) – Llamas Ruiz (Sp) 6:3, 7:6, 6:7, 6:0
Duckworth (Aus) – Diallo (Kan) 6:3, 4:1, Aufgabe
Medjedovic (Ser) – Hanfmann (D) 6:3, 6:4, 6:7, 6:4
Prizmic (Kro) – Zheng (US) 6:1, 6:1, 6:3
Royer (Fra) – Dellien (Bol) 6:4, 6:2, 6:2
Blockx (Bel) – Wong (Hkg) 6:3, 6:4, 6:2
Kecmanovic (Ser) – Marozsan (Ung) 7:6, 6:3, 6:4
Doch gegen Giovanni Mpetshi Perricard sah man dem Rekord-Grand-Slam-Sieger jedes einzelne seiner seit zwei Tagen vollendeten 39 Lebensjahre an. Ihm fehlte die Spritzigkeit, ungern ging der frühere Meister der langen Ballwechsel in die Rallyes, was jedoch ohnehin nicht das Spiel seines 17 Jahre jüngeren Kontrahenten war. Mit dem Djokovic freilich auch eine höchst undankbare Erst-Runden-Aufgabe erwischt hatte.
Regelmäßig Aufschläge mit 220 km/h
Der 2,03-m-Mann mit der manchmal noch länger anmutenden Spannweite ist der aktuell vielleicht härteste Aufschläger auf der Tour. Auch diesmal knallte er immer wieder ein Service mit 220 km/h in den Sand. Da war selbst der als beste Returnspieler aller Zeiten geltende Serbe oft machtlos. Und brachte er den Ball doch ins Spiel gelang es ihm aufgrund der Vorhandschleuder Mpetshi Perricards zu selten, diesen auf seiner verletzlichen Rückhand anzugreifen.
Immerhin hielt Djokovic lange seinen eigenen Aufschlag souverän. Doch im elften Game des ersten Satzes biss sich der Franzosen, aufgeputscht von den 15.000 Fans auf dem Court Philippe Chatrier fest. Drei Breakbälle, die ersten der Partie, konnte der Altmeister abwehren, ehe er das 5:6 und kurz darauf das 5:7 hinnehmen musste.
Zehnter Breakball genutzt
Wie so oft schaffte es Djokovic, sein Niveau zu steigern. Immer besser las er den Aufschlag Mpetshi Perricards, gewann nach gut einer Stunde sichtbar das Übergewicht in allen Facetten, nur der entscheidende Wirkungstreffer wollte ihm nicht gelingen. Der 22-Jährige wehrte in seinem dritten Servicespiel des zweiten Satzes zwei, im vierten gar vier Breakbälle ab. Eine atypisch lange Rallye, bei der er seine taktische Klasse ausspielte, nutzte Djokovic letztlich, um seinen zehnten Break- und vierten Satzball zum 7:5 verwerten.
„Ich habe im zweiten Satz Kleinigkeiten umgestellt, besser antizipiert“, sollte der Serbe hinterher sagen. „Antizipation ist gegen ihn nötig. Denn sonst hast du bei seinen Aufschlägen keine Chance. Giovanni ist einer der besten Aufschläger der Geschichte, in einer Liga mit Opelka oder Karlovic.“
Damit waren die Weichen umgestellt, von da an lief es für Djokovic wie auf Schienen in die nächste Runde. Es gelang ihm nun, seinen Gegner laufen zu lassen, er breakte Mpetshi Perricard zu Beginn des dritten Durchgangs prompt wieder und ein weiteres Mal zum 5:1, während er selbst im Satz nur einen Punkt bei eigenem Aufschlag abgab.
Auch im vierten Satz breakte Djokovic seinen Kontrahenten sofort, nur um ihn dann wieder in die Partie zu lassen. Einen Smash spielte er Mpetshi Perricard genau auf den Schläger, mit einem Stopp ins Out schenkte er ihm das Rebreak zum 1:1 und entfachte damit beim Lokalmatador – und dem Publikum – neue Kraft und Zuversicht.
Es war die letzte Schwächephase Djokovics an diesem Abend. Mit erneut vollem Fokus returnierte er gut genug, um Mpetshi Perricard wieder Meter machen zu lassen und dementsprechend Punkte zu gewinnen und holte sich das Break zum 4:3. Nach 2:51 Stunden stand der dreimalige French-Open-Sieger mit 5:7, 7:5, 6:1, 6:4 in Runde zwei. Seiner eigenen Prämisse nach, derzufolge er mittlerweile in den frühen Runden nicht viel Kräfte lassen darf, um eine Chance auf einen weiteren Grand-Slam-Titel zu haben, wird Djokovic der Auftakt aber weit mehr gekostet haben als ihm lieb war. Dafür bescherte er ihm wichtige Matchpraxis.
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