Deutschland hat während des 14 Jahre dauernden Bürgerkriegs mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere Land in der Europäischen Union. Einen Großteil davon will die Bundesregierung nun wieder loswerden. Unter anderem darüber sprachen der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und Ahmed al-Scharaa während des Staatsbesuchs des syrischen Übergangspräsidenten am Montag in Berlin.
„In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre – das ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen – sollen rund 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, in ihr Heimatland zurückkehren“, hieß es bei der Pressekonferenz der beiden. Der syrische Gast dankte der deutschen Bevölkerung, die in den vergangenen Jahren bereit gewesen sei, Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen. „Aber der Bürgerkrieg ist zu Ende. Und jetzt gibt es grundsätzlich die Perspektive, auch in das Heimatland Syrien zurückzukehren“, appellierte der frühere Anführer der dschihadistischen Bewegung Hayat Tahrir al-Scham, der nunmehr als gemäßigt gilt.
Rückkehr von 750.000 Syrern innerhalb von drei Jahren
Ende November 2025 waren nach Angaben der Bundesregierung noch rund 940.401 Syrerinnen und Syrer in Deutschland. 512.348 von ihnen hatten einen Schutzstatus, beispielsweise als Asylberechtigte. Legt man diese Zahlen zugrunde, ist die Rückkehr von mehr als 750.000 Syrern innerhalb von drei Jahren das Ziel – darunter auch eine sechsstellige Zahl mit einem Schutzstatus. Zum Vergleich: Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind seit Jänner 2025 mindestens 9777 syrische Staatsangehörige freiwillig aus dem Bundesgebiet ausgereist. Davon seien mindestens 5004 Ausreisen mit staatlicher Förderung erfolgt.
Vordringlich zurückgeführt werden sollten Straftäter, sagte Merz. Der Kanzler meinte aber auch, dass diejenigen, die gut integriert seien, in Deutschland bleiben sollten. Scharaa sprach über Ärzte und Pflegepersonal, die in deutschen Krankenhäusern tätig seien – und Deutschland habe ein Interesse daran, dass diese Menschen auch in Deutschland blieben. „Aber viele, die hier sind, werden zu Hause gebraucht.“
Merz versprach: „Auf die Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in eine gute Zukunft können Sie zählen.“ Für die Stabilisierung des Landes will Deutschland in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro bereitstellen. Die wirtschaftlichen Beziehungen sollen gestärkt werden.
Fragile Sicherheitslage
Die politische und sicherheitspolitische Lage in Syrien ist mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Baschar al-Assad weiterhin fragil. Es kam seitdem zu mehreren Gewaltwellen, bei denen Hunderte Menschen getötet wurden. Es gab Gefechte mit Minderheiten wie den Drusen im Süden oder den Alawiten an der Küste. Anfang des Jahres kam es zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und kurdisch dominierten Kräften im Norden des Landes. Fachleute warnen auch vor einem Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat.
Die Kosten für den Wiederaufbau liegen nach Schätzungen der Weltbank bei 216 Milliarden US-Dollar (rund 185 Mrd. Euro). Nach UN-Angaben leben 90 Prozent der Bevölkerung in Armut und etwa 70 Prozent sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
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