Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist zu einem Staatsbesuch in Deutschland in Berlin. Im Nobelhotel Ritz-Carlton wurde der frühere Dschihad-Kämpfer von Teilen der syrischen Gemeinde mit „Allahu Akbar“-Rufen empfangen, während politische Gespräche mit der deutschen Bundesregierung geplant sind.
Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana habe der Übergangspräsident bei der Veranstaltung im Berliner Luxushotel gesagt, er sei stolz darauf, dass Syrer in Deutschland an ihrer nationalen Identität und Verbundenheit zur alten Heimat festhalten. Sie seien wichtig, um ein „authentisches“ Bild Syriens in Deutschland zu vermitteln.
Jubelfeiern auf Straßen
Auch auf Berliner Straßen gab es am Sonntag Jubelfeiern für den Übergangspräsidenten, auf den die USA einst 10 Millionen US-Dollar Kopfgeld wegen Terrors ausgesetzt hatten. Unter den Linden marschierte eine Menge und schwenkte die neue syrische Fahne mit den drei Sternen.
Im Stadtteil Kreuzberg gab es am Abend einen Jubelmarsch mit lauten, melodiösen Koran-Rezitationen.
Vereinzelt feierten auch kleinere Gruppen von Syrern am Potsdamer Platz. Eine von ihnen hatte sogar ein Auto im Syrien-Muster dekoriert (siehe Posting unten).
Übergangspräsident will sich Westen annähern
Die von al-Sharaa angeführte Islamistenmiliz HTS hatte Ende 2024 nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg den langjährigen Machthaber Bashar al-Assad gestürzt. Anschließend wurde al-Sharaa zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen. Dennoch kommt es immer noch zu Pogromen an Drusen, Massakern an Kurden. Erst am vergangenen Wochenende kam es zu Übergriffen auf Christen.
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa in Deutschland:
Auch Proteste angemeldet
Zum offiziellen Auftakt seiner Deutschland-Reise wurde Ahmed al-Sharaa von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an dessen Amtssitz, dem Schloss Bellevue, empfangen. Der Besuch, der eigentlich schon im Jänner stattfinden sollte, wird von Protesten begleitet. Es sind mehrere Demonstrationen mit insgesamt rund 5000 Teilnehmern angemeldet.
Auf dem Programm von al-Sharaa steht auch ein Gespräch mit Kanzler Friedrich Merz (CDU). Außerdem will er an einem Runden Tisch mit Unternehmern teilnehmen. Zu den Hauptthemen seiner politischen Gespräche sollen die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des im jahrelangen Bürgerkrieg schwer zerstörten Landes gehören.
Werben um Investitionen
Bei einem deutsch-syrischen Wirtschaftsforum pries al-Sharaa sein Land als Investitionsstandort mit großem Potenzial an. „Diese Zerstörung ist nicht das Ende der syrischen Geschichte“, sagte er mit Blick auf den jahrelangen Bürgerkrieg. Sein Land stehe vor einem Neuanfang. Im ersten Jahr seiner Amtszeit habe seine Regierung sehr viele Investitionsgesetze geändert sowie die rechtliche Infrastruktur für Investitionen in Syrien verbessert. Syrien habe mittlerweile Zusagen für Investitionen im Umfang von 350 Milliarden Dollar (30,39 Mrd. Euro) erhalten, sagte al-Sharaa bei der Veranstaltung im Auswärtigen Amt. Außenminister Johann Wadephul und Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (beide CDU) signalisierten Unterstützung.
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