Seit 76 Jahren klopft die Caritas auch in Niederösterreich an Haustüren der Österreicher und bittet um Spenden. Nach all den Jahrzehnten ist die Armut im Land nicht zurückgegangen – im Gegenteil.
Im Lebensmittelgeschäft kosten Grabkerzen meist nicht viel. Eine Pensionistin Mitte 60 aus St. Pölten hat sie in den vergangenen Jahren im Winter statt einer Heizung angezündet. Das gefährliche Zusammenspiel einer gewalttätigen Ehe, psychischer Probleme und der enorm gestiegenen Energiepreise hatte sie in die Armut schlittern lassen. „Sie hat auch nur zweimal die Woche warm essen können“, erzählt Caritas Generalsekretär Christoph Riedl am Mittwoch in St. Pölten ihre Geschichte.
In Niederösterreich sind aktuell 11.600 Menschen auf Sozialhilfe angewiesen. Gibt es von der Bundesregierung im Budget Einsparungen im Sozialbereich, trifft es diese Menschen besonders hart. Konkret ein Problem sind aktuell eingefrorene Familienleistungen. „11.600 Menschen sind keine abstrakte Zahl – das sind Familien, die zum Beispiel nicht mehr heizen können, oder ihren Kindern erklären müssen, warum sie beim Schulausflug nicht dabei sein können“, ergänzt Caritas-Präsident Hannes Ziselberger.
Hilfe nicht für „Soziale Hängematte“
Vor allem möchte die Caritas St. Pölten im 76. „Spendenjahr“ mit Missverständnissen über „Soziale Hängematten“ brechen. „In Niederösterreich betragen die Sozialhilfeausgaben gerade einmal bei 0,64 Prozent des Landesbudgets – also 60 Millionen von 9,4 Milliarden“, sagt Riedl. Kürzungen bei Familienleistungen treffe vor allem alleinerziehende Mütter betont Armutsexpertin Tamara Majnek. Zudem seien viele der Sozialhilfe-Bezieher nicht erwerbsfähig: „3700 von den 11.600 in NÖ sind unter 15 Jahre alt“.
Insgesamt kommen jedes Jahr in Niederösterreich traditionell um die 600.000 Euro an Spenden zusammen, berichtet Christoph Riedl. Gesammelt werden sie in den Sommermonaten Juni und Juli. Dann sind 3000 Helfer in Niederösterreich unterwegs. 15 Prozent des Erlöses dürfen die Diözesen selbst behalten. Durch die steigende Armutsgefährdung im Land spenden aber auch immer weniger Menschen. „Jene, die Geld spenden, dafür aber immer höhere Beträge.“ Geholfen werde aber bei weitem nicht nur mit Geld, auch Beratungen bei sozialen Krisen helfen vielen Menschen immer wieder zurück ins Leben.
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