Nach einer längeren kreativen Pause, die ihn auf Weltreise führte, ist der deutsche Pop-Sänger Johannes Oerding mit seinem neuen Album „Hotel“, das am 27. März erscheint, zurück. Im Interview mit der „Krone“ erzählt er vom denkwürdigen Bühnenmoment, der alles veränderte, von besonderen Erlebnissen – und worauf er sich in Wien am meisten freut.
Ein ruhiger Moment, ein offenes Lächeln – als wir Johannes Oerding im Zoom-Talk antreffen, wirkt der 44-Jährige sichtlich entspannt. Fast so, als hätte er genau diesen Abstand gebraucht. Mit der Single „Hier gehör ich hin“ feierte der deutsche Pop-Sänger bereits im September 2025 sein Comeback nach längerer Auszeit und ist seitdem wieder konstant musikalisch aktiv. Seit fast 20 Jahren ist Oerding, der Mann mit dem Hut, eine feste Größe im Deutschpop. Seine Songs sind ein Mix aus Gute-Laune-Nummern und tiefgehenden Texten.
Im Sommer 2023 entschied sich Oerding bei einem seiner Open-Air-Konzerte für eine Pause und begab sich anschließend auf eine Art Weltreise. „Ich stand auf der Bühne, sang eine Ballade mit geschlossenen Augen und dachte daran, ob ich noch Hafermilch und Klopapier zu Hause habe- da habe ich gemerkt, dass das Fass übergelaufen ist.“
Ein friedliches Leben
Doch die Entscheidung kam nicht aus dem Nichts. Schon zuvor hatte sich einiges angestaut: Private Schicksalsschläge wie der Tod seines Vaters, die Trennung von seiner damaligen Partnerin und der ständige Druck, immer neue Alben zu veröffentlichen. „Dass mein Vater gestorben ist, hat mich am meisten mitgenommen – weil es auch die erste Person war, die sich aus unserem großen Familienkreis verabschiedet hat. Ich musste also meine Koffer packen und den Stecker des Telefons ziehen“, erzählt er. Er habe versucht, gewisse Dinge zu verdrängen und einfach weiterzumachen: „Man selbst spürt schon relativ gut, wenn es einem zu viel wird.“ Oft hatte er auch das Gefühl, dass ihn die Leute vergessen könnten, wenn er jetzt eine Pause einlegen würde. Aber irgendwann kam ihm die Erkenntnis: „Ich dachte darüber nach und sagte mir selbst: ,So wichtig bist du nicht, Johannes´. Also ging ich auf meine Weltreise.“
Ein Instrument wollte er bewusst nicht mitnehmen: „Ich wollte mal nicht an Musik denken oder etwas schreiben.“ Auf seiner Reise durch Nordamerika merkte er aber schnell, wie sehr ihm das Musizieren dann doch fehlte. „Als ich in Chicago war, kaufte ich mir eine kleine Reise-Gitarre. Ich musste meine Gedanken zu Papier bringen, da habe ich gemerkt, ich brauche das – es ist eine Art Elixier für mich. Es ist meine Leidenschaft und ohne die bin ich doch ein bisschen weniger komplett.“
Während seines Abenteuers in Amerika, Mexiko und sogar Japan wollten wir wissen, ob es eine Erinnerung gab, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. „In Mexiko habe ich ziemliche Zufriedenheit gespürt“, sagt er nachdenklich. „Ich war da auf so einer kleinen Insel, saß tagsüber an der Bar, trank einen Cocktail und hab den Kindern und den Hunden beim Spielen zugeschaut. Im Hintergrund spielte es mexikanische Musik und da habe ich gedacht: ,Mensch, das Leben kann auch so friedlich sein´.“
Ständig Unterwegs
Mit seiner kleinen Gitarre im Gepäck schrieb er natürlich einige Songs. So entstanden schließlich erste Ideen für sein neues Album „Hotel“. Der Titel ist dabei bewusst gewählt: „,Hotel‘ ist eine Metapher für mein Leben der letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte – dieses ständige Unterwegssein. Gerade als Songschreiber bist du viel unterwegs, um inspiriert zu werden, aber auch, um zu beobachten. Ich checke irgendwo ein, checke wieder aus, bleibe nie lange. Es sind immer neue Räume, neue Menschen, neue Begegnungen. Und ich habe gemerkt: Mir gefällt das. Das ist irgendwie mein Ding.“
Für Oerding steht das Hotel im Allgemeinen dabei für weit mehr als nur einen Ort: Jeder verbindet etwas anderes damit – für die einen ist es ein kleines Motel, für andere etwas Großes, Pompöses. Für ihn ist es vor allem ein Ort des Austauschs – mit Menschen, mal anonym, mal ganz bewusst. „Ich werde oft gefragt: ,Wann kommst du denn mal an?‘ Oder: ,Bist du schon angekommen?‘ Ich denke mir dann: warum eigentlich? Warum muss man immer irgendwo ankommen? Warum kann man nicht einfach in Bewegung sein? Vielleicht ist genau das ja das Ankommen.“
Von Eiszeiten und großen Sängerinnen
Unterstützt von Featuregästen wie Sarah Connor, Michael Patrick Kelly oder Peter Maffay kreisen die Songs der Platte thematisch um persönliches Ankommen und Verarbeitung. Gerade die Zusammenarbeit mit Maffay habe sich dabei fast organisch ergeben, erzählt Oerding: „Ich habe erste Zeilen geschrieben, die schon ziemlich politisch waren. Und dann musste ich daran denken, dass ich mit Peter oft seinen Song ,Eiszeit‘ gesungen habe, den er vor 40 Jahren geschrieben hat. Plötzlich war für mich klar, dass wir gerade erneut in so einer Eiszeit leben – verhärtete Fronten, Ost gegen West, Nord gegen Süd. Es kann also nicht sein, dass wir die gleichen Fehler noch einmal machen.“
Aus dieser Idee entstand schließlich der Song – als eine Art Weiterführung des Originals. „Ich habe ihn deshalb auch ,Eiszeit 2.0‘ genannt.“ Auch die Zusammenarbeit mit Sarah Connor sei eine bewusste Entscheidung gewesen: „Ich wollte eine große Powerballade schreiben, mit Melodien, die nicht jeder singen kann. Dafür benötigst du eine gewisse Range – und da gibt es in Deutschland nicht so viele. Sarah bringt genau das mit.“
Vorfreude auf Fans und Schnitzel
Mit frischem Material zieht es Oerding wieder auf Tour. Am 17. April macht er Halt im Wiener Gasometer (Tickets: www.oeticket.com) – und die Vorfreude ist groß: „Ihr seid gesegnet mit eurer wunderschönen Stadt. Ich freue mich, es darf gelacht, geweint und natürlich mitgesungen werden.“
Zeit für Wien will er sich dabei bewusst nehmen, denn der Sänger plant, noch einen Tag länger zu bleiben, um durch die Gassen zu schlendern und ein wenig Kultur zu genießen. „Eine Melange darf nicht fehlen – und ein Schnitzel sowieso“, sagt er lachend.
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