Die Fotogalerie Westlicht widmet sich in der Schau „Unter Wasser“ Bildern rund um und unter dem Meeresspiegel. Neben Pionierarbeiten von Hans und Lotte Hass gibt es futuristisch anmutende Meeresbewohner, traditionelle Taucherinnen und schwimmende Fußballschwärme zu sehen.
70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Und doch ist die Welt der Ozeane noch kaum erforscht – und regt damit seit jeher die Fantasie an. Denn die Meere sind weit mehr als nur ein gigantisches blaues Nass: Sie sind sagenumwobener Sehnsuchtsort und faszinierender Forschungsraum, traditioneller Wirtschaftsfaktor und Schauplatz geopolitischer Machtkämpfe – und zuletzt immer mehr ein massiv bedrohter Lebensraum. All diese Aspekte versucht das Westlicht in Wien Neubau mit der aktuellen Schau „Unter Wasser“ einzufangen.
Das Medium Fotografie spielte und spielt eine zentrale Rolle bei der Erschließung und Erforschung der Meere. Aufnahmen des österreichischen Taucher- und Naturforscherpaares Hans (1919-2013) und Lotte Hass (1928-2015) bilden daher auch den Beginn der Schau im Westlicht – ihnen ist eine ganze Ausstellungswand gewidmet. Die beiden entwickelten kleine Kameras mit wasserdichten Gehäusen, benutzten spezielle Sauerstoffflaschen und Flossen zur besseren Fortbewegung und lieferten Fotos und Filme, die die Massen begeisterten.
Die Faszination des Lebensraumes zieht sich durch alle weiteren der 120 Arbeiten von rund 20 Bildautoren der Ausstellung, die Kurator Fabian Knierim ausgewählt hat – von frühen Naturforschern bis zu zeitgenössischen Positionen.
Tauchen als weibliche Domäne
Wie sehr das Tauchen in Küstenregionen in weiblicher Hand war und ist, zeigen etwa Arbeiten aus dem asiatischen Raum: sowohl an der japanischen Pazifikküste als auch auf der südkoreanischen Insel Jeju holen traditionell Frauen Meeresfrüchte aus dem Wasser, wovon die ab den 60ern entstandenen Schwarz-Weiß-Fotos des Japaners Kusukazu Uraguchi (1922-1988) bzw. des Südkoreaners Hyung S. Kim zeugen. Seine farbigen Bilder aus den 2010er-Jahren mit zerfurchten Gesichtern in Neoprenanzügen verweisen auch darauf, dass diese Tradition durch den gesellschaftlichen Wandel und die veränderten Ökosysteme im Verschwinden ist: Alle Porträtierten sind über 60 Jahre alt.
Haie und Seepferdchen
Zwei Spezies widmet das Westlicht besondere Aufmerksamkeit: dem Hai und dem Seepferdchen. Die vermeintliche Bestie mit den nachwachsenden Zähnen taucht schon bei Hans Hass auf und ist etwa in beeindruckenden Porträts des US-People-Fotografen Michael Muller zu sehen. Auch das Seepferdchen taucht bereits in frühen Aufnahmen von Jean Painlevé aus den 1920ern auf und findet sich auch im Projekt „Floating Bonds“ von Regina Anzenberger aus dem Jahr 2014. „Es ist ein ganz altes Tier“, erzählte sie am Rande der Eröffnung, „und ein Barometer für die Balance in den Meerenm.“
Dass es um diese Balance aktuell nicht gerade gut bestellt ist, zeigt die Britin Mandy Baker mit ihren Arbeiten. Für ihre Serie „Penalty“ hat sie etwa an Stränden gefundene Fußbälle vor schwarzem Hintergrund zu einer ästhetisch ansprechenden Collage arrangiert, sodass die Ansammlung von Müll wie ein Schwarm farbenprächtiger Meerestiere aussieht. So poetisch kann ökologische Kritik sein.
Von entrückter, ja futuristischer Poesie sind auch die Aufnahmen von Bildhauer Manfred Wakolbinger. Der Oberösterreicher beschäftigt sich seit den 90ern mit der Unterwasserfotografie und betreibt das sogenannte Blackwater-Diving, bei dem man sich nächtens ins offene Meer hinablässt. Von diesen Tauchgängen hat Wakolbinger in den vergangenen beiden Jahren Fotos von wenigen Zentimetern großen Lebewesen mitgebracht, die aus einer Tiefe von 800 Metern Richtung Wasseroberfläche aufsteigen, um dort Plankton zu fressen. Sie erinnern mit ihren durchscheinenden Körpern eher an futuristische Raumschiffe.
Eine Schau, die die Faszination der Meere in vielen Facetten einfängt, die Fantasie anregt und in die es sich im wahrsten Sinne des Wortes einzutauchen lohnt.
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