Während die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe schnellen, ist guter Rat teuer – im Netz (und vor allem vielen E-Mail-Postfächern) tauchen nun kleine Stecker auf, die versprechen, die Spritkosten dramatisch zu senken. Doch was auf den ersten Blick nach genialer Technik klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als teurer Irrglaube – und als lukrative Masche für Betrüger.
Ein vermeintliches Wundermittel für Autofahrer: einfach den Dongle in die OBD2-Buchse des Autos stecken und angeblich bis zu 55 Prozent Kraftstoff sparen. Hinter den blinkenden Geräten steckt keinerlei Technologie, die den Verbrauch beeinflussen könnte.
Die Masche der Spammer
Die Spammer setzen gezielt auf die aktuell hohen Spritpreise, um ahnungslose Autofahrer in die Falle zu locken. Sie suggerieren, dass Motorsteuergeräte „bewusst konservativ“ kalibriert seien und so unnötig Kraftstoff verschwendet werde.
Ein kleiner Chip im OBD2-Anschluss soll angeblich in Echtzeit die Motordaten auswerten und Einspritzung, Ladedruck sowie Zündzeitpunkt optimieren. Angeblich reiche ein 30-Sekunden-Anschluss, um den Dongle „lernen“ zu lassen – und der Spritverbrauch sinke wie von Zauberhand.
Keine Wirkung, nur Blinklicht
Laut „heise.de“ sind die versprochenen Einsparungen jedoch vollkommen unrealistisch: „Es handelt sich um nutzlose Stecker für die OBD2-Buchse“, heißt es in der Analyse. Die angeblichen Effekte schwanken in der Spam-Mail zwischen 35 und 55 Prozent – ein klares Indiz für die unseriöse Masche.
Fahrstil verbessern: Statt Geld für Spritsparmittel auszugeben, lieber den eigenen Fahrstil optimieren. Ein Spritspartraining, wie es auch der ÖAMTC anbietet, kann den Verbrauch um bis zu 20 % senken.
Placebo-Effekt beachten: Berichte von Nachbarn oder Bekannten über Spritsparmittel sind oft nicht unter vergleichbaren Bedingungen ermittelt. Wer ein Produkt erwartet, fährt automatisch sparsamer – der Effekt ist meist psychologisch.
Haftung & Garantie: Kein Fahrzeughersteller hat Spritsparmittel freigegeben. Schäden durch deren Nutzung trägt allein der Fahrzeugbesitzer. Garantie oder Sachmängelhaftung erlöschen nicht automatisch, aber Hersteller übernehmen bei ursächlichem Schaden keine Haftung.
Fahrzeugwartung: Regelmäßige Kontrolle von Luftdruck, Öl- und Filterwechsel senkt den Verbrauch. Unnötiges Gewicht vermeiden.
Kraftstoff & Öl: Nur vom Hersteller freigegebene Ölqualität verwenden und handelsüblichen Kraftstoff gemäß DIN-EN tanken.
Verbrauch dokumentieren: Nach jedem Tanken Kilometersstände und Verbrauch notieren, um den persönlichen Durchschnitt zu ermitteln. Bordcomputer kann ebenfalls genutzt werden. So erkennt man den Einfluss von Winterreifen, hoher Geschwindigkeit oder starker Beladung – und fährt bewusster.
Die Geräte kommunizieren schlicht nicht mit dem Motorsteuergerät, wesentliche Parameter wie die Abgasnachbehandlung würden nicht korrekt beeinflusst. Im Extremfall könnte ein Eingriff sogar die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs gefährden.
Prüfung bestätigt: Dongle wirkungslos
Auch der ADAC hat 2024 in Zusammenarbeit mit der Computerzeitschrift „c’t“ einen solchen Dongle für Diesel- und Benzin-Pkw geprüft. Ergebnis: Der Dongle enthält lediglich einen Spannungswandler, ein paar Leuchtdioden und grundlegende elektronische Bauteile. Eine Verbindung zum CAN-Bus des Autos existiert nicht.
Markus Sippl vom ADAC Technik Zentrum erklärt: „Wäre die versprochene Wirkung tatsächlich erreichbar, würden solche Produkte längst serienmäßig von Autoherstellern verbaut. In einem kleinen OBD-Dongle lässt sich keine universelle Technik unterbringen, die bei allen Fahrzeugen den Verbrauch senkt.“
Finger weg von Spritspar-Wundermitteln
Die Folge: Autofahrer zahlen zwischen 9 und 40 Euro für ein Gerät, das nichts bringt. Auch vermeintliche Testergebnisse, Kundenberichte oder fragwürdige Zertifikate können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es keinen Spritspar-Effekt gibt.
Wer wirklich Kosten senken möchte, muss selbst aktiv werden. Laut ADAC hilft vor allem ein bewusster Fahrstil: sanft beschleunigen, vorausschauend fahren und unnötige Fahrten vermeiden.
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