Desaströse Bilanz

Teurer Stadtbus ist zumeist recht einsam unterwegs

Niederösterreich
23.05.2026 08:00

Mehr als eine halbe Million Euro kostet der Betrieb des Mödlinger Stadtbusses im Jahr. Die Auslastung des städtischen Mobilitätsangebots steht dazu aber in keiner Relation. Pro Fahrt verirren sich durchschnittlich nicht einmal fünf Fahrgäste in die Busse!

Stell dir vor, es kommt der Bus – aber keiner will mitfahren! Nun, in Mödling passiert das mehrmals täglich. Fast 100 Fahrten auf drei Linien absolvieren die grün-weißen Personentransporter von Montag bis Freitag, die Zahl der Fahrgäste ist überschaubar. Rund 470 Mödlinger nutzen das Angebot. Fallen die Schüler weg, bricht das Interesse an der städtischen Öffi-Mobilität vollends weg. An Ferientagen werden nur 270 Passagiere gezählt. Das ergibt desaströse Durchschnittswerte: 4,8 Nutzer pro Fahrt an Schultagen, 2,8 in der unterrichtsfreien Zeit.

Viel Geld, wenig Nutzen
Allerdings: Den niedrigen Fahrgastzahlen stehen umso höhere Kosten gegenüber. 2025 mussten die Steuerzahler 530.054 Euro für den Betrieb der Busse hinblättern. Ein Drittel steuerte das Land bei, 10.000 Euro die Nachbargemeinde Wiener Neudorf – der Rest kam aus dem Stadtbudget.

Zitat Icon

Das für die Steuerzahler teure Stadtbus-System wird derzeit von den Mödlingern nicht gut angenommen. Die Auslastung ist schlecht.

Tim Pöchhacker, Mobilitätsstadtrat (Grüne)

Pläne für attraktiveres Angebot
Die Gründe für die schlechte Auslastung hat auch Mobilitätsstadtrat Tim Pöchhacker (Grüne) erkannt: „Das liegt an den unattraktiven Betriebszeiten und der Linienführung.“ Die Busse sind Montag bis Freitag von 6.30 bis 18.30 Uhr, eingeschränkt auf drei Routen, unterwegs. Abends, samstags und sonntags sowie abseits der Linien profitiert keiner von den städtischen Öffis. Pöchhacker hat aber große Pläne. „Unser Ziel ist ein flächendeckendes Angebot auch am Abend und an Wochenenden.“ Dazu ist aber weiter finanzielle Hilfe des Landes nötig, Verhandlungen laufen.

Aus für den Ortsbus
Schon einen Schritt weiter ist man indes im nahen Perchtoldsdorf. In dem bekannten Heurigenort verabschiedet man sich vom Ortsbus, am 30. Juni wird der Betrieb eingestellt. „In Zeiten hohen Spardrucks sind die jährlichen Kosten von 235.000 Euro bei geringer Auslastung nicht mehr gerechtfertigt“, heißt es aus dem dortigen Rathaus.

In Perchtoldsdorf haben Bürgermeisterin Andrea Kö und ihr Vize Tony Platt schon neue ...
In Perchtoldsdorf haben Bürgermeisterin Andrea Kö und ihr Vize Tony Platt schon neue Öffi-Lösungen parat.(Bild: zVg/ÖVP/Neos)

Förderung pro Fahrschein
„Wir orientieren uns am tatsächlichen Bedarf und setzen auf gezielte Unterstützung“, geben Ortschefin Andrea Kö und Vizebürgermeister Tony Platt die Devise für künftige innerörtliche Mobilitätsangebote in Perchtoldsdorf aus. Konkret wird die Gemeinde Fahrten mit den bestehenden Buslinien des Verkehrsverbunds Ostregion (VOR) mit einem Zuschuss von 50 Cent pro Einzelfahrschein stützen. Zudem werden Schulungen verstärkt, damit auch die ältere Generation Apps für Taxis- und Uber-Dienste  problemlos handhaben kann. Lösungen für den Schülerverkehr sollen bis Herbst feststehen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Niederösterreich
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung