Möglicherweise angelockt durch Beiträge in den sozialen Medien wollten zwei 20-jährige Deutsche nach ihrem Aufstieg auf die Zugspitze den Sonnenaufgang vom höchsten Berg Deutschlands aus genießen. Jung, unerfahren und schlecht ausgerüstet wurde ein Schneefeld einem von beiden zum tödlichen Verhängnis. „Man muss beinahe davon ausgehen, dass Unglücke passieren“, kann es ein erfahrener Tiroler Bergretter kaum fassen.
Waren es wieder schöne Bilder in sozialen Medien, die das in Deutschland lebende junge Duo animierten, Deutschlands höchsten Berg zu besteigen? In der Nacht auf Samstag stiegen wie berichtet die zwei 20-jährigen Deutschen über die sogenannte „Stopselzieherroute“ auf Tiroler Seite von Ehrwald Richtung Zugspitze auf.
Beide waren für die Jahreszeit schlecht ausgerüstet. „Sie hatten weder Steigeisen, noch Gurt, Helm und Pickel dabei“, kann es Riccardo Mizio, Einsatzleiter der Bergrettung Ehrwald, nicht glauben. Dabei liegt in der Route noch viel Schnee, es müssen hart gefrorene Schneefelder gequert werden. Nur Grödel (Anmerkung: eine Art „Schneekette“) trugen die beiden offenbar bergunerfahrenen jungen Leute an den Schuhen.
US-amerikanischer Notruf landete in Bayern
Gegen 3 Uhr passierte es dann: Beim Queren eines Schneefelds rutschte einer der beiden, ein gebürtiger Kasache, aus und stürzte ab. Sein aus der Ukraine stammender Begleiter konnte sich wegen seiner Unerfahrenheit das Ausmaß des Unglücks nicht vorstellen, schlug aber Alarm. „Er wählte jedoch den US-amerikanischen Notruf, der dann bei der Polizei in Bayern landete“, sagt Einsatzleiter Mizio.
Die Videos in den sozialen Medien sind so provokant, da muss man beinahe davon ausgehen, dass Unglücke passieren.
Riccardo Mizio, Einsatzleiter BR Ehrwald
Der 20-Jährige, der sich nur in gebrochenem Englisch verständigen konnte, war kaum in der Lage, der Leitstelle zu erklären, auf welcher Route er sich befindet. So begann quasi eine Suchaktion unter Beteiligung des nachtflugtauglichen Hubschraubers „Christoph München“, gleichzeitig wurde die Bergrettung Ehrwald verständigt. Aus der Luft suchten die Retter verzweifelt nach Lichtpunkten, niemand wusste, wo auf Deutschlands höchstem Berg der Notfall passiert war.
Jung-Alpinist im Schock: Freund plötzlich weg
Kurz nach 4 Uhr entdeckten die Einsatzkräfte dann doch ein Licht auf der „Stopselzieherroute“. „Der Heli flog daraufhin mich und einen Kollegen zur Wiener Neustädter Hütte, von dort stiegen wir zu Fuß weiter auf“, schildert Riccardo Mizio. „Wir hatten bald Rufkontakt, trafen auf den Überlebenden, der uns jedoch lediglich mitteilen konnte, dass sein Freund nicht mehr da sei, weil er ausgerutscht sei. Mehr konnte er uns nicht sagen und sich auch nicht vorstellen.“
Das Unglück passierte in einem hart gefrorenen Schneefeld, das ohne Steigeisen laut Bergrettung nicht begehbar gewesen sei. Mizio stieg in der Folge Richtung Wandfuß ab und entdeckte dort gegen 5 Uhr früh die Leiche des 20-jährigen, gebürtigen Kasachen. Er war rund 250 Meter über steilstes Felsgelände abgestürzt.
Provokante Bilder und Videos in sozialen Medien
Unterdessen war auch ein Hubschrauber aus Liechtenstein eingetroffen, der mit Nachtwinde ausgestattet ist. Der flog den Überlebenden und den Bergretter ins Tal, die Libelle Tirol barg schließlich den Toten. Mizio zeigt sich schockiert über das Unglück des offenbar bergunerfahrenen jungen Manns. Die Vermutung liegt nahe, dass die beiden – wie so viele andere junge Menschen zuvor auch – schönen Bildern in den Sozialen Medien gefolgt waren. Davor hatten Ehrwalder Bergretter auch in der „Krone“ ausdrücklich gewarnt.
Schon der zweite Tote seit Dezember in dieser Route
„Ich habe selbst Videos in den sozialen Medien gesehen. Die sind so provokant, da muss man beinahe davon ausgehen, dass Unglücke passieren“, kann es der erfahrene Bergretter und Bergführer kaum glauben. „Wo führt dieser Leichtsinn noch hin? Dieser tragische Tod wäre absolut vermeidbar gewesen.“ Es handelt sich bereits um den zweiten jungen Mann, der seit Dezember in der „Stopselzieherroute“ sein Leben verloren hat.
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