Musikverein 2026/27

Beethovens Sargschlüssel & Jelineks altes Klavier

Kultur
22.03.2026 19:30

Musikverein-Intendant Stephan Pauly gibt Einblicke in die kommende Saison. Ein Gespräch über Konzerte im Liegestuhl, ungewöhnliche Objekte, die zu Programmen inspirieren und immer spontanere Konzertbesucher.

Es sind drei programmatische Säulen, auf die Intendant Stephan Pauly die nächste Saison im Musikverein gebaut hat: „Die große Tradition des Hauses lebendig weiterführen, Möglichkeiten für musikalische Entdeckungen anbieten und ein neues Publikum erreichen.“ Das Ziel hinter allen drei Pfeilern ist es, „möglichst vielen Menschen den Zugang zu klassischer Musik zu erleichtern, sie in Kontakt mit Musik zu bringen“, erzählt Pauly im „Krone“-Gespräch.

Um neues Publikum anzusprechen, setzt auch der Musikverein vermehrt auf offenere und ungewöhnliche Konzertformate. Gesprächskonzerte mit den Wiener Symphonikern und dem RSO zum Beispiel, Lunch-Konzerte, Konzerte für Menschen mit und ohne Demenz oder auch das Format „Auszeit“: „Da kann man auf Pölstern liegen, in Liegestühlen, es ist dunkles Licht, es sind ruhige Stücke, die Künstler sind im Mittelpunkt, alle sitzen drumherum. Die Konzerte in dieser Saison sind komplett ausverkauft gewesen, auf einen Schlag!“

Saison 2026/27

  • 900 Konzerte in knapp 80 Abozyklen bietet der Musikverein 2026/27 – von den Großen Symphonien über Kammermusik zu Gesprächsformaten.
  • Porträtkünstler sind Franz Welser-Möst, Anne-Sophie Mutter, Yuja Wang, Maxime Pascal.
  • Komponistinnen im Fokus sind Francesca Veronelli und Emilie Maier.
  • Kult! Das Musikfest 2027 widmet sich der Verehrung von Komponisten.
  • Perspektiven sind im Spätherbst Autorin Elfriede Jelinek gewidmet.

In der zweiten Säule, den musikalischen Entdeckungen, sieht Pauly einigen Schwerpunkten besonders gespannt entgegen – etwa den Perspektiven zu Elfriede Jelinek. Am Anfang dieser Konzertreihe Ende November steht der lange Zeit nicht gespielte Flügel der Literaturnobelpreisträgerin. „Die Pianistin Marianne Schröder war bei Jelinek zu Gast und hat auf diesem Klavier gespielt. Und beide waren total elektrisiert von dem Klang, der da herauskam.“ Musik dieses Flügels wird neben Texten auch im Musikverein eine Rolle spielen.

Beethovens goldener Sargschlüssel
Ein besonderes Objekt war auch Inspiration für das Musikfest nächsten Frühling: „Es ist ein etwas skurriles Objekt, nämlich ein kleiner goldener Schlüssel zu Beethovens Sarg.“ Ausgehend von diesem Schlüssel hat Pauly ein Programm gestrickt, das sich mit der Verehrung von Komponisten auseinandersetzt. Zu hören sein werden bei „Kult!“ vor allem Musiken, die Komponisten über andere Komponisten geschrieben haben: „Sozusagen musikalische Denkmäler wie zum Beispiel Mozart für Händel, Brahms für Haydn, Rachmaninoff für Tschaikowsky.“

Fokus auf Komponistinnen
Die Komponistinnen im Fokus sind in der kommenden Saison die 1979 geborene Italienerin Francesca Veronelli und die deutsche Mahler-Zeitgenossin Emilie Maier. Die Fokus-Künstler sind Großteiles regelmäßige Gäste im Musikverein: Franz Welser-Möst ist ebenso ein eigener Zyklus gewidmet wie der Geigerin Anne-Sophie Mutter, die ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Dazu kommen die Tastenvirtuosin Yuja Wang und der aufstrebende Dirigent Maxime Pascal.

Auch der 200. Todestag von Beethoven am 26. März 2027 will im Musikverein gefeiert sein: Franz Welser-Möst wird mit den Philharmonikern die „Missa solemnis“ dirigieren. Über die Saison verteilt wird Igor Levit sämtliche Klaviersonaten spielen. Stephan Pauly: „Igor Levit gehört zu den prägendsten Pianisten unserer Zeit – und Beethoven ist der absolute Kern seiner künstlerischen Existenz.“ Daniele Gatti und die Staatskapelle Dresden kommen mit den neuen Symphonien.

Kurzfristigere Konzertbesuche
Eingebettet sind diese Schwerpunkte in ein umfangreiches Programm mit erneut rund 900 Konzerten und knapp 80 Abo-Zyklen – vom großen Orchesterklang bis zum feinen Liederabend.

Wodurch sich diese Saison am stärksten von vorherigen unterscheidet? Stephan Pauly: „Dass wir noch stärker darauf setzen mit neuem Publikum, mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen.“ Mit der Auslastung ist Pauly zufrieden: „Die Einbrüche während Corona spüren wir jetzt gar nicht mehr, aber es hat sich etwas nachhaltig verändert durch die Pandemie. Die Top-Konzerte sind immer früh ausverkauft. Aber jenseits davon entscheiden sich die Menschen immer kurzfristiger, ins Konzert zu kommen. Das sehen wir über alle Genres und Häuser hinweg.“

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