Messe der Superlative

Weltmeisterschaften der Schönen Künste eröffnet

Kultur
16.03.2026 11:06

Die TEFAF in Maastricht in den Niederlanden möchte bis 19. März als weltweit bedeutendste Fine-Art-Messe einmal mehr allen globalen Krisen trotzen.

Fünfzig Kirchen, eine für fast jeden Sonntag, hatte das vorwiegend katholische Maastricht vor langer Zeit – und war dazu ein wichtiger Pilgerort. Die hohe Zahl an Kirchen und Katholiken ist längst Geschichte. Nur noch die „Heiligtumsfahrt“ lockt alle sieben Jahre zehntausende Pilger in die beschauliche 126.000-Seelen Gemeinde.

In Maastricht hat inzwischen die Kunst die Nase vorne. Denn zu ihr strömt dank „The European Fair Art Fair“, kurz TEFAF, das internationale Publikum zu Tausenden. Mit ihren heuer 276 Ausstellern aus 24 Ländern ist sie der ungeschlagen größte, edelste und wichtigste Fine-Art-Supermarkt, der sich denken lässt.

Das teuerste Bild der Messe: Joan Miró, Femme Revant de L‘Evasion, 1945, ist bei Landau Fine ...
Das teuerste Bild der Messe: Joan Miró, Femme Revant de L‘Evasion, 1945, ist bei Landau Fine Arts um 25 Millionen Euro zu haben.(Bild: Anna Janson)

Unter den Gästen, die zu den beiden Preview-Tagen kamen, war angeblich auch eine Abordnung vom Louvre Abu Dhabi. Doch fallen Kunden aus diesem Raum in Maastricht derzeit nicht allzu groß ins Gewicht. Das bestätigt etwa Michael Beck von der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling. Er glänzt in Maastricht mit einem frühen Gemälde von Wassily Kandinsky von 1927 um 2,3 Millionen Euro und einer Riesenskulptur des Spaniers Manolo Valdés (*1942) um 680.000 Euro, für die sogar der Stand höher gebaut werden musste.

Natürlich trifft man auch Gäste aus den USA, doch lockt ab 15. Mai die US-Ausgabe der TEFAF nach New York. Durch die Gänge flaniert immer noch vorrangig europäisches Publikum, Sammler, Experten und Museumsdirektoren, wie Max Hollein aus New York oder Albertina-Direktor Ralph Gleis.

Aus Österreich glänzen in diesem Jahr einsam aber sehr gekonnt Wienerroither & Kohlbacher aus Wien. Mit Papierarbeiten von Klimt und Schiele, Expressionisten fürs deutsche Publikum, einer sehr pointierten, Franz West gewidmeten Einzelpräsentation, während im Zentrum ihres Standes Arnulf Rainers Gemälde „Die Brücke“ von 1951 beeindruckt. Der österreichische Jugendstil-Spezialist Wolfgang Bauer pausiert heuer und Thomas Salis, langjähriger TEFAF-Aussteller, hat kürzlich seine Salzburger Galerie für klassische Moderne geschlossen.

Die Wiener Kunsthändler Wienerroither & Kohlbacher präsentieren Franz West in Maastricht: ...
Die Wiener Kunsthändler Wienerroither & Kohlbacher präsentieren Franz West in Maastricht: „Kotznik“, 2011, um 100.000 Euro.(Bild: W&K – Wienerroither & Kohlbacher)
Arnulf Rainers Gemälde „Die Brücke“ von 1951 wird bei Wieneroither & Kohlbacher um 650.000 Euro ...
Arnulf Rainers Gemälde „Die Brücke“ von 1951 wird bei Wieneroither & Kohlbacher um 650.000 Euro angeboten.(Bild: W&K – Wienerroither & Kohlbacher)

Maastricht ist vor allem ein Platz für Schönes von der Antike, über viele Alte Meister bis hinauf in die Klassische Moderne. Avancierte Gegenwartskunst trifft man hier eher selten und auch nicht immer überzeugend. Zu den großen Highlights im Hauptsegment Gemälde zählt bei Colnaghi (London, Madrid, New York) das „Porträt Don Sebastián de Huerta“, um 1628/29, von Diego Velázquez.

Das teuerste bekannte Werk der Messe findet man mit Joan Mirós „Femme rêvant de l’évasion“ von 1945 um stolze 25 Mio. Euro bei Landau Fine Art. Für etwas weniger, nämlich 20 Mio. Dollar, bekommt man bei Alon Zakaim aus London sogar ein Pärchen von Claude Monet: zwei Versionen, aus der siebenteiligen Serie seiner Ansicht der „Église de Vernon“, von 1894.

Ein stolzes Paar um 20 Mio. Dollar bei Londoner Händler Alon Zakaim Fine Art: Claude Monet, ...
Ein stolzes Paar um 20 Mio. Dollar bei Londoner Händler Alon Zakaim Fine Art: Claude Monet, Église de Vernon, Soleil, 1894(Bild: Alon Zakaim Fine Art)
Claude Monet, L’église de Vernon, temps gris, 1894
Claude Monet, L’église de Vernon, temps gris, 1894(Bild: Alon Zakaim Fine Art)

Sogar Alte Meisterinnen lassen sich inzwischen in Maastricht immer wieder entdecken: Am prominenten Artemisia Gentileschi mit ihrem „Selbstporträt als Kleopatra“, um 1620, in der Koje von Jean-François Heim oder eine „Judith mit dem abgeschlagenen Kopf des Holofernes“ aus der Zeit um 1656 , gemalt hat sie die aus Bologna stammenden Elisabetta Sirani (1638–1665). Sie findet sich bei der Galleria Porcini aus Neapel, die außerdem monumentalen fast fünf Meter breiten Weihnachtsgrippe aus dem späten 18. Jahrhundert einen großen Auftritt liefert.

Im Möbelbereich bestätigt sich der Trend weg von klassischen Antiquitäten zu modernen Design-Klassikern. Etwa bei der grandiosen Einzelpräsentation von De-Stijl-Legende Gerrit Rietveld am Stand des Messe-Neulings Van den Bruinhorst Galerie aus Kampen.

Gerrit Th. Rietvelds Strandwagen, als Prachtexempel der De-Stijl-Gruppe um 255.000 € bei Van den ...
Gerrit Th. Rietvelds Strandwagen, als Prachtexempel der De-Stijl-Gruppe um 255.000 € bei Van den Bruinhorst Galerie: geometrische Formen und Komplementärfarben.(Bild: Ad van den Bruinhorst)
Ein Ausflug ins alte Pariser Nachtleben bei der Galerie Wildenstein aus New York: Henri ...
Ein Ausflug ins alte Pariser Nachtleben bei der Galerie Wildenstein aus New York: Henri Toulouse-Lautrecs „Monsieur Caudieux“, 1893.(Bild: Wildenstein London)
In der Kunstkammer Georg Laue aus München lächelt ein Jüngling des Bildhauers Medardo Rosso, dem ...
In der Kunstkammer Georg Laue aus München lächelt ein Jüngling des Bildhauers Medardo Rosso, dem 2024/25 eine große Retrospektive im Wiener Mumok gewidmet war.(Bild: Stefan Musil)

Aber auch Manuskripte und Miniaturen, prachtvoll illuminierte Wunderdinge des Mittelalters und der Renaissance, haben ihren Platz in Maastricht. Ganz besonders beim führenden Spezialisten Dr. Jörn Günther Rare Books aus Basel. Hier freute man sich schon bei der Vernissage über den Verkauf des „Liechtenstein Tacuinum Sanitatis“, eine herrlich illuminierte Pergamenthandschrift, die das Alltagsleben im Padua des 15. Jahrhunderts zeigt.

Die vielen roten Punkte, die bereits am Tag nach der Vernissage die verkauften Objekte markierten, schienen dann den „Art Basel and UBS Global Art Market Report“ zu bestätigen, der soeben von einem Aufschwung am Kunstmarkt berichtet hat.

Ein besonderes Meisterwerk wurde von der „Leiden Collection“ in New York gekauft: „Mann mit ...
Ein besonderes Meisterwerk wurde von der „Leiden Collection“ in New York gekauft: „Mann mit rotem Barret und Feder“ des bedeutenden Rembrandt Schülers Willem Drost (1633-1659)(Bild: Agnews Gallery/The Leiden Collection)
Die „Monument Men“ fanden das von den Nazis geraubte Gemälde neben der Wiener „Malkunst“ von ...
Die „Monument Men“ fanden das von den Nazis geraubte Gemälde neben der Wiener „Malkunst“ von Vermeer in den Salzminen von Altaussee.(Bild: Agnews Gallery)

Eine solchen roten Punkt trug schnell auch ein Gemälde mit ganz besonderer Geschichte: das Porträt eines Mannes mit rotem Barett mit Feder des bedeutenden, jung verstorbenen Rembrandt-Schülers Willem Drost (1633–1659). Es befand sich in der Pariser Sammlung von Édouard de Rothschild, bis es von 1940 von den Nazis geraubt wurde. Hermann Göring wählte es dann für das Linzer „Führer-Museum“ aus.

Nach Kriegsende konnten es die legendären „Monument Men“ in den Salzminen von Altaussee, direkt neben der Wiener „Malkunst“ von Vermeer, sicherstellen. Die Agnews Gallery aus London hat es jetzt an die New Yorker Leiden Collection des Unternehmers, Investors und Philanthropen Thomas S. Kaplan verkauft, womit es auch in Zukunft öffentlich zugänglich sein wird.

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