Bisherige Stellvertreterin wird Nachfolgerin von Johanna Rachinger als Generaldirektorin. Richard Starkel bleibt wirtschaftlicher Geschäftsführer der Österreischischen Nationalbibliothek.
In der Nationalbibliothek stehen die Zeichen auf Kontinuität, wenn Michaela Mayr ab 1. April neue Generaldirektorin wird. Die bisherige Stellvertreterin von Johanna Rachinger folgt ihrer Ex-Chefin, die aus gesundheitlichen Gründen im November abberufen worden war. Für den Posten gab es 23 Bewerbungen, darunter 16 Frauen. 16 Bewerbungen kamen aus Österreich. Richard Starkel bleibt wirtschaftlicher Geschäftsführer.
Mayr, Jahrgang 1977, hatte zuletzt bereits die interimistische Leitung der ÖNB inne. Sie wurde vor 18 Jahren von der seit 2001 als wissenschaftliche Geschäftsführerin amtierenden Rachinger für den Aufbau des Web-Archivs ans Haus geholt und hatte seither mehrere Funktionen inne. „Ihr Mut zur Veränderung hat dieses Haus stark gemacht und ist zugleich Auftrag für die Zukunft“, sagte sie bei ihrer Präsentation über ihre Vorgängerin, und auch Kulturminister Andreas Babler (SPÖ), Sektionschefin Theresia Niedermüller und Starkel würdigten die Verdienste Rachingers, die nach schweren Sturzfolgen ihre letzte Funktionsperiode nicht wie vorgesehen beenden konnte.
Beide Verträge haben eine Laufzeit von fünf Jahren. Starkels dritte Funktionsperiode beginnt nach Ablauf seines derzeitigen Vertrages mit 1. Oktober 2026. „Gemeinsam stehen wir für Stabilität, Verantwortung und Weiterentwicklung“, betonte Mayr.
Kein totes Archiv, sondern ein lebendiger Ort
Babler betonte bei der Präsentation der neuen Leitung, die Nationalbibliothek sei mit ihren zuletzt 1,3 Millionen Besucherinnen und Besuchern im neu renovierten Prunksaal, dem Lesesaal und dem Haus der Geschichte Österreich (hdgö) kein totes Archiv, sondern ein lebendiger Ort. Das künftige Leitungsteam, das von der Findungskommission einstimmig empfohlen worden war, habe ihm versichert, dass es gleichermaßen für Kontinuität wie für Offenheit stehe und die ÖNB auch als wesentlichen Ort zur Stärkung der Medienkompetenz sehe.
Als Grundlage ihrer Direktionszeit sehe sie die von Johanna Rachinger auf den Weg gebrachte „Vision 2035“ der ÖNB, die den Titel „Wir öffnen Räume“ trägt, sagte die designierte neue Chefin. Sie wolle den Zugang zu Wissen, Kultur und Bildung noch nutzerfreundlicher gestalten. „Unser Ziel ist eine Bibliothek, die Barrieren abbaut und Menschen einlädt.“ Es gehe darum, die digitale Transformation mitzugestalten und strategische Partnerschaften weiter auszubauen.
Vor „wirtschaftlich herausfordernden Jahren“
Starkel betonte, dass die wirtschaftlichen Gegebenheiten schwieriger würden: „Angesichts der Sparzwänge liegen wirtschaftlich herausfordernde Jahre vor uns.“ Ob das auch Einschränkungen des Angebots mit sich bringen werde, könne man jedoch noch nicht sagen. Sicher sei nur, dass die „Deckungsvorsorge“, also die Reserve des Hauses, die per Ende 2024 rund 12 Millionen Euro betragen habe, für unvorhergesehene Ereignisse wie die Corona-Pandemie gedacht sei und nicht zur Finanzierung des laufenden Betriebs oder von baulichen Vorhaben herangezogen werden sollte.
Beim hdgö, das derzeit strukturell in die ÖNB eingegliedert ist, sei dies auch rein rechnerisch nicht möglich, da es sich um getrennte Rechnungskreise und daher separate Mittel handeln würde. Bis zu einer allfälligen Etablierung als eigenständiges Bundesmuseum, wie es in den Regierungsvorhaben festgehalten ist, werde der Umzug aber von der ÖNB vorangetrieben.
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