Ein Drittel weniger

Förderkürzungen schmerzen Festspiele weiterhin

Vorarlberg
02.06.2026 15:15
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Zwar ist „La Traviata“, die heutige Operninszenierung auf der Bregenzer Seebühne, bereits ausverkauft, doch die Streichungen der Fördergeber könnten die Bregenzer Festspiele zu unangenehmen Schritten im Programm zwingen.  

Nicht am Bodensee, sondern am Wiener Ring haben am Dienstag die Bregenzer Festspiele ihre Jubiläumsausgabe präsentiert. Finanziell führen beim Kulturtanker weiters die im Vorjahr kurzfristig verkündeten Subventionskürzungen zu Sorgenfalten. Dennoch bemüht man sich, die 80. Ausgabe des Festivals wohlgemut anzugehen. Schließlich steht man zwei Wochen vor Probenbeginn für Verdis „La Traviata“, die am 22. Juli erstmals auf der Seebühne zu sehen sein wird.

Die 188.000 Karten für die Seebühne, die heuer von Regisseur Damiano Michieletto gestaltet wird, sind bereits seit Ostern ausverkauft. „Das ist sehr wichtig in einer Zeit, in der die Kosten nach oben gehen“, unterstrich der kaufmännische Direktor Michael Diem die ökonomische Bedeutung der heuer 28 Aufführungen. Schließlich lasse sich der bereits avisierte Verlust der Festspiele für 2025 mittlerweile beziffern: 4 Millionen Euro. Die Grundfrage sei stets: „Was können wir uns alles noch leisten? Diese Herausforderung ist derzeit sehr groß.“ Einig sei er sich mit der neuen Intendantin Lilli Paasikivi jedenfalls, dass man zur Not Dinge streichen müsse – so ist die Zukunft des Schauspiels beim Festival weiter offen. „Aber das, was wir machen, machen wir mit hoher Qualität.“

Die Fördergeber hatten im Vorjahr für 2025 und heuer ihre bisher bei 7 Millionen Euro gelegenen Beiträge um 30 Prozent bzw. 2,1 Millionen Euro jährlich gekürzt. Nun hoffe man, dass 2027 zumindest zum alten Ausgangswert zurückgekehrt werde und dann wieder 7 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Aber: „Wir haben noch keine Antwort auf unsere Frage, wie es weitergehen wird“, machte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler deutlich. Man gehe also einstweilen davon aus, dass die für 2027 ursprünglich gemachten Zusagen halten. In jedem Falle gelte es, sich am Geist der Gründungsgeneration aus 1946 mit ihrem Mindset des Pioniergeists zu orientieren: „Heute jammert jeder über die wirtschaftliche Situation, aber wir leben in Wahrheit alle mehr oder weniger in Wohlstand.“

Intendatin Lilli Paasikivi.
Intendatin Lilli Paasikivi.(Bild: Karl Schöndorfer)

Preziose ausgegraben
Und so wagte man beim Wien-Zwischenstopp im Ringturm auch den Blick in die Zukunft. Dass 2028 Wagners „Fliegender Holländer“ am See landet, ist bereits seit längerem bekannt. Paasikivi hat nun aber auch die Hausoper für 2027 enthüllt. Dabei hat die Festivalchefin eine echte Preziose ausgegraben: Othmar Schoecks „Penthesilea“ aus 1927 wird von Mariame Clément inszeniert. Und bei allen Finanzsorgen feiert man das heurige Jubiläum auch gebührend. So haben sich für das für 1. August avisierte „Singalong am See“ bereits über 6000 Menschen angemeldet.

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