Zum 250-Jahr-Jubiläum der grafischen Sammlung hat Albertina-Direktor Ralph Gleis nun Otto Waalkes, seines Zeichens beliebter Komiker, aber auch begnadeter Maler, auf die Alten Meister losgelassen. Wir waren bei der Präsentation in den altehrwürdigen Prunkräumen, durch die jetzt ein frischer Wind weht. Fazit: einfach köstlich!
Ein frischer Wind weht derzeit durch die klassizistischen Prunkräumen der Albertina und immer wieder hört man jemanden laut auflachen. Der Grund: Otto Waalkes, die seit Jahrzehnten erfolgreiche Humorgranate aus Ostfriesland, hat wieder einmal zum Pinsel gegriffen. Die große Leidenschaft des 77-jährigen Waalkes, der an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei dem Wiener Rudolf Hausner Kunstpädagogik studierte.
Nun hat Albertina-Direktor Raphael Gleis zum 250-Jahr-Jubiläum der grafischen Sammlung marketingschlau Otto eingeladen, „einen neuen Blick auf die altehrwürdige Sammlung zu wagen“ – und löst dabei einmal mehr sein Antrittsversprechen ein, die Albertina für ein breiteres Publikum zu öffnen.
„Große Kunst und großes Haus schließen großen Humor nicht aus“, so Gleis und muss selbst schmunzeln, dass er im identen Outfit wie Otto – taubenblauer Anzug, weißes Hemd und weiße Sneaker – zum Pressegespräch erschienen ist. Otto sitzt wie immer der Schalk im Nacken: Er kichert vergnügt, strahlt aber sichtlich bewegt: „Ich hätte mir nicht zu träumen gewagt, hier jemals meine Bilder zu zeigen“. Dabei hatte er freie Bahn, was die Auswahl betrifft: „Das war wirklich sehr mutig von euch!“, schmunzelt er vergnügt.


Das Wagnis hat sich gelohnt, stets dabei: Ottos Markenzeichen, der berühmte Ottifant, der, wie er sagt, „ein verunglücktes Selbstporträt ist“. Und so mäht einer „Das große Rasenstück“ von Albrecht Dürer, Egon Schieles „Adele Harms“ bekommt einen Ottifanten als Schoßtier, und Gustav Klimts „Bildnis einer Dame mit Cape“ wird zum „Portrait of a Lady“ mit Rüsselnase. Das ist alles nicht nur herrlich heiter, sondern beeindruckt durch verblüffende Stilsicherheit: „Ich wurde da ganz schön gefordert“, so Otto, der sich zur Anfertigung der insgesamt 12 Werke in sein US-Domizil zurückgezogen hatte, da ihn dort keiner kenne und er so „durchgehend störungsfrei arbeiten konnte, sei doch „extreme Präzision“ gefragt gewesen.
Die große Kunst: Seine Neuinterpretationen sind mit feinem, subtilem Humor versehen, schelmisch, aber nie derb. Vielmehr eine Huldigung: „Parodie ist für mich immer eine Form der Verehrung für die Vorbilder“, sagt er, „ich hoffe, das spürt man, aber ich habe ein gutes Gefühl, denn ein bisschen Lächeln tut gut!“
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