Superflux

Diese Designs reizen die Grenzen der Fantasie aus

Kultur
14.03.2026 07:00

Die Ausstellung „The Craftocene“ bringt im Weltmuseum Wien zum ersten Mal drei zentrale Arbeiten des preisgekrönten Londoner Designstudios Superflux zusammen. Sie alle beschäftigen sich mit unerwarteten Perspektiven einer hoffnungsvollen Zukunft.

Was wäre, wenn? Diese Frage steht am Beginn aller Arbeiten des britischen Design-Studios Superflux. Was wäre, wenn wir künstliche Intelligenz für die Natur einsetzten? Was würden die Überreste unserer Zivilisation einmal über uns aussagen? Wie würde eine gedeckte Tafel für alle Spezies aussehen? Aus diesen Fragestellungen entwickeln die Designer ihre künstlerischen Installationen. Drei Projekte aus diesem Bereich des Spekulativen Designs zeigen Superflux jetzt erstmals zusammen im Weltmuseum Wien.

Unverhoffte Chancen für die Zukunft
„Craftocene“, so der Titel der Ausstellung, spielt mit dem Gedanken, dass wir künftig in einem Zeitalter leben könnten, das auf Handwerk, Fürsorge und ökologischer Wiedergutmachung aufbaut. Aus diesem Blick haben Superflux mögliche Zukunftsszenarien entworfen. Es sind – teils utopische, teils naive – mögliche Welten, die zum Nachdenken anregen, neue Perspektiven auf die Gegenwart und unverhoffte Chancen für die Zukunft öffnen.

„Nobody Told Me Rivers Dream“ spürt mit technischen Mitteln die seelenvolle Intelligenz der ...
„Nobody Told Me Rivers Dream“ spürt mit technischen Mitteln die seelenvolle Intelligenz der Natur auf.(Bild: Weltmuseum/Daniel Sostaric)

Der erste dieser Hoffnungsräume stammt aus dem Jahr 2021. Er erzählt von einer Zukunft, die auf eine zerstörte Natur und die untergegangene menschliche Konsumwelt blickt. Hoffnung gibt jedoch das Bankett, das die Installation zeigt. An einer großen Holztafel sitzen hier neben Menschen auch andere Spezies – der Fuchs hat hier ebenso einen Teller wie die Ratte, der Pilz und die Schlange.

Gedeckt ist die Tafel aus Überresten der heutigen Zivilisation. Es ist nicht das letzte, aber das erste Abendmahl einer neuen, versöhnlichen Epoche des gleichberechtigten Miteinanders auf der Erde.

Auch Flüsse haben Träume
Für die Designstudie „Nobody Told Me Rivers Dream“ (2025) stellen sich die Designer vor, man würde Künstliche Intelligenz zum besseren Verständnis tiefer ökologischer Zusammenhänge nutzen. Mit Sensoren, die Wolkenmuster, Niederschlag, Wasserbewegungen und Völkergeräusche messen und auswerten, erschafft das System, gespeist mit Bauernregeln und lokalem Wissen aus der Wetterkunde, poetische Merksätze, die die verborgene Wesenheit in Natur sichtbar machen sollen.

Auch das jüngste Projekt „Relics of Abundance“ aus dem Jahr 2026 lässt sich als fantasievolle Gegenwartskritik lesen. Gestaltet sind die drei Teile der Installation aus der Perspektive einer fernen Zukunft, die anhand von Überresten unserer heutigen Massenkonsumgesellschaft versucht, Rituale unserer Gegenwart zu rekonstruieren.

Rituale der Konsum-Religion
Die Grundthese dieser künftigen Ethnologen: Menschen im frühen 21. Jahrhundert huldigten einer Art Konsum-Religion und verehrten Smartphones, heilige Turnschuhe und Sessel-Totems. Eine Arbeit, die sich damit auseinandersetzt, welche Spuren wir als Menschheit aktuell hinterlassen und welche Vorfahren wir für nachfolgende Generationen einmal sein werden.

Turnschuhe gießen und auf Smartphones starren, um die Konsum-Religion in sich aufzusaugen: ...
Turnschuhe gießen und auf Smartphones starren, um die Konsum-Religion in sich aufzusaugen: „Relics of Abundance“ beschäftigt sich mit den Relikten des Überflusses.(Bild: Weltmuseum/Daniel Sostaric)

Eingeflochten in die drei Projekte haben Superflux einzelne Objekte aus den Sammlungen des Weltmuseums, die feine Brücken bauen zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Die Macht der Vorstellungskraft
Was die drei Arbeiten verbindet: Sie entfalten eine durchaus humorvolle Poesie, die zum Innehalten einlädt und vertraute Dinge in neuem Licht erscheinen lässt. Superflux erheben dabei nicht den mahnenden Zeigefinger – vielmehr entfalten sie die Kraft der Vorstellung und der ungebändigten Fantasie. Eine Ausstellung, in die es sich einzutauchen lohnt.

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