Konzert und Interview

Flo Rida: Zwischen Welthits und Wiener Würsteln

Musik
03.06.2026 00:25

Kurz vor seinem Auftritt am Dienstagabend in der Wiener Stadthalle sprach Rapper Flo Rida über seine treuen Fans, seine langlebigen Songs und seine Wiener Lieblingsspeise. Danach zeigte er live vor rund 5000 Fans, warum seine Musik bis heute funktioniert – auch wenn der Abend stellenweise mehr Spektakel als runde Show war.

kmm

„She Hit The Floor, Next Thing You Know, Shawty Got Low, Low, Low“ – kaum ein anderer Song steht so sehr für die Club-Ära der späten 2000er wie „Low“. Mit diesem und vielen weiteren Hits hat Tramar Dillard, besser bekannt als Flo Rida, ein ganzes Jahrzehnt geprägt. Seine Songs laufen bis heute in Clubs, auf Partys und in Throwback-Playlists – und sorgen noch immer zuverlässig für volle Tanzflächen. 
Am Dienstagabend trat der 46-jährige US-Rapper in der Wiener Stadthalle auf. Kurz vor seinem Konzert haben wir Flo Rida, der sich am Telefon schlicht als „Flo“ vorstellte, noch erreicht. Im Gespräch erzählte er von seinen loyalen Fans in Europa, der Langlebigkeit seiner größten Hits und davon, warum er seine Auftritte nicht als klassische Konzerte versteht. Für ihn ist klar: Eine Flo-Rida-Show ist vor allem eines – eine Party.

„Krone“: Was magst du daran, in Europa aufzutreten – und speziell in Wien?
Flo Rida: Ich liebe es, in Europa aufzutreten – natürlich auch überall auf der Welt -, aber Europa ist etwas Besonderes. Die Fans sind sehr loyal. Ich nenne sie meine Familie. Sie erinnern sich an alles, auch an Dinge, die ich vielleicht selbst vergessen habe oder gerade nicht im Kopf habe. Neulich hatte ich in Deutschland einen Fan, der sagte, sein Lieblingssong sei „Never“. Das ist einer dieser Songs von meinem ersten Album „R.O.O.T.S.“.

Der 46-jährige setzte in der Wiener Stadthalle auf viel Energie, 2000er-Nostalgie und wenig ...
Der 46-jährige setzte in der Wiener Stadthalle auf viel Energie, 2000er-Nostalgie und wenig Zurückhaltung.(Bild: Andreas Graf)

Songs wie „Low“ sind bis heute große Partyhits. Wie fühlt es sich an, wenn das Publikum sie mit dir mitsingt?
Oh Mann, das ist unglaublich. Wenn sie die Songs mitsingen, fühlt es sich fast so an wie damals, als ich den Song zum ersten Mal aufgenommen habe. Ich wusste damals, dass er ein Hit werden würde. Und jetzt, fast 20 Jahre später, bekomme ich immer noch dieses gleiche Gefühl.

Deine Musik verbindet Hip-Hop, Pop und Club-Sounds. War es immer dein Ziel, Musik für Menschen auf der ganzen Welt zu machen?
Ehrlich gesagt gebe ich da meinem A&R Mike Caren sehr viel Anerkennung. Er hat diese Vision gesehen. Dort, wo ich herkomme, habe ich eher Musik gemacht, die lokaler war – mehr für meine Leute, mein Umfeld und meine Community. Ich würde sagen, bei „Right Round“ wurde ich dann überzeugt. Mike Caren kam mit „Right Round“ und das hat mich dazu gebracht, größer und globaler zu denken. Deshalb gebe ich ihm viel Anerkennung dafür, dass er mich dazu gebracht hat, weltweit zu denken.

Was macht für dich eine perfekte Live-Show aus? Ist es das Publikum, die Energie oder die Songs?
Alles davon (lacht). Alles, was du gerade gesagt hast. Es ist wie ein großer leckerer Gumbo – eine Mischung aus Menschen, Publikum, Musik und Energie. Alles zusammen macht es großartig. Wir nennen es nicht Show, wir nennen es Party.

Du bist seit so vielen Jahren erfolgreich. Was motiviert dich immer noch, Musik zu machen und aufzutreten?
Ich glaube, es ist eine Berufung. Es ist wirklich eine Berufung. Wenn man darüber nachdenkt, dass Menschen – besonders in Europa und an anderen Orten – nicht einmal dieselbe Sprache sprechen, aber meine Songs Wort für Wort kennen, dann merkt man, dass sich alles lohnt. Dann weiß man, dass man das Richtige tut und auf dem richtigen Weg ist.

„Wir nennen es nicht Show, wir nennen es Party“ – Flo Rida blieb seinem Motto treu, auch wenn ...
„Wir nennen es nicht Show, wir nennen es Party“ – Flo Rida blieb seinem Motto treu, auch wenn die Musik stellenweise in den Hintergrund rückte.(Bild: Andreas Graf)

Was erwartet deine Fans heute?
Ich kann natürlich nicht alles verraten, aber sie können viel Energie und einige Überraschungen erwarten. Ich bringe meine Künstlerin Oya Baby mit. Sie kommt gerade von ihrem ersten Latin-Nummer-eins-Song auf iTunes, „Sugar Daddy“, zusammen mit International Nephew und Very Fresh. Ich habe immer ein paar Überraschungen dabei. Die Fans können sich auf sehr viel Energie freuen. Also: anschnallen und genug trinken.

Wirst du nach dem Konzert auch Zeit haben, dir Wien ein bisschen anzusehen?
Ich hoffe es. Ich habe ein paar freie Tage vor meiner nächsten Show. Ich liebe es, nach Wien zu kommen. Ich liebe das Essen, die Menschen, die Landschaft und die ganze Geschichte.

Dann wirst du sicher die eine oder andere typische Wiener Speise probieren?
Ja. „Vienna Sausage“ (lacht) – Wiener Würstchen – war etwas, das ich aus meiner Kindheit kenne. Dort, wo ich aufgewachsen bin, in Carol City, kannte man Wiener Würstchen. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich einmal an den Ort kommen würde, der quasi die Heimat dieser besonderen Wurst ist (lacht).

Champus, Shirts, Schuhe – Flo Rida verteilte an diesem Abend fast alles ins Publikum, was nicht ...
Champus, Shirts, Schuhe – Flo Rida verteilte an diesem Abend fast alles ins Publikum, was nicht niet- und nagelfest war.(Bild: Andreas Graf)

Ob er sich gleich nach dem Konzert wirklich zum Würstel-Essen in Wien verabredet hat, bleibt offen. Sicher ist aber: Schon kurz darauf zeigte Flo Rida in der Stadthalle, dass er seine Ankündigung aus dem Interview ernst meinte. Seine Shows nennt er nicht Konzerte, sondern Partys – und genau als solche funktionierte der Abend.

Flo Rida Live in der Stadthalle
2000er-Throwback mit viel Energie und wenig Fingerspitzengefühl

Nachdem Ne-Yo und Akon vergangenen Samstag gastierten, kam mit Flo Rida der nächste US-Star in der Wiener Stadthalle und sorgte für Nostalgie, Disko-Gefühl und lasche Mitsing-Momente. Ganz ausverkauft war die Halle an diesem wechselhaften Dienstagabend aber dennoch nicht. Die Sitzplätze blieben geschlossen, nur der Stehplatzbereich war geöffnet – mit Ausnahme der Presseloge. Dadurch wirkte der Abend weniger wie ein klassisches Stadthallen-Konzert, sondern eher wie eine große After-Work-Party mit Club-Charakter.

Das Publikum war bunt gemischt: junge Fans, ältere Besucher und viele, die mit seinen Songs groß geworden sind oder einfach Lust auf einen unkomplizierten Abend voller bekannter Nummern hatten. Schon beim Hineingehen war klar: Hier geht es nicht um große Inszenierung oder musikalische Experimente. Hier geht es um Bewegung, Wiedererkennung und den Moment, in dem ein Beat einsetzt und alle sofort wissen, welcher Refrain gleich kommt. Bevor Flo Rida selbst die Bühne betrat, sorgte DJane Jessy Gem für die passende Aufwärmphase. Ihr Set war breit angelegt und darauf ausgerichtet, die Menge in Feierlaune zu bringen. Zwischen internationalen Partytracks schaffte es sogar RAF Camoras „Ohne mein Team“ in die Playlist – und plötzlich sang die Halle erstaunlich textsicher mit.

Kurz nach 20.15 Uhr verabschiedete sich Jessy Gem, auf der Bühne wurde noch einmal umgebaut, und dann hieß es warten. Rund 5000 Fans waren gekommen, um Flo Rida live zu erleben. Bei einer reinen Stehplatz-Show in dieser Größenordnung hätte man sich allerdings eine etwas längere Bühne oder zusätzliche Bühnenelemente gewünscht. Gerade bei einem Künstler, der stark von Nähe, Interaktion und Bewegung lebt, wäre eine Erweiterung in den Raum hinein sinnvoll gewesen. Als der DJ schließlich mit „Vienna, what’s up?“ die Menge begrüßte und das klassische „When I Say Flo, You Say Rida“ anstimmte, war das Publikum sofort dabei. Tänzerinnen betraten die Bühne, das Willkommenskomitee für den Abend war komplett – und wenig später erschien der Rapper selbst. Mit „In the Ayer“ startete er in sein Set, flankiert von Support, Tänzerinnen und viel Bewegung auf der Bühne. Schon nach den ersten Minuten war klar: Stillstand war an diesem Abend nicht vorgesehen.

5000 Fans versammelten sich und waren bereit für den Abend.
5000 Fans versammelten sich und waren bereit für den Abend.(Bild: Andreas Graf)

Nach einer Tanzeinlage und einem kurzen Anstoßen mit seinen Kollegen ging es direkt weiter mit „Where Them Girls At“. Der US-Star hatte einen Strauß Rosen in der Hand und warf einzelne Blumen ins Publikum. Dann kam Oya Baby auf die Bühne, jene Künstlerin, die er bereits im Interview angekündigt hatte. Gemeinsam präsentierten sie „Sugar Daddy“, einen Latin-Urban-Song, bei dem Flo Rida das Publikum ganz nach seinem bekannten Call-and-Response-Prinzip einband: „When I Say Sugar, You Say Daddy.“ 
Die Stimmung war ausgelassen, die typischen Handbewegungen nach links und rechts saßen, und Flo ließ keinen Zweifel daran, was er von seinem Publikum wollte: „He Wants To Party“ – und die Menge machte mit. Spätestens bei „Low“ war die Stadthalle endgültig im Throwback-Modus angekommen. Zuerst ließ er die Fans den Song a cappella ansingen, und tatsächlich waren viele im Publikum erstaunlich textsicher. Für einen Moment wurde genau das greifbar, was er kurz zuvor im Interview erzählt hatte: Diese Tracks sind längst Teil einer gemeinsamen Pop-Erinnerung.

Allerdings blieb es nicht bei einem klassischen Hit-Moment. Er holte mehrere Frauen aus dem Publikum auf die Bühne, um mit ihnen zu tanzen. Was zunächst als lockere Publikumsaktion begann, bekam zwischendurch einen etwas fragwürdigen Beigeschmack. Zwischen Twerking, einigen Popo-Klatschern, wildem Feiern und sehr körpernahen Tanzeinlagen wirkte die Szene stellenweise mehr nach 2000er-Musikvideo als nach zeitgemäßer Bühnensituation. Das Publikum nahm es größtenteils gut gelaunt auf, dennoch hätte diesem Moment etwas mehr Fingerspitzengefühl nicht geschadet. Musikalisch ging es ohne lange Pausen weiter. „Move, Shake, Drop“ und „Club Can’t Handle Me“ hielten das Tempo hoch, die Fans sangen auch hier laut mit. Flo setzte konsequent auf seine größten Hits und kurze, direkte Momente. Viele Songs wurden allerdings nicht in voller Länge gespielt, sondern eher angerissen, gefeiert und dann wieder verlassen. Das sorgte für Tempo, ließ aber manchmal den Wunsch aufkommen, einzelne Nummern etwas mehr ausspielen zu lassen.

Währenddessen zeigte sich der Rapper immer wieder als extrem publikumsnah. Er verschwand kurz von der Bühne, ließ sich in die Menge tragen, schoss Selfies und suchte die Nähe zu seinen Fans. Genau darin liegt eine seiner großen Stärken: Er wirkt nicht distanziert, sondern scheint die direkte Interaktion wirklich zu genießen. Er umarmt Fans, holt sie auf die Bühne, unterschreibt mitgebrachte Schilder und gibt ihnen für einen Moment das Gefühl, selbst Teil der Show zu sein. Bei „Hangover“, welches er damals mit Taio Cruz aufnahm, blieb die Stimmung hoch. Danach folgten „Troublemaker“ und „Cake“, auch diese Songs wieder eher in kompakter Form. Für eine Besucherin namens Amela, die offenbar Geburtstag hatte, wurde gemeinsam „Happy Birthday“ gesungen. Wenig später forderte Flo das Publikum auf, bei „Whistle“ die Handys herauszuholen und die Lichter einzuschalten. Auf der Bühne wurde er währenddessen von mehreren Tänzerinnen umringt – eine Szene, die stark auf Showeffekt setzte und den ohnehin sehr körperbetonten Charakter des Abends weiter unterstrich.

Nach einer kurzen Pause übernahmen die Tänzerinnen mit Showeinlagen, bevor er zurückkehrte. Hinter ihm standen plötzlich mehrere junge Männer aus dem Publikum auf der Bühne, darunter auch Kinder. Bei „G.D.F.R. (Going Down For Real)“ wurde daraus fast eine offene Bühnenparty. Einige durften sogar ins Mikro rappen und ihre Fähigkeiten neben Flo Rida zeigen. Besonders ein Junge namens Matteo wurde zum kleinen Star des Moments: Flo Rida gab ihm seine Brille und seine Weste, und der Bub genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Wer kann schließlich schon behaupten, einmal mit Flo Rida auf der Bühne gestanden zu haben? Mit „Wild Ones“ ging es weiter, erneut unterstützt von Oya Baby. Das Publikum blieb textsicher, die Stimmung ausgelassen. Auch dieser Song wurde kurz unterbrochen, um weitere Fans auf die Bühne zu holen – charmant, aber auf Dauer etwas zulasten des musikalischen Flusses.

Nach viel Bewegung und Bühnenaction musste irgendwann auch das T-Shirt weichen. „Thank You All For So Much Love“, rief Flo Rida dem Publikum zu. Danach wurden Schuhe signiert, eine kleine „Champagne Party“ angekündigt, der natürlich in die Menge gespritzt worden ist und mit „My House“ weitergefeiert. Auch hier durfte wieder ein Fan mit Plakat auf die Bühne, bekam eine Unterschrift und eine Umarmung. 

Bei „Good Feeling“ wurde der Musiker kurz ruhiger: Er kniete auf der Bühne, nahm den Applaus auf und wirkte für einen Moment sichtlich dankbar, bevor er wieder in den Party-Modus wechselte. Wenig später ließ er sich erneut von Securities durch die Menge tragen – ein charmanter Fan-Moment, der aber auch zeigte, dass eine Bühnenverlängerung oder ein Mittelsteg dieser Show gutgetan hätte.

Spätestens bei „Right Round“ erreichte die Stimmung noch einmal ihren Höhepunkt. Flo befand sich mitten im Publikum, machte Selfies, umarmte Fans und unterschrieb Shirts. Diese Nähe wirkte ehrlich und sympathisch, auch wenn der Auftritt an manchen Stellen etwas chaotisch blieb. Mit „Greenlight“ näherte sich der Abend dem Ende. Noch einmal rief er „I Love Vienna“ in die Halle, ließ sich feiern – dann ging das Licht an, und die große Vor-Mitternacht-Party war vorbei.

Fazit: Am Ende zeigte der Abend vor allem, wie stark Flo Ridas Hits bis heute wirken – aber auch, dass Bekanntheit allein nicht immer für eine runde Liveshow reicht. Zwischen Mitsingmomenten, Publikumsnähe und viel Bewegung entstand immer wieder gute Stimmung, doch der Ablauf blieb stellenweise sprunghaft. Viele Songs wurden eher angerissen als ausgespielt, manche Bühnenaktion wirkte mehr spontan als durchdacht. 
So war der Auftritt weniger ein musikalisch geschlossenes Konzert als ein schneller Streifzug durch ein Repertoire, das viele im Publikum bestens kannten. Das funktionierte oft, weil die Songs sofort zündeten. Gleichzeitig hätten dem Abend mehr Struktur, mehr Raum und etwas weniger Unterbrechung gutgetan.

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