Wegen Gastpatienten:

Längere Wartezeiten für Wiener auch in Arztpraxen

Wien
25.02.2026 05:00

Wiens Ordinationen geraten an ihre Grenzen: Hunderttausende Patienten aus dem Umland lassen sich in der Hauptstadt behandeln. Neue Auswertungen zeigen, wie stark der Ansturm aus Niederösterreich das Kassensystem belastet – und warum Termine immer schwerer zu bekommen sind.

Wurde das Thema Gastpatienten bisher vor allem im Spitalsbereich hitzig diskutiert, trifft den niedergelassenen Sektor mit voller Wucht. Aktuelle Auswertungen des Dachverbands der Sozialversicherungsträger, die der „Krone“ vorliegen, zeigen: Mehr als ein Drittel aller Patienten in Wiens Ordinationen hat keinen Wiener Wohnsitz.

„Krone“ liegen erstmals Zahlen vor
Exakt 2.995.131 Patienten wurden 2024 bei niedergelassenen Ärzten in Wien behandelt. Das sind 35,73 Prozent aller in Österreich versorgten Patienten. 1.773.605 davon wohnen in Wien selbst. Doch 951.521 Patienten kamen aus Niederösterreich, weitere 121.910 aus dem Burgenland. In Summe stammen damit 31,77 Prozent aller in Wien behandelten Patienten aus Niederösterreich. Besonders brisant: 58,77 Prozent aller Niederösterreicher, die einen niedergelassenen Arzt aufsuchten, ließen sich in Wien behandeln. Heißt: Von allen Niederösterreichern, die 2024 einen Arzt aufgesucht haben, gingen sechs von zehn gleich nach Wien. Sie haben also entweder kein Vertrauen in einen Arzt aus Niederösterreich (was eher unwahrscheinlich ist) oder sie finden schlicht keine Versorgung.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Besuch in Wien für Pendler praktisch
Rund 180.000 Niederösterreicher pendeln täglich in die Bundeshauptstadt. Unbestritten: Viele verbinden den Arbeitstag mit einem Arzttermin. Das verursacht für Wien auch keine unmittelbaren Mehrkosten im Kassensystem – sehr wohl aber Engpässe. 

59,22
PROZENT
Nur rund 60 Prozent der von Wiener niedergelassenen Ärzten versorgten Patienten sind auch aus Wien. Eine neue Dimension in der Gesundheitsdebatte.

Wartezeiten explodieren
Wie stark das System unter Druck steht, belegt eine Erhebung unter 850 Wiener Kassenärzten seitens der Wiener Ärztekammer im Jahr 2024 – und die Lage dürfte sich im Vorjahr nicht entspannt haben. Das Ergebnis ist eindeutig: Gegenüber 2012 haben sich die Wartezeiten fast durchgehend verlängert. Am gravierendsten ist die Lage in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wer hier einen Termin benötigt, wartet im Median 90 Tage. Drei Monate – für junge Patienten mit psychischen Problemen eine Ewigkeit. Deutlich verschärft hat sich auch die Situation in der Radiologie. 2012 lag die Wartezeit bei 32 Tagen, 2024 sind es 57 Tage. Wer eine bildgebende Untersuchung benötigt, muss heute fast zwei Monate einplanen.

Mehrere Monate Wartezeit
Ebenfalls massiv angestiegen sind die Fristen in der Augenheilkunde. Während Patienten 2012 noch nach neun Tagen einen Termin erhielten, sind es mittlerweile 44 Tage – also mehr als das Vierfache. Diese drei Bereiche markieren die Spitze einer Entwicklung, die das Kassensystem sichtbar an die Grenze bringt.

Viele Ärzte nehmen keine Patienten mehr auf
Parallel dazu schließen immer mehr Ordinationen ihre Listen. Besonders betroffen sind Gynäkologie und Frauenheilkunde, Kinder- und Jugendheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Psychiatrie.
Mehr als die Hälfte der Kassenärzte für Kinder- und Jugendheilkunde – 54 Prozent – nimmt wegen Überlastung keine neuen Patienten mehr auf. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind es 40 Prozent, in der Gynäkologie 30 Prozent. Auch rund jede dritte allgemeinmedizinische Ordination kann niemanden mehr neu aufnehmen.
Offiziell entstehen Wien durch Gastpatienten keine zusätzlichen Kosten. Faktisch aber zahlen die Wiener mit längeren Wartezeiten und verschlossenen Türen. Die Debatte über Gastpatienten endet daher nicht im Spital. Sie beginnt in der Ordination.

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