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So will Wien kriminelle Kinder jetzt festhalten

Wien
16.04.2026 14:15

Intensivtäter unter 14 Jahren sollen in einem von der Stadt gepachteten Haus in Simmering festgehalten werden. Ab Mai werden zwei von ihnen dort wieder in die „richtige Spur“ gebracht, wie am Donnerstag präsentiert wurde. 

Ein Haus am Rande von Simmering, 140 Quadratmeter Nutzfläche, stets zwei bis drei Betreuer und ab Mai zwei sogenannte Intensivtäter im Alter von 11 bis 13 Jahren. Die Stadt will die beiden dort, in einer geschlossenen Einrichtung, genannt „Auszeit-WG“, in sechs bis zwölf Wochen wieder zur Vernunft bringen. Ein „Meilenstein“ und die „letzte Konsequenz“ nennt es Bildungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) bei einer Pressekonferenz.

Fünf bis zehn Kinder kommen dafür aktuell infrage, jährlich können insgesamt acht bis 16 betreut werden. Sie sind Autoknacker, Einbrecher und Messerstecher, die Mitmenschen verletzen. Bis 14 Jahre haben sie quasi einen Freibrief. Erst dann können sie nämlich strafrechtlich belangt werden.

„Bootcamp“ mit noch ungewissem Ausgang
Die „Auszeit-WG“ soll diese Lücke nun füllen und auch als „Abschreckung“ dienen, so Emmerling. Der Verein Neue Wege hat sich um die Ausgestaltung der Einrichtung angenommen. Betreut werden die kriminellen Halbstarken von Sozialpädagogen und Psychologen.

MA 11-Chef Köhler, Stadträtin Emmerling (Neos) und Gemeinderätin Pany (SPÖ) (v. l. n. r.)
MA 11-Chef Köhler, Stadträtin Emmerling (Neos) und Gemeinderätin Pany (SPÖ) (v. l. n. r.)(Bild: David Bohmann)

Hinzugezogen werden aber auch Heilstättenlehrer oder Ergotherapeuten. Zusätzlich bekommt jeder Intensivtäter eine Bezugsperson an die Hand, die auch danach weiter mit dem Kind arbeitet. Sie alle sind in Deeskalation und auf spezielle Festhaltetechniken geschult.

Das Haus in Simmering, dessen Adresse unbekannt bleiben soll, ist mit bruchsicherem Glas und Sicherheitstüren ausgestattet. Vor Ort erleben die Kinder einen strengen Tagesablauf, auch Bewegung und Anti-Gewalttraining spielen eine Rolle.

Bei Ankunft in der Einrichtung sollen die „Systemsprenger“ das Haus eine Zeit lang nicht verlassen dürfen. Werden erste Fortschritte wahrgenommen, folgt ein begleiteter Ausgang im Garten. Im nächsten Schritt dürfen sie sich dann frei in der Außenanlage bewegen.

Diagnose ist Voraussetzung 
800.000 Euro kostet die Maßnahme für dieses Jahr. Rechtlich bewegt sich die Stadt auf wackeligen Beinen. Die Basis ist zwar das Heimaufenthaltsgesetz. Um eine Person nach dieser Rechtsgrundlage festhalten zu können, braucht es aber einerseits eine ärztliche Diagnose. Johannes Köhler, Chef der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11), geht aber davon aus, dass bei Kindern, die derart delinquentes Verhalten an den Tag legen, eine Störung des Sozialverhaltens vorhanden sein muss.

Andererseits muss eine hohe Selbst- und Fremdgefährdung vorliegen und es keine andere Alternative geben. Ist dem so, entscheidet eine Kommission bzw. in der Folge ein Richter über die „Anhaltung“ –  so der präferierte Terminus. Ob das sechs- bis zwölfwöchige „Bootcamp“ tatsächlich Früchte trägt, könne noch nicht gesagt werden, so Köhler. Aber: „Wir können nicht mehr zuschauen“.

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