Gastpatienten:

Jetzt Diskussion über die Gesundheitskonzepte

Wien
22.02.2026 06:00

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) verschärft im Streit um Gastpatienten den Ton. Aus Niederösterreich kommt scharfe Kritik. Hinter den Zahlen steht eine Grundsatzfrage: Wer sorgt für seine Patienten – und wie?

Der Streit um die sogenannten Gastpatienten wird schärfer – und grundsätzlicher. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nutzt das „Krone“-Interview für eine Abrechnung mit Niederösterreich. Die Antwort aus St. Pölten folgt prompt. Aus einem Finanzthema wird eine Debatte über Verantwortung und Struktur.

„Mir tut Bevölkerung leid“
Hacker stellt die Systemfrage. Jedes Bundesland sei laut Vereinbarungen verpflichtet, einen Versorgungsplan für die eigene Bevölkerung vorzulegen. Wenn es etwa „zu wenig Neonatologie und keine kinderchirurgische Versorgung gibt“, widerspreche das dieser Vereinbarung. Und Hacker wird besonders deutlich: „Mir tut Niederösterreichs Bevölkerung mittlerweile leid, weil sie eine Landesregierung hat, die sich nicht um sie kümmert“.

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Mir tut Niederösterreichs Bevölkerung mittlerweile leid, weil sie eine Landesregierung hat, die sich nicht um sie kümmert.

Peter Hacker, Wiener Gesundheitsstadtrat (SPÖ)

Irritation über Klage
Besonders irritiert zeigt sich Hacker über eine von Niederösterreich unterstützte Klage eines Gastpatienten gegen ein Wiener Spital. Es sei „einmalig in der österreichischen Innenpolitikgeschichte“, dass ein Bundesland mit Steuergeld gegen ein anderes klage, anstatt sich um die eigene Spitalsversorgung zu kümmern. Seine Botschaft: Wer Verantwortung trage, müsse auch Strukturen schaffen.

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Wien soll Schluss machen mit dem Blockieren, Verträge sind einzuhalten – alles andere ist unmenschlich.

Matthias Zauner, VPNÖ-Landesgeschäftsführer

Lösung vor Gericht oder am Verhandlungstisch
Die ÖVP Niederösterreich weist die Vorwürfe zurück. Landesgeschäftsführer Matthias Zauner spricht von einem Affront. Nicht Wien solle den Finger heben, sondern Vereinbarungen respektieren. Statt ständig mehr Geld zu fordern, solle Hacker „seine eigenen Hausaufgaben“ machen. Zauner: „Während in Niederösterreich Experten den Gesundheitsplan 2040+ entwickelt und vorangetrieben haben, um die Gesundheitslandschaft aufgrund des demografischen Wandels langfristig abzusichern, bleibt Wien hier säumig.“ Eine Lösung werde entweder „vor Gericht oder am Verhandlungstisch erfolgen“.

Jetzt stehen die Gesundheitskonzepte der beiden Bundesländer Wien und Niederösterreich im Fokus.
Jetzt stehen die Gesundheitskonzepte der beiden Bundesländer Wien und Niederösterreich im Fokus.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Frage nach Gesundheitskonzepten
Der Schlagabtausch zwischen Wien und Niederösterreich bekommt damit eine neue Ebene. Weg von der reinen Finanzfrage, hin zu den Konzepten dahinter. Denn beide Länder verweisen auf Reformen – und beide reklamieren, ihr System zukunftsfit zu machen. In Niederösterreich soll jetzt enger zusammengearbeitet werden. Mehrere Standorte werden zu Kooperationsverbänden gebündelt – samt Spitalsschließung (Gmünd) und heftiger Kritik.
In Wien setzt man auf ein eigenes Ausbauprogramm. Bis 2030 investiert die Stadt rund 3,3 Milliarden Euro in die Modernisierung der Kliniken. In Hietzing, Ottakring, Donaustadt, Landstraße, Favoriten und im AKH laufen Projekte oder sind in Planung.

Spitalwesen Bund unterstellen
Auch „Krone“-Leser melden sich zu Wort. Sie berichten von geschlossenen Stationen und fehlender Infrastruktur in einzelnen niederösterreichischen Bezirken. Andere fordern, das Spitalwesen dem Bund zu unterstellen, um das gegenseitige Zuschieben der Verantwortung zu beenden. Eine Lösung? Nicht in Sicht.

Zahlen zeigen ein Ungleichgewicht – auch bei Kosten.
Warum die Spitalstouristen für Wien zum Problem werden

Wiens Spitäler sind nicht nur für die eigene Bevölkerung da. Ein beträchtlicher Teil der Behandelten reist aus anderen Bundesländern an. 20,4 Prozent aller in Wien versorgten Patienten sind Gastpatienten. Das bedeutet: Jeder fünfte Behandlungsfall in Wiener Spitälern betrifft mittlerweile keinen Wiener.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.comkrone)

Meisten Gastpatienten sind Niederösterreicher
Der größte Zustrom kommt aus Niederösterreich. 80 Prozent aller Gastpatienten in Wien stammen aus dem flächenmäßig größten Bundesland. Weitere 12 Prozent kommen aus dem Burgenland. Damit entfällt der überwiegende Teil der auswärtigen Behandlungen auf die unmittelbare Nachbarschaft Wiens. Im bundesweiten Vergleich zeigt sich die Schieflage besonders deutlich. Niederösterreich verursacht 44 Prozent aller Gastpatienten in Österreich, behandelt jedoch selbst nur 13 Prozent. Wien hingegen verursacht lediglich acht Prozent aller Gastpatienten österreichweit, übernimmt aber 40 Prozent der Behandlungen. Die Hauptstadt trägt somit einen erheblich größeren Anteil an der Versorgung auswärtiger Patienten, als sie selbst in Anspruch nimmt.

Wien bleibt auf großem Anteil der Kosten sitzen
Diese Patientenströme schlagen sich massiv in den Kosten nieder. Niederösterreichische Gastpatienten verursachten im Jahr 2024 in allen Bundesländern Behandlungskosten in Höhe von 1,115 Milliarden Euro. Von dieser Summe entfielen 879 Millionen Euro allein auf Wien. Dem stehen 92 Millionen Euro gegenüber, die Wiener Gastpatienten in Niederösterreich verursachen. Im Saldo ergibt das 788 Millionen Euro, die niederösterreichische Patienten in Wiener Spitälern mehr kosten, als umgekehrt. In finanziell angespannten Zeiten wird das zunehmend zum Problem für Wien.

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