Online ausgeschriebene Stellen werden von Unternehmen, die "Apply Live" nutzen, mit einem entsprechenden Button versehen, Print-Annoncen sind mit einem QR-Code gekennzeichnet. Interessenten müssen nur noch auf den Button klicken oder dem QR-Code über ihr Smartphone folgen und gelangen so zu einem Kalender, in dem sie sich zu einem Gespräch mit dem Personalleiter anmelden können.
"Das Unternehmen sieht, dass ein Termin gebucht wurde, weiß aber nicht, wer kommt oder wer anruft. Das ist in der Tat wie ein Blind Date", erklärt Kastner, der selbst seit elf Jahren als Personalvermittler tätig ist.
Entscheidung nach zehn Minuten
Nach einem maximal zehnminütigen Gespräch können die Personalleiter sowie die Bewerber entscheiden, ob es zum Austausch der Bewerbungsunterlagen kommt. Durch das unmittelbare Kennenlernen könne der Personalchef besser einschätzen, ob sich der Interessent für den ausgeschriebenen Posten eignet.
"Jemand mit den besten Fachkenntnissen kann trotzdem die falsche Person in einem Team sein. Deshalb hat es mich immer gewundert, wie sehr Unternehmen auf Schriftlichkeit setzen, ohne sich schnell einen ersten Eindruck zu machen", so Kastner.
Unvoreingenommene Treffen
Indem Unternehmer nur die Bewerbungen jener Interessenten ansehen, von denen sie auch persönlich überzeugt sind, soll "Apply Live" Zeit sparen. Aber auch möglichen Diskriminierungen aufgrund von Alter, Geschlecht oder Herkunft könnte laut Kastner so vorgebeugt werden.
Beate Sprenger, Sprecherin des Arbeitsmarktservice, bezeichnete die neue Software als "sehr innovative Vorgehensweise". "Vor allem bei Stellen, bei denen es stark auf Persönlichkeit und Kommunikation ankommt, wie beispielsweise im Beratungsbereich, ist diese neue Form der Bewerbung ganz hervorragend geeignet."
Weniger sinnvoll sei die "Live-Bewerbung" hingegen bei allgemein formulierten Stellenangeboten, bei denen man mit einer Vielzahl von Interessenten rechnen müsse: "Das würde den zeitlichen Rahmen des Personalchefs übersteigen. Je spezieller die Ausschreibung aber ist und je mehr es auf die persönlichen Eigenschaften ankommt, desto besser wird sich das Tool eigenen", so Sprenger.
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