„Blaupause“ für alle?

Metaller-Abschluss: Unruhe in anderen Branchen

Wirtschaft
23.09.2025 15:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Anders als die Beschäftigten in der Metallbranche sind die 55.000 Angestellten und Arbeiter bei den österreichischen Eisenbahnen nicht bereit, Reallohnverluste hinzunehmen. Daher kam es am Montag auch nicht zu einer Einigung in der ersten Lohnverhandlungsrunde. Auch im Handel regt sich Unmut. Man könne nicht einfach die Metaller als „Blaupause“ für alle verwenden.

Im Gegensatz zur Metallindustrie sehen sich die Eisenbahner als eine boomende Branche und verweisen auf eine hohe Anzahl an Überstunden, nicht verbrauchten Urlaubstagen und einen hohen Personalbedarf in den kommenden Jahren. „Wir fordern die Abgeltung der rollierenden Inflation für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner“, sagte Gerhard Tauchner, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida. „Reallohnverluste, also Lohnkürzungen, werden wir nicht hinnehmen.“

Das Balkendiagramm zeigt die durchschnittlichen jährlichen Lohnsteigerungen für Metaller in Österreich von 2019 bis 2027 im Vergleich zur maßgeblichen Inflation. Die höchsten Lohnsteigerungen gab es 2023 und 2024 mit 7,4 % und 8,6 %. Für 2026 und 2027 sind die Steigerungen deutlich niedriger mit 1,4 % und 1,9 %. Quelle: APA.

Abschluss bei Metallern ließ Stimmung kippen
Die Verhandlungen hätten konstruktiv begonnen, aber nach dem Bekanntwerden des Metaller-KV-Abschlusses deutlich unter der rollierenden Inflation, die im Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025 bei 3 bis 3,1 Prozent liegt, sei die Stimmung auf Arbeitgeberseite umgeschwenkt. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 1. Oktober angesetzt.

WKÖ: Auch Handel wird so ein Zeichen brauchen
Auch in der Handelsbranche sorgt der Metaller-Abschluss für Aufsehen. „Der Handel wird auch so ein Zeichen brauchen“, gab WKÖ-Präsident Harald Mahrer die Marschrichtung vor. Für die Betriebe brauche es weiters auch Lösungen bei den Energiepreisen und Bürokratiekosten. Die gewerkschaftliche Kritik am Handel als Inflationstreiber wiesen Mahrer, Handelsobmann Rainer Trefelik sowie Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zurück. „Es ist nicht der Handel, der Schuld an der Inflation ist. Der Handel profitiert am wenigsten“, sagte Hattmannsdorfer. Man könne „gerne reden über die Lebensmittelpreise“ und die gesamte Wertschöpfungskette sowie den „Österreich-Aufschlag“ der internationalen Konsumgüterkonzerne.

Ökonom: Metaller-Abschluss nicht übertragbar
Auf andere Branchen könne man den Abschluss der Metaller allerdings nicht eins zu eins übertragen, sagte Wifo-Ökonom Benjamin Bittschi am Dienstag im Ö1-„Morgenjournal“. So seien etwa die Mindestlöhne im Handel deutlich niedriger und die Betroffenheit von der Inflation stärker. Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, zeigte sich über Mahrers Vorstoß verärgert und meinte: „Wer den vernünftigen Metaller-Abschluss jetzt als Blaupause für andere Branchen wie den Handel sieht und uns das medial ausrichtet, ist das Gegenteil einer funktionierenden Sozialpartnerschaft.“

Mit Spannung warten Gewerkschaft und Händler nun auf die September-Inflationsschnellschätzung der Statistik Austria am 1. Oktober. Die finalen Inflationszahlen werden dann Mitte Oktober veröffentlicht. Dann kann die rollierende Inflation für Oktober 2024 bis September 2025 erst berechnet werden.

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