Die Idee eines staatlich verordneten europäischen IT-Champions sei von vornherein zum Scheitern verurteilt und führe nur zu weniger Wettbewerb, Innovation und Wachstum in der global ausgerichteten Branche, meinte Snabe angesichts der Forderung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, als Konsequenz aus der Späh-Affäre um den US-Geheimdienst NSA die Kräfte in Europas IT-Industrie nach dem Vorbild des Flugzeugbauers Airbus zu bündeln.
Gegengewicht zu Microsoft, Cisco und Google
Durch die Stärkung der IT-Anbieter in Europa soll die Abhängigkeit von Konzernen in den USA oder China verringert werden, die einem weniger strengen Datenschutz unterliegen. Die US-IT-Branche befürchtet bereits Einbußen wegen der Debatte. Doch nach Ansicht des SAP-Vorstandschefs ist die Branche mit ihren nur wenigen großen, aber vielen kleinen Firmen nicht dazu geeignet, mithilfe der Politik einen europäischen Champion als Konkurrenz zu Microsoft, Cisco oder Google aufzubauen. Europa sollte vielmehr weiter auf offenen Wettbewerb setzen.
Schutz vor Terror für USA wichtiger als Datenschutz
SAP gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Cloud-Diensten. Die strengen Datenschutzvorschriften des Heimatlandes Deutschland verschaffen SAP angesichts der NSA-Affäre laut Snabe zwar einen enormen Wettbewerbsvorteil, doch offensiv werben will der Konzern mit dem Standortvorteil gegenüber Wettbewerbern in den USA aus Rücksicht auf sein internationales Publikum nicht. Denn der für europäische Kunden enorm wichtige Datenschutz steht für viele Amerikaner hinter dem Schutz vor Terrorgefahr zurück, auch wenn dazu Überwachung von Internet und Datendiensten notwendig ist.
Forderung nach einheitlichen Datenschutzstandards
Handlungsbedarf sieht Snabe dagegen bei der Regulierung. Klare internationale Rahmenbedingungen seien nötig, damit Unternehmen und Verbraucher Vertrauen in die Technologien gewännen. "Einheitliche Standards für den Datenschutz sind dabei extrem wichtig", sagte Snabe. Dies gelte für die EU wie für die USA. Das Nebeneinander verschiedener nationaler Datenschutzregeln verursache zusätzliche Kosten, die laut Snabe vor allem kleinere Unternehmen von grenzüberschreitenden Geschäften fern halten würden. Die unterschiedliche Regulierung bremse das Wachstum.
Ein weiterer Hebel, um die IT-Branche in Europa zu stärken, sei die staatliche Förderung von Innovationen. "Dabei geht es nicht nur um Innovationen in der IT-Branche, sondern um IT als Grundlage für Innovation in allen Industrien", ergänzte Snabe. Unternehmensgründungen in Europa müssten vereinfacht, und es müsse mehr in die Ausbildung investiert werden. "Das Silicon Valley in den USA ist klar ein Vorbild."











Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.