Ob über soziale Netzwerke, in Chats, per E-Mail oder als Avatar in virtuellen Welten: Möglichkeiten, sich im Internet kennenzulernen, gibt es viele. In den USA ist das Medium Internet daher zum bevorzugten Kennlernort für Paare avanciert. 45 Prozent der untersuchten Personen lernten sich der Studie nach über eine Dating-Plattform kennen. Damit rangiert die Kontaktanbahnung via Internet klar vor traditionellen Orten wie dem Arbeitsplatz (22 Prozent) und der Schule (elf Prozent) oder dem Kennenlernen über Freunde (19 Prozent).
Internet-Ehen sind glücklicher...
Viel interessanter aber ist, dass die Art und Weise, wie sich die Paare kennenlernten, offenbar Auswirkungen auf die spätere Zufriedenheit in der Ehe hat. Bei der Befragung der Studienteilnehmer nach ihrer Zufriedenheit mit ihren jeweiligen Ehepartnern fanden die Forscher um John Cacioppo heraus, dass Internet-Ehen etwas besser abschnitten, also glücklicher waren als die anderen Gruppen. Auf einer Punkteskala erreichten die Internet-Ehen einen Wert von 5,64 und lagen damit über dem Schnitt der anderen Eheanbahnungen (5,48).
... und halten länger
Noch etwas besser schnitten die Internet-Ehen ab, wenn die Zahl der Scheidungen zum Maßstab genommen wurde. Insgesamt waren zum Zeitpunkt der Studie knapp sechs Prozent der Internet-Ehen wieder geschieden, bei den übrigen Kennenlern-Formen waren es 7,7 Prozent. Zu den am wenigsten erfolgreichen Ehen zählten den Forschern zufolge jene, bei denen sich die Paare in Bars, durch Blind-Dates sowie in virtuellen Welten kennengelernt hatten.
Ursachen unklar
Warum die Internet-Ehen besser abschneiden, darüber rätseln die Forscher der Universität Chicago derzeit noch. Möglich sei, dass sich Personen, die ihren Ehepartner online kennengelernt haben, hinsichtlich ihrer Persönlichkeit und ihrer Motivation, eine langfristige eheliche Beziehung einzugehen, von anderen unterscheiden, schreibt Cacioppo. Ausschlaggebend in Bezug auf Dating-Plattformen sei möglicherweise auch, dass eine größere Auswahl an potentiellen Ehepartnern existiere, die im Vorfeld online besser selektiert werden könnten.
Ehrliche Angaben
Und obwohl Täuschungen auf Dating-Websites häufig vorkommen würden, deuteten Studien darauf hin, dass Nutzer entsprechender Portale bei Angaben ihre eigene Person betreffend relativ ehrlich seien. Gelogen werde zumeist nur in Bezug auf die eigene Größe und das Gewicht, so Cacioppo.
"Kennlernort nur ein Faktor"
Zum Trost für all jene, die sich vielleicht in einer Bar oder am Arbeitsplatz kennengelernt haben, räumt der Psychologe abschließend allerdings ein, dass der Verlauf einer Ehe durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt werde – wo man den Ehepartner kennengelernt habe, sei nur einer von vielen, die daraus resultierenden Auswirkungen seien verständlicherweise recht klein und nicht für jedermann zutreffend.
Online-Paare ziehen schneller zusammen
Dass es aber durchaus Unterschiede zwischen Online- und Offline-Paaren gibt, hatte 2012 auch eine Studie der Online-Partneragentur Parship belegt (siehe Infobox). Wer seinen Partner im Internet kennenlernt, braucht demnach zwar länger bis zum ersten Date als bei einer Offline-Bekanntschaft, dafür stehen die Chancen für ein schnelles Zusammenziehen gut.
Bei Online-Paaren sei von Anfang an klar, "dass der Wunsch nach einer langfristigen Partnerschaft zur Anmeldung bei einer Online- Partneragentur geführt hat. Das schafft das notwendige Vertrauen, um sich schneller aufeinander einzulassen", erklärte Psychologin Caroline Erb den Zusammenhang.
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