"Tricksereien"

Steuerpraxis bei Amazon erzürnt britische Politiker

Web
16.05.2013 12:53
Der weltgrößte Online-Händler Amazon zieht mit seiner umstrittenen Steuerpraxis den Zorn britischer Politiker und Konkurrenten auf sich. Trotz eines Umsatzes von umgerechnet 4,7 Milliarden Euro in Großbritannien zahlte der US-Konzern nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr nur 2,9 Millionen Euro Steuern. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, durch Kniffe Millionen Steuern in Großbritannien und anderen europäischen Ländern zu sparen.

Parlamentsmitglied John Hemming von den Liberaldemokraten sagte, die Zahlen belegten, dass das gegenwärtige Regelwerk nichts tauge, um die Steuerverschiebung der Großkonzerne zu unterbinden. Der Abgeordnete Nick Smith von der Labour-Partei forderte, die Steuerpolitik Amazons zu durchleuchten.

Auch bei den Rivalen steht Amazon wegen seiner Steuerpraxis im Kreuzfeuer. Mark Brighton von Kew Books, der drei Buchläden im Südwesten Londons betreibt, sagte, dass Amazons Steuerausweis den unfairen Wettbewerb verdeutliche, unter dem kleinere Einzelhändler wie er litten. 

Geschätzte zwei Milliarden Dollar steuerfrei beiseitegelegt
Bei Amazon war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Unternehmen hatte aber in der Vergangenheit betont, die Steuervorschriften in jedem Land zu befolgen. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters ist es Amazon.com gelungen, mithilfe seiner Luxemburger Firmenkonstruktion rund zwei Milliarden Dollar steuerfrei beiseitezulegen - Geld, das nun für die Expansion der Firma genutzt wird.

Der Online-Pionier ist kein Einzelfall. Auch andere global agierende Konzerne wie der Kaffeeriese Starbucks nutzen Schlupflöcher in Europa, um sich in ihrer Heimat arm zu rechnen. Der Widerstand gegen dieses Finanzgebaren wächst nicht nur in Europa - schließlich werden die Amazon-Waren über Straßen transportiert, für die andere Steuern bezahlt haben. Auch in den USA wird der Ton rauer. So spricht der demokratische US-Senator Carl Levin offen von "Tricksereien".

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