Spyware, Serien, Sex

Nordkorea: Diese Torrents saugt Kim Jong Uns Regime

Web
16.04.2013 11:50
Auf Internetnutzer übt das abgeschottete Nordkorea eine eigenartige Faszination aus. An kaum einem anderen Ort der Welt wird das Netz intensiver kontrolliert und die Bevölkerung stärker an seiner Benutzung gehindert. Freien Zugang zum Internet hat in dem stalinistischen Land letztlich nur eine Minderheit: Angehörige des Regimes um Kim Jong Un. Und genau diese Minderheit hat das US-Unternehmen ScanEye jetzt auf ihre Download-Vorlieben hin untersucht – mit teils erstaunlichen Ergebnissen.

Wie das Torrent-Nachrichtenportal "TorrentFreak" berichtet, ist Nordkorea im Internet kaum präsent. Nur einige Hundert IP-Adressen seien auf das stalinistisch regierte Land mit seinem Diktator Kim Jong Un registriert. Die Analyse des Torrent-Verkehrs auf diesen Adressen ergab nun, dass im Untersuchungszeitraum gerade einmal 84 Downloads aus verschiedenen Bereichen – Programme, Serien, Filme und Pornos – von Nordkorea aus getätigt wurden. Alle an den Download-Vorgängen beteiligten IP-Adressen sind der Website zufolge auf das Regime von Kim Jong Un registriert.

Spionagesoftware, Serien, aber auch Sexfilme
Unter dem heruntergeladenen Material findet sich einerseits Nachvollziehbares wie die Spionagesoftware "Net Monitor for Employees Professional", andererseits aber auch recht Unerwartetes. So hat die Führung jenes Landes, das die USA, Südkorea und Japan als Todfeinde betrachtet und diese fast täglich mit neuen Drohgebärden einzuschüchtern versucht, tatsächlich eine Vorliebe für US-Serien, Hollywoodfilme und Pornosternchen aus Japan und Amerika.

Zu den beliebtesten von Regierungs-IP-Adressen getätigten Torrent-Downloads zählen nicht nur US-Serien wie „How I met your Mother“ oder "The Following", sondern auch Kino-Blockbuster vom Schlage eines "Death From Above" oder "Life of Pi". Auch Erwachsenenunterhaltung – im konkreten Fall Filmchen der Japanerin Marica Hase und ihrer US-Kollegin Alice Frost – kommt nicht zu kurz.

Nordkoreanische IP-Adressen werden gelegentlich gekapert
Die Website gibt zu bedenken, dass die oft unzureichend geschützten IP-Adressen Nordkoreas in der Vergangenheit immer wieder von Hackern gekapert und für ihre Zwecke missbraucht wurden, weshalb nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden könne, dass die Downloads tatsächlich der nordkoreanischen Führung zugerechnet werden können. Es sei allerdings auch unwahrscheinlich, dass Cyberkriminelle nordkoreanische IP-Adressen zum Zweck des Downloads von Allerwelts-Torrents übernehmen.

Mit Sicherheit kann jedoch behauptet werden, dass Piraten, die urheberrechtlich geschütztes Material herunterladen, überall auf der Welt zu finden sind, selbst in abgeschotteten Staaten wie Nordkorea. Bevor Nordkorea von ScanEye unter die Lupe genommen wurde, hat es übrigens bereits Analysen des Downloadverhaltens im Vatikan und innerhalb großer US-Medienkonzerne (siehe Infobox) gegeben – mit ganz ähnlichen Ergebnissen.

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