Für ihre Studie analysierten die Informatiker der University of New Mexico in Albuquerque sowie der Rice University im texanischen Houston einen Monat lang die Mitteilungen von 3.500 Nutzern des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Die Profile von 300 von ihnen wurden während dieser Zeit durch die chinesischen Zensurbehörden gelöscht.
Beeindruckend ist aber vor allem, mit welcher Geschwindigkeit die Internetpolizei kritische oder auch unanständige Mitteilungen löscht. Der Untersuchung zufolge wurden 30 Prozent der gelöschten Mitteilungen innerhalb der ersten fünf bis dreißig Minuten nach ihrer Veröffentlichung gelöscht. Nahezu 90 Prozent aller Löschungen passierten binnen der ersten 24 Stunden.
Redefreiheit, Menschenrechte und Ein-Kind-Politik
Untersucht wurde auch, welche Themen am häufigsten der Zensur zum Opfer fielen. Keinen Spaß verstehen die Zensoren etwa bei Mitteilungen zum Thema Redefreiheit, Menschenrechte oder Chinas umstrittener Ein-Kind-Politik. Zweifel an der Aufrichtigkeit chinesischer Politiker, Sympathiebekundungen für syrische Rebellen oder Kurznachrichten rund ums Thema Gruppensex befinden sich ebenfalls auf der schwarzen Liste.
Inwiefern diese Löschungen automatisiert ablaufen, vermögen die Wissenschaftler laut einem Bericht der britischen "Daily Mail" nicht zu sagen. Um die rund 100 Millionen Mitteilungen, die täglich über den chinesischen Kurznachrichtendienst verschickt werden, manuell zu filtern, würden jeden Tag mindestens 4.000 Zensoren benötigt, schätzen die Informatiker.
Die "große Firewall" von China
Bei den chinesischen Internetnutzern sind Kurzbotschaften mit höchstens 140 Zeichen äußerst beliebt, um sich über Missstände zu beschweren. Bei der Bildung der öffentlichen Meinung spielen sie nach Ansicht von Experten eine wichtige Rolle. Allerdings herrscht in China eine strenge Medienzensur. In Anspielung an die Chinesische Mauer sprechen die Fachleute von einer "Großen Firewall", die beispielsweise Seiten wie Twitter oder Facebook sperrt.
In China gibt es mehr als eine halbe Milliarde Internetnutzer. Mehr als 300 Millionen von ihnen haben Benutzerkonten bei Online-Kurznachrichtendiensten. Peking sorgt sich seit Monaten vor einem Übergreifen des Arabischen Frühlings auf die Volksrepublik. Die Protestbewegung in zahlreichen arabischen Staaten war von sozialen Netzwerken im Internet maßgeblich vorangetrieben worden.
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