Mi, 19. September 2018

Nach 3 Jahrzehnten

30.10.2012 16:08

VW Santana wird abgelöst: Das ist der neue

Für Deutschland zu bieder, für China gerade richtig: In seiner Heimat konnte sich der VW Santana Anfang der 80er-Jahre nicht durchsetzen. Dafür feierte VW mit der Stufenhecklimousine in China einen regelrechten Millionenerfolg. Rund 30 Jahre nach Markteinführung soll der Siegeszug nun mit der zweiten Generation fortgesetzt werden.

Drei Jahrzehnte Produktionszeit machen den Santana nach westlichen Maßstäben zum Tattergreis. Hierzulande stößt allein das Gelände-Urviech der Mercedes-G-Klasse in ähnliche Laufzeitregionen vor – und der Stuttgarter wurde regelmäßig überarbeitet. Den chinesischen Santana hat VW hingegen eher oberflächlich gepflegt; bis auf einige Design-Upgrades, mehr Ausstattung und ein paar Namenszusätze ist er ganz der Alte geblieben. Und der basiert auf dem Passat B2 von 1980.

Die Zeit ist für einen Modellwechsel also mehr als reif. Statt auf einer Mittelklasseplattform nutzt der Santana nun Technik aus der Kleinwagen- und Kompaktklasse. Trotzdem ist er geräumiger geworden: Der Radstand ist auf 2,60 m angewachsen, was mehr Platz im Fond verspricht, und das Gepäckabteil fasst 480 Liter. Angetrieben wird das Mittelklasse-Modell von Vierzylinderbenzinern. Die Sauger, deren Verbrauch im Vergleich zu den Vorgängern um bis zu 28 Prozent reduziert werden konnte, verfügen über 1,4 respektive 1,6 Liter Hubraum mit 90 und 110 PS.

So fährt sich der neue VW Santana
Das Ergebnis ist ein modernes Auto, das sich auch vor westlichen Modellen nicht verstecken muss, wie bei einer ersten Prototypen-Ausfahrt klar wurde. Die kleinen Sauger sind zwar nicht gerade Temperamentsbündel - vor allem wenn die optionale Automatik zusätzlich Leistung schluckt – dafür lässt sich das Fahrverhalten durchaus auch Europäern zumuten. Die Lenkung ist überraschend agil, das Fahrwerk sicher und unspektakulär. Etwas weicher zwar als hierzulande, für die teils schlechten chinesischen Straßen aber ideal. Beeindruckend ist auch die Verwindungssteifigkeit; da Chinesen keinen Wert auf eine umklappbare Rückbank legen, findet sich hinter den Fondsitzen einfach eine durchgehende Blechwand, die die Karosserie in Form hält und auch auf Schotterpisten Knarzen und Knirschen eliminiert.

Der hohe akustische Komfort ist kein Zufall: Auch wenn es angesichts der lärmenden Millionenmetropolen kaum zu glauben ist – im Auto legt der Chinese Wert auf Stille. So liegt die Geräuschdämmung im Santana auch allgemein mindestens auf West-Niveau. Ebenfalls wichtig für den chinesischen Markt ist das Raumangebot. Obwohl der Santana auf einer Kleinwagenbasis steht und im chinesischen Einstiegssegment angesiedelt ist, streckt er sich auf Kompaktklasseniveau. Von der Länge und dem Raumangebot her kann er es fast mit dem europäischen Jetta aufnehmen.

Santana I prägt teils das Straßenbild
In Europa hingegen spielt der Santana längst keine Rolle mehr. Bereits 1985 verschwand der Name aus dem Modellangebot der Wolfsburger. Die chinesische Wirtschaftsdelegation jedoch, die Wolfsburg Ende der 70er-Jahre besuchte, war sofort begeistert vom damals vorgefundenen Prototypen des 4,54 Meter langen Viertürers. 1983 begann der Aufbau einer Produktion in Shanghai, 1985 liefen die ersten vor Ort montierten Fahrzeuge vom Band. 1998 wurde das millionste Fahrzeug gefertigt. Mittlerweile hat VW 3,7 Millionen Santana verkauft. In vielen Großstädten prägt der VW heute das Straßenbild, vor allem in Shanghai, wo der Großteil der Taxiflotte aus dem ehemaligen Wolfsburger Ladenhüter besteht.

Bei VW wird der Santana das neue Einstiegsmodell für China. Gemeinsam mit dem ebenfalls neuen und technisch weitgehend identischen Jetta (nicht zu verwechseln mit dem Europa- und US-Modell). Beide Limousinen unterscheiden sich lediglich minimal in der Länge und etwas deutlicher bei Außen- und Innendesign. Preise für die neuen Volksautos nennt VW noch nicht. Bisher kosteten die Modelle mindestens rund 60.000 Yuan (knapp 8.000 Euro).

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