Mi, 15. August 2018

Hacker-Subkultur

29.10.2012 14:57

Soziologe: Hacker-Sprache ähnelt jener von Seeleuten

Hacker haben ihren schlechten Ruf nicht unbedingt verdient. Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertenrunde, die im Vorfeld des Hacker-Contests "Cyber Security Challenge Austria 2012" über Hacker als soziales Phänomen diskutiert hat. Bei Hackern handle es sich vielmehr um eine interessante Subkultur mit eigener Sprache, eigenen Regeln, einem eigenen Ehrenkodex - und Fertigkeiten, die in der heimischen Wirtschaft dringend gebraucht würden.

Grundsätzlich, so der Randgruppenexperte und Soziologe Roland Girtler von der Uni Wien, handle es sich bei Hackern um eine eigene Subkultur. Dies äußere sich in der Nutzung einer eigenen Sprache ebenso wie in einem komplexen Ehrenkodex, der innerhalb der Hacker-Szene gelte.

Hacker-Sprache nimmt Anleihen bei Seefahrern
"Ihre Sprache stammt aus der Welt der Seefahrer", erklärt Girtler, der zu bedenken gibt, dass sich Randgruppen sehr oft durch ein eigenes Vokabular vom Rest der Gesellschaft abgrenzen. Egal, ob Wilderer, Gauner oder Hacker – sie alle nutzen Wörter, die für den Rest der Gesellschaft teils schwer zu verstehen sind.

Girtler ordnet Hacker als Randkultur der Rebellion und des Protests ein. Den Hackern gehe es oftmals um Freiheit und darum, die Mächtigen zu ärgern. Dass dies in der Bevölkerung mitunter auf Zuspruch stößt – wie jüngst etwa bei einigen Aktionen des österreichischen Ablegers des Hacker-Kollektivs Anonymous – sei nichts Ungewöhnliches. "Sympathien für gewisse Arten von Ganoven gab es schon immer", so Girtler.

Hacker haben oft komplexen Ehrenkodex
Ebenso wie in der Unterwelt gebe es auch bei Hackern einen komplexen Ehrenkodex, gibt der Professor zu bedenken. Nach dem Regelwerk des Chaos Computer Club stünden Hacker unter anderem für freien Zugang zu Computern und Informationen, Misstrauen gegenüber der Obrigkeit und für Toleranz gegenüber anderen. Freilich gebe es auch innerhalb der Hacker-Subkultur Menschen, die sich nicht an dieses Regelwerk halten.

Joe Pichlmayr, Vorstand der "Cyber Security Austria", betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. "Ethik hört dort auf, wo man viel Geld verdienen kann", sagt er mit Blick auf die Kriminalstatistik 2012, welche einen erheblichen Anstieg bei Delikten im Bereich der Hackerangriffe dokumentiert. Niedere Motive hätten in der Hackerszene Einzug gehalten, so der Initiator der "Cyber Security Challenge Austria". "Hacken an sich ist nichts Böses", sagt Pichlmayr. Erst wenn die grundsätzlich nützlichen Computerkenntnisse für illegale Handlungen missbraucht würden, sei dies bedenklich.

Suche von Nachwuchstalenten mittels Hacker-Contest
Dies sei mit ein Grund, wieso Pichlmayrs Cyber Security Austria gemeinsam mit dem Kuratorium Sicheres Österreich unter Generalsekretär Christian Kunstmann die Hacker-Challenge "Cyber Security Challenge Austria 2012" ins Leben gerufen hat. Man wolle auf diese Art und Weise talentierte Junghacker ausfindig machen und ihnen eine Perspektive abseits der Illegalität eröffnen. "Wir brauchen diese Leute dringender als einen Bissen Brot", sagt Pichlmayr.

Kunstmann ergänzt: "Aus Sicht der Unternehmen im IKT-Bereich (Informations- und Kommunikationstechnologien; Anm.) ist fehlendes Fachpersonal ein Risiko". Deshalb wolle man mithilfe des Wettbewerbs zukünftige Experten finden und sie dem Arbeitsmarkt zuführen. Auf diese Art und Weise hoffen Kunstmann und Pichlmayr, dass begabte Junghacker gar nicht erst in die Illegalität abdriften und stattdessen Karriere im boomenden Feld der IT-Sicherheit machen.

Die "Cyber Security Challenge Austria 2012" befindet sich derzeit in der Endphase. Von fast 400 Teilnehmern haben es zwölf ins Finale geschafft, das von 6. bis 7. November im Burgenland stattfinden wird. Die besten zehn Hacker werden mit einem Notebook für ihre Mühen belohnt, auf das Siegerteam aus dem Finale warten Stipendien für Aus- und Weiterbildung im Wert von je 2.500 Euro. Die Stipendien können die Gewinner dann für ein einschlägiges Studium bei österreichischen Unis oder Fachhochschulen verwenden, um zu jenen IT-Sicherheitsexperten zu werden, welche die heimische Wirtschaft so dringend braucht.

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