„Wachstumstreiber“

Heimischer Musikmarkt wächst dank Streaming weiter

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21.02.2024 07:46

237,2 Millionen Euro haben Musikfans in Österreich 2023 für digitale und physische Musikformate ausgegeben. Das entspricht einem Plus von knapp über zehn Prozent gegenüber dem Jahr davor. Der heimische Musikmarkt ist dank Streaming zum siebenten Mal in Folge gewachsen, hieß es am Dienstag seitens des heimischen Branchenverbandes IFPI. 

2016 hatte der heimische Musikmarkt ein Umsatztief von 137 Millionen Euro erreicht. Dann kam Streaming, und Streaming bleibt „der Motor und Wachstumstreiber“ mit einem Plus von 16,5 Prozent (gegenüber 2022) - und sorgt bereits für 83 Prozent aller heimischen Musikumsätze, berichtete IFPI-Präsident Dietmar Lienbacher. Hier sieht er noch Luft nach oben: „Streaming ist noch nicht am Plafond wie in anderen Ländern angekommen.“

Der physische Musikmarkt präsentierte sich insgesamt in Österreich stabil, bei einem nur noch kleinen Minus von 2,9 Prozent. Aber wie sehr sich dieser verändert hat, zeigt ein Vergleich der aktuellen Stückzahlen mit dem Jahr 2000. Damals wurden in Österreich 16,2 Millionen CDs abgesetzt, 2023 nur mehr 1,2 Millionen. Bei Vinyl-Schallplatten waren es 33.000 Stück im Jahr 2000 gegenüber knapp 410.000 im Vorjahr.

Vinyl kompensiert CD-Rückgänge
Musik-CDs sind trotz eines Minus von 12,7 Prozent gegenüber 2023 nach wie vor das zweitgrößte Marktsegment und steuerten 17,8 Millionen Euro zum Gesamtumsatz bei. Die Nachfrage sei „sehr stark Fan-getrieben“, so Lienbacher. Vinyl-Tonträger setzten mit 12,3 Millionen Euro Umsatz (plus 16 Prozent gegenüber 2022) „die sehr positive Entwicklung der letzten zehn Jahre“ fort und können die Rückgänge bei CDs beinahe kompensieren. Die gute alte Langspielplatte ist also zurück, bleibt aber „immer noch ein Nischenprodukt“, relativierte Lienbacher.

Täglich 100.000 neue Songs
Mit einem Umsatzplus von 16,5 Prozent auf 167,6 Millionen Euro haben Streaming-Abos ihre Popularität als meist genutztes Musikformat in Österreich weiter ausgebaut. 18,2 Milliarden in Österreich gestreamte Songs markieren laut IFPI „einen neuerlichen Rekordwert“ (2022: 14,8 Milliarden).

Auf den global anbietenden Streaming-Plattformen standen 2023 nicht weniger als 184 Millionen Songs zum Abruf zur Verfügung. 38.800 Tracks wurden weltweit mehr als zehn Millionen Mal und 2600 mehr als 100 Millionen Mal abgerufen. Rund 45 Millionen verfügbare Tracks hatten 2023 keinen einzigen Abruf, während täglich mehr als 100.000 Songs auf die großen Streaming-Plattformen hochgeladen werden.

Das Überangebot wird zunehmend als Problem gesehen, weil sich darunter möglicherweise auch viele KI-generierte Songs finden, die den Abrechnungspool für die Vergütung von Künstlerinnen und Künstlern verringern könnten. Deshalb werden neue Abrechnungsmodelle überlegt, hieß es bei der Pressekonferenz.

Künstler vor Herausforderungen
Die fortschreitende Verlagerung des Musikvertriebs auf globale Streaming-Plattformen, deren Algorithmen auf einen Weltmarkt ausgerichtet sind, stellt Künstlerinnen und Künstler aus kleineren Märkten wie Österreich vor große und manchmal kaum bewältigbare Herausforderungen.

Das spiegelt sich beim Anteil heimischer Produktionen am Gesamtumsatz wider: Dieser liegt bei Alben bei 16,3 Prozent (2022: 24,9 Prozent), bei den Songs bei 4,6 Prozent (eine kleine Steigerung im Vergleich zu 3,6 Prozent in 2022). Die Schwankungen hängen von den Veröffentlichungen eines Jahres ab, insgesamt sei aber das Niveau vor allem bei den Songs zu niedrig, betonte Hannes Tschürtz, Mitglied des IFPI-Vorstandes.

Eine positive Entwicklung sieht Tschürtz betreffend heimischer Titel beim Radio-Airplay. „Das zeigt, dass Musik aus Österreich durchaus gerne gehört wird.“

„Nicht blind vor Risiken durch KI sein“
Zum Thema KI sagte IFPI-Geschäftsführer Franz Medwenitsch, das Ziel sei es, Künstliche Intelligenz zu einem Erfolgsmodell sowohl für die Kreativszenen als auch für die Technologiebranche zu machen. „Wir dürfen aber angesichts der Risiken nicht blind sein“, merkte er an. Beim Schutz des geistigen Eigentums gehe es um die richtige Balance zwischen technologischer Innovation und dem urheberrechtlichen Schutz von Inhalten, die bei der KI-Entwicklung verwendet werden.

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