Mo, 16. Juli 2018

Wie seriös ist es?

30.05.2012 12:21

Medikamentrezept via Internet-Ärzte - der krone.tv-Test

Ein Medikamentenrezept, ohne sich untersuchen lassen, ohne dem Arzt persönlich gegenübersitzen zu müssen: Was in Österreich eigentlich verboten ist, ist durch eine EU-Gesetzeslücke übers Internet möglich. krone.tv hat sich gemeinsam mit Medizinern die Sache näher angesehen.

Seit dem Frühjahr bietet die britische Internetplatform DrEd.com auch in Österreich ihre Dienste an. Via Online-Formular können sich Patienten mit ihren Leiden und Medikamentenwünsche an ein Ärzteteam wenden, das dann gegen eine Gebühr von 29 Euro Rezepte per Post zuschickt.

Die in London von den britischen Aufsichtsbehörden zugelassene Praxis mit derzeit drei Ärzten bietet Sprechstunden zur Männergesundheit (Impotenz, Haarwuchs), Frauengesundheit (Verhütung), die Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten sowie Malariaprophylaxe an.

Die Österreichische Ärztekammer hat das Modell der Internetärzte heftig kritisiert. So ein Service aus dem Ausland sei nicht nötig, weil jeder krankenversichert sei und Zugang zum Gesundheitssystem habe.

Zwei Ärzte testeten für krone.tv den Dienst
Zwei österreichische Ärzte haben sich die Internetseite angesehen. Vor Ferndiagnosen, ohne dass ein Arzt den Patienten sieht, warnt Dr. Herbert Woschnagg im krone.tv-Interview (siehe Video oben). Er testete die Website trotzdem, und gab die Daten eines typischen Bluthochdruck-Patienten und den Namen eines Medikamentes ein, das er gerne hätte. Nach wenigen Tagen kommt tatsächlich eine Antwort. Aber kein Rezept. Der Patient solle sich an einen Arzt wenden. Also doch seriös?

Für den Internisten werden zu wenige Fragen nach der Konstitution des Patienten gefordert. Als Fazit kann er aber doch sagen, dass eine gewisse ärztliche Sorgfalt dahinterstecken müsse.

Dr. Wolfgang Exel, Leiter der "Krone"-Gesundheitsredaktion, liefert eine Erklärung, warum die Internet-Ärzte auch bei uns genützt werden könnten: "Die Leute sind ganz einfach unzufrieden mit unserem Gesundheitssystem in diesem Sinne, dass die Ärzte ganz einfach zu wenig Zeit haben, um mit ihnen zu reden. Das ist nicht Schuld der Ärzte, das ist ganz einfach Schuld des Systems. Wenn Sie heute einen Facharzt brauchen, melden Sie sich im Mai an und bekommen einen Termin im Mai, aber nächstes Jahr."

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