Bei den Verhandlungen, die Schrems am Montag mit Vertretern des weltweit größten Online-Netzwerks über mutmaßliche Verstöße gegen den Datenschutz geführt hatte, habe Facebook zahlreiche Informationen geliefert und einige Zusagen gemacht. Das habe jedoch nicht gereicht.
Nun fordert die Studenten-Gruppe "Europe versus Facebook" um Schrems, die seit dem Sommer 22 Anzeigen gegen Facebook wegen Datenschutzverletzungen eingebracht hat, eine formelle Entscheidung der Datenschutzbehörde in Irland.
Datenschutz bei Facebook "unprofessionell"
"Facebook interpretiert die europäischen Gesetze neu", kritisierte der Jus-Student am Tag nach dem Treffen. Außerdem sei das Internetunternehmen "höchstgradig unprofessionell, was den Datenschutz angeht". Daher sei bei dem sechsstündigen Gespräch "viel darüber gestritten" worden, was beispielsweise eine Zustimmung bedeute. Laut Datenschutzgesetz müsse eine Zustimmung spezifisch, informiert und eindeutig erfolgen, erklärte Schrems. Jedoch interpretiere Facebook die Bestimmung weiterhin so, dass eine Zustimmung besteht, solange der Nutzer nicht Nein sagt.
Fotos drei Jahre nach Löschung immer noch online
Er habe dem Unternehmen im Gespräch auch klargemacht, dass Löschen auch wirklich Löschen bedeuten müsse. Die Erklärung von Facebook, warum vor drei Jahren gelöschte Fotos immer noch gespeichert würden, habe nur gelautet, dass das Löschen aufgrund eines Softwarefehlers nicht richtig funktioniere, so Schrems.
Finale Entscheidung in Dublin steht noch aus
Das 2004 vom Studenten Mark Zuckerberg gegründete, weltweit größte soziale Netzwerk Facebook, das derzeit seinen Börsengang vorbereitet, sei im Grundkonstrukt "ein Flickwerk, das jetzt erst professionell gemacht" werden müsse, erklärte Schrems. Der Salzburger Student will nun die zugesicherten Änderungen, die bis Ende März erfolgen müssen, genau überprüfen und dann bei der Datenschutzbehörde in Dublin, wo das Verfahren seit dem Vorjahr läuft, einen Antrag auf eine finale Entscheidung einbringen. Zugesagt hat das Unternehmen laut Schrems, ihm eine Übersicht über alle gespeicherten Datensätze zukommen zu lassen.
Verhandlung eines Studenten mit Facebook "absurd"
Eine einvernehmliche Einigung bei dem Treffen, das die irischen Behörden verlangt hatten, sei nie Ziel gewesen, erklärte Schrems: "Ich finde es absurd, dass ich als ein Student im Namen aller 800 Millionen Facebook-Nutzer mit einem Multi verhandeln soll, ich bin auch nicht gewählt worden, sondern nur zufällig dazu gekommen", so Schrems.
Facebook lobt Gespräch als "sehr konstruktiv"
Am Montag hatten sich der europäischen Facebook-Chef Richard Allen sowie eine hochrangige Managerin des Unternehmens aus den USA in einem Hotel am Wiener Flughafen mit Schrems und einem weiteren Jus-Studenten getroffen. Das Unternehmen Facebook sprach in einer Stellungnahme von einem "sehr konstruktiven Gespräch" und versprach seine Selbstverpflichtung, den Beschwerden nachzugehen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.