Beobachter in den USA brachten Yangs Abgang mit den andauernden Spekulationen um die Zukunft von Yahoo in Verbindung. Der Konzern, der im wichtigen Online-Werbemarkt immer mehr Boden an Google verloren hatte, prüft einen Verkauf oder die Trennung von den wertvollen Tochtergesellschaften in Asien. In welche Richtung das Pendel nun ausschlägt, ist allerdings weiter unklar.
Yang hatte Yahoo 1995 zusammen mit David Filo gegründet und war von 2007 bis 2009 auch Konzernchef, bevor er sich auf den Verwaltungsratsposten zurückzog. Er galt aber weiterhin als mächtiger Strippenzieher im Hintergrund. Yang sagte, er habe die Jahre sehr genossen. "Dennoch ist die Zeit reif für mich, anderen Interessen außerhalb von Yahoo nachzugehen."
Übernahme durch Microsoft vereitelt
Investoren hatten Yang nie verziehen, dass er 2008 eine Übernahme durch Microsoft verhindert hatte. Damals wollte der Windows-Riese 33 Dollar pro Aktie zahlen, in Summe mehr als 45 Milliarden Dollar (35,2 Milliarden Euro). Heute dümpelt das Papier bei 15 Dollar herum.
Die Börsianer gehen davon aus, dass sich nach Yangs Abgang etwas bewegt. Nachbörslich sprang die Aktie um fast drei Prozent nach oben. Zwischenzeitlich wurde etwa über den Einstieg von Finanzinvestoren oder gar des Softwarekonzerns Microsoft spekuliert. Die bisher radikalste Lösung, die in US-Medien herumgeisterte, war die komplette Übernahme durch die beiden asiatischen Partner Alibaba und Softbank.
Über die Hintergründe des Abgangs von Yang wurde zunächst nur wenig bekannt. Das über Ereignisse bei dem Internetkonzern stets gut informierte Blog "All Things Digital" schrieb, Yang habe die Entscheidung allein getroffen und auch Vertraute erst kurzfristig informiert.
"Visionär und Pionier"
Nach außen hin hatte die Konzernspitze nur freundliche Worte übrig. Verwaltungsratschef Roy Bostock lobte Yang als "Visionär und Pionier", der Yahoo entscheidend vorangebracht habe. "Wir danken Jerry." Der von der eBay-Bezahltochter PayPal herüber gewechselte neue Konzernchef Scott Thompson sagte, die Werte Yangs lebten im Unternehmen weiter. "All Things Digital" schrieb zugleich, auch weitere Mitglieder des Verwaltungsrates könnten demnächst gehen, darunter auch der ebenfalls oft kritisierte Bostock.
Yahoo hat eine Achterbahnfahrt hinter sich. Der Verwaltungsrat hatte Anfang September die bisherige Konzernchefin Carol Bartz gefeuert. Dem obersten Gremium ging der Umbau des Unternehmens zu langsam voran. Bartz wollte den als Webverzeichnis gestarteten Konzern zum Anbieter von Medieninhalten umbauen, doch durchschlagende Erfolge blieben aus.
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