Ins Netz gegangen

Festnahme nach Datendiebstahl bei Polizei und Zoll

Web
19.07.2011 10:24
Zehn Tage nach dem Hackerangriff auf ein hochsensibles Fahndungssystem der deutschen Sicherheitsbehörden hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Der 23-jährige Deutsche wird beschuldigt, das Peil- und Ortungsprogramms "Patras" geknackt zu haben, mit dem die Ermittler verdächtige Personen, Fahrzeuge oder Waren verfolgen. Die anonyme Gruppe "No-Name Crew" kündigte im Internet unterdessen weitere Angriffe an.

Der Verdächtige ging der Polizei am Sonntagabend in Nordrhein-Westfalen ins Netz. Bei der Durchsuchung der von ihm genutzten Wohnung sei Beweismaterial gesichert worden, hieß es in einer Mitteilung. Laut "Spiegel Online" sei der Mann wegen räuberischer Erpressung vorbestraft und derzeit auf Bewährung auf freiem Fuß. Auch sei er schon wegen Computerkriminalität aufgefallen. Ob der Festgenommene etwas mit der "No-Name Crew" zu tun hat, wollte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes nicht sagen.

Die Gruppe hatte vor knapp zwei Wochen brisante Daten und Telefonnummern aus dem Bereich der Zollfahndung ins Internet gestellt. Die hatte sie über Computermanipulationen von einem Rechner der Bundespolizei gestohlen, auf dem auch die Zoll-Informationen gespeichert sind. Zu sehen war auch ein Organisationsschema der Bundespolizeidirektion Koblenz mit Namen, Telefonnummern und Funkkanälen.

Hacker wollen Passwort für brisante Daten veröffentlichen
Die Hacker drohten damit, ein Passwort für noch verschlüsselte brisante Daten, die sich in ihrem Besitz befinden, zu veröffentlichen, falls ein Mittäter festgenommen wird. Dazu lief auf ihrer Internetseite ein Countdown, der bis zum frühen Montagabend reichte. Ebenso lief ein Countdown für einen Angriff auf "neue Ziele auf Bundesebene" in neun Tagen. Am Montagnachmittag war die Internetseite jedoch nicht mehr zugänglich.

Polizei fordert mehr gesetzliche Befugnisse
Unterdessen hat die Deutsche Polizeigewerkschaft mehr gesetzliche Befugnisse gefordert, um sich gegen Angriffe besser zur Wehr zu setzen. "Server, die Ausgangspunkt für Attacken sind, müssen durch Gegenangriffe lahmgelegt oder zerstört werden", sagte Gewerkschafts-Chef Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Berichte, nach denen die Bundespolizei durch technische Schlamperei die Angriffe erleichtert hätten, wies Wendt als "groben Unfug" zurück.

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