"Unternehmen bekommen den ganzen Menschen, nicht nur den beruflichen", sagt der Münchner Kommunikationsberater Klaus Eck. Das Problem: Private Äußerungen können für die Firma rufschädigend sein und sogar Betriebsgeheimnisse offenlegen. Viele Unternehmen erkennen, dass diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Um Probleme zu vermeiden, appellieren sie an das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter. "Für Ihre Äußerungen und Ihr sonstiges Verhalten in Social Media sind Sie persönlich verantwortlich", heißt es etwa in den Richtlinien der Telekom, die sich eigens Social-Media-Regeln gegeben hat.
Appell an gesunden Menschenverstand
"Betriebsinterna gehören ebenso wenig ins Netz wie Beschwerden über Vorgesetzte, Kollegen und Kunden", erläutert Professor Ansgar Zerfaß, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Leipzig. Aber wo liegt die Grenze? Reicht ein "Ich will endlich ins Wochenende"? Oder ein "Heute schon wieder Überstunden"? Auch Adidas appelliert an die Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand der Mitarbeiter: "Das schließt das Bewusstsein darüber ein, dass man sich im Netz nicht anders verhalten oder äußern sollte, als man es gegenüber Geschäftspartnern und Kunden tun würde", erklärt Sprecherin Katja Schreiber.
Marketing-Chef und passionierter Kaninchenzüchter zugleich
Das bedeutet allerdings auch, dass Nutzer beim privaten Surfen den Job immer im Hinterkopf haben müssen. "Denn das große Problem ist, dass sich das Private mit dem Beruflichen vermischt und ich beides nicht mehr voneinander trennen kann", sagt Klaus Eck. Im Netz ist man Marketing-Chef und passionierter Kaninchenzüchter in einer Person. "Unternehmen müssen das aushalten", so der PR-Profi. "Es gibt sicher Situationen, in denen solche Doppelrollen unvermeidbar zu Konflikten führen und man Privatsphäre und Beruf besser trennt", mahnt Zerfaß. Es sei dann die Aufgabe des Unternehmens, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, sodass diese die Reichweite ihrer privaten Kommunikation im Netz erkennen.
Arbeitsrechtliche Schritte bei grobem Fehlverhalten
Die Mitarbeiter wissen also im besten Fall genau, was sie schreiben dürfen und was nicht. Aber was passiert, wenn ihnen das Feingefühl doch einmal abhandenkommt? Harte arbeitsrechtliche Schritte seien bei grobem Fehlverhalten im Netz "theoretisch möglich", heißt es bei Adidas. Das legt nahe: Was offline tabu ist, wird auch online Konsequenzen haben. Auch die Telekom schreitet bei Verstößen gegen das Arbeitsrecht oder Verschwiegenheitspflichten ein.
Viele Unternehmen haben bereits Social-Media-Regeln. Dabei seien Gebote und Empfehlungen besser als Verbote, meint Klaus Eck. "Firmen können zum Beispiel den Anreiz für ein gutes Profilbild schaffen, indem sie die Fotos bezahlen. Ist das Bild bei Xing gut, wirkt das positiv auf mein Unternehmen zurück." Ohnehin sei es am besten, wenn ein Mitarbeiter mit seinem privaten Hobby in die Marke des Unternehmens "einzahle", wie es im Marketing heißt. Das kann ein sportbegeisterter Blogger allerdings wohl besser als ein Hobby-Künstler, der erotische Bilder malt.
"Beide Seiten müssen noch lernen"
Eck empfiehlt Unternehmen für die Zukunft etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Mitarbeitern, die auf Social-Media-Plattformen aktiv sind. "Oft wird es überbewertet, wenn einer mal schreibt: Es ist mir langweilig." Der Berater empfiehlt, mit Humor zu reagieren. Das sei souverän, zeige aber auch, dass das Unternehmen die Äußerung mitbekommen habe. Beide Seiten - Unternehmen wie Mitarbeiter - müssten noch lernen. "In einigen Jahren wird das aber kein Thema mehr sein", so der Experte.
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