Brände in Frankreich

So entsteht der „feuerspeiende Drache“

Ausland
29.07.2026 10:23

An der französischen Atlantikküste kämpfen die Feuerwehrleute am Mittwoch weiterhin gegen die Flammen. Am Vortag seien 14 Brände in der Region neu ausgebrochen, sagte die Präfektin von Bordeaux, Sophie Brocas. Viele Feuer sind zudem wieder aufgeflammt, verantwortlich dafür ist der sogenannte „feuerspeiende Drache“.

So nennt die NASA das Wetterphänomen, das zum ersten Mal überhaupt in Frankreich aufgetreten ist. Der „feuerspeiende Drache“ wurde hauptsächlich bei Vulkanausbrüchen und riesigen Bränden in Australien und Kanada beobachtet. Dieser Feuersturm bringt eine glühend heiße Wolke mit eigenem Wettersystem hervor. Dabei erhitzt sich bodennahe Luft so stark, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt.

Dieses Gemisch geht oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft es auf kühlere Luft, die Feuchtigkeit kondensiert und bildet Wolken. Ein eigenes Wettersystem mit starken Winden entsteht, die im Fall von Frankreich die Waldbrände weiter anheizen. Oft schießen auch Blitze aus der Wolke zu Boden und ein grollendes Geräusch ist zu hören. Der Rauch, der in die untere Stratosphäre transportiert wird, kann sich monatelang weltweit verbreiten.

Laut dem Meteorologen Michael Fromm müssen drei Bedingungen erfüllt sein, damit der seltene Feuersturm entsteht: Hitze, Trockenheit und Wind. In der Fachsprache wird das Wetterphänomen Pyrocumulonimbus genannt. 

Der Feuersturm ist zum ersten Mal in Frankreich aufgetreten.
Der Feuersturm ist zum ersten Mal in Frankreich aufgetreten.(Bild: AP/Caroline Blumberg)
Feuerwehrleute in der Nähe der Stadt Lege-Cap-Feret
Feuerwehrleute in der Nähe der Stadt Lege-Cap-Feret(Bild: AFP/JULIEN DE ROSA)

Winde wechseln die Richtung
Es lässt sich meist nicht löschen oder unter Kontrolle bringen, unter anderem, weil die Winde ständig die Richtung wechseln. Die Winde haben zudem Geschwindigkeiten von 50 bis 60 Metern pro Sekunde, was die Brandbekämpfung aus der Luft unmöglich macht. Auch die Wärmeleistungen eines solchen Feuers sind deutlich höher als bei einem „gewöhnlichen“. Laut dem französischen Feuerwehrsprecher Eric Brocardi gibt es zwei Auswege: Regen – der aber mindestens drei Tage lang dauern und stark sein müsste – und das Lenken des Feuers an einen Ort, an dem es von selbst erlischt, zum Beispiel am Meer.

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Der Brand ist stabilisiert, aber nicht unter Kontrolle und dehnt sich nicht weiter aus.

Sophie Brocas, Verwaltungschefin der Region Bordeaux

Im Südwesten Frankreichs könnten sich die Einsatzkräfte derzeit nur noch zurückziehen. „Es ist ein kriegsähnliches Szenario, bei dem wir ständig unter Beschuss sind und uns alle in Sicherheit bringen müssen.“ Am Dienstagabend waren insgesamt 2750 Feuerwehrleute, 23 Löschflugzeuge und mehr als 1400 Polizeikräfte im Einsatz, um die Waldbrände einzudämmen. „Der Brand ist stabilisiert, aber nicht unter Kontrolle und dehnt sich nicht weiter aus. Wir kämpfen Baum um Baum“, sagte die regionale Verwaltungschefin. Meterweit waren nur verbrannte Waldböden, Sand, Asche und Bäume mit angesengten Stämmen und vertrockneten Blättern zu sehen.

Manche Häuser gerettet
Manche Häuser konnten vor den Flammen gerettet werden, andere wurden hingegen komplett zerstört. Dächer sind eingebrochen, Fensterscheiben geborsten, Hecken und Gärten verkohlt. Die Bewohnerinnen und Bewohner von drei vorsorglich evakuierten Ortschaften durften zwar wieder in ihre Häuser zurückkehren, müssen aber mit einer möglichen erneuten Evakuierung rechnen.

Für Österreich wurde ebenfalls eine neue Hitzewelle prognostiziert, die die Waldbrandgefahr erhöht. „Seit Jahresbeginn wurden in Österreich bereits mehr als 270 Waldbrände registriert. Insgesamt waren dabei rund 230 Hektar Waldfläche betroffen“, teilte das Umweltministerium am Mittwoch mit. Der beste Schutz beginne mit „Rücksicht auf die Natur und richtigem Verhalten im Wald“, sagte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP). In den meisten Bezirken Österreichs sind derzeit das Entzünden von Feuer oder Rauchen im Wald untersagt.

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