12 Personen in Haft

D: Großrazzia gegen illegales Filmportal “kino.to”

Web
09.06.2011 14:58
Wegen des Verdachts der illegalen Verbreitung von Spielfilmen sind bei einer Razzia am Mittwoch zeitgleich 42 Wohnungen, Büros und Rechenzentren der Website "kino.to" in Deutschland, Frankreich und Spanien durchsucht worden. Über 250 Polizisten und Steuerfahnder sowie 17 Datenspezialisten waren an der Aktion beteiligt. 13 Beschuldigte wurden festgenommen, einer von ihnen befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß, wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden am Donnerstag mitteilte.

Zeitgleich hatten Fahnder am Mittwoch 42 Wohnungen, Büros und Rechenzentren in 20 Orten Deutschlands, darunter Zwickau, Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Nürnberg und München, aber auch in Frankreich und Spanien durchsucht. 

Von 13 Festgenommenen wurde eine Person zwischenzeitlich wieder freigelassen, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein, am Donnerstag mitteilte. Die übrigen zwölf befänden sich derzeit in Untersuchungshaft, der Verdacht laute auf Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen. Nach einem weiteren Beschuldigten werde noch gesucht.

Unter den Beschuldigten seien sowohl Betreiber der Website "kino.to" als auch - zum Teil mit diesen identisch - Personen, die beschuldigt werden, als sogenannte Streaming-Hoster illegale Kopien von Filmen für Internetnutzer bereitgestellt zu haben. "Wir beginnen jetzt mit Vernehmungen der Beschuldigten", sagte der Staatsanwalt. Außerdem werde das Beweismaterial ausgewertet, darunter auch mehrere beschlagnahmte Server. 

Kein Urteil zur illegalen Nutzung von Streaming-Inhalten
Die Frage, ob sich möglicherweise auch Nutzer von "kino.to" strafbar gemacht haben könnten, wurde zurückgestellt. Da es bisher kein Urteil zur Nutzung von urheberrechtlich geschützten Streaming-Inhalten gebe, gelte dies als rechtlich umstritten, sagte Klein.

Auf der von der Polizei beschlagnahmten Domain "kino.to" war zunächst gestanden, dass Internetnutzer, die widerrechtlich Raubkopien von Filmwerken hergestellt oder vertrieben hätten, mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen müssten. Inzwischen wurde die Seite zur Gänze vom Netz genommen.

"Parasitäres Geschäftsmodell" mit "erheblichen Einnahmen"
Laut der deutschen Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) waren der Razzia jahrelange Vorermittlungen vorausgegangen. "Deren Erkenntnissen zum System 'kino.to' deuten auf ein arbeitsteiliges parasitäres Geschäftsmodell hin", so die GVU. Dabei würden Indizien auf eine enge Verflechtung von mehreren Streaming-Hostern mit der Portalseite verweisen. Dieses soll bei den Betreibern zu "erheblichen Einnahmen" geführt haben, hieß es weiter. 

Die Plattform bot Links zu Streaming-Servern an, die zahllose Filme, darunter auch aktuelle Blockbuster, bereitstellten. Sie soll zuletzt von täglich mehreren hunderttausend Menschen genutzt worden sein. Die Betreiber erzielten entsprechend hohe Einnahmen aus Internet-Werbung. Sowohl der Schaden für die Filmwirtschaft als auch die Gewinne der Hauptbeschuldigten werden auf siebenstellige Euro-Beträge geschätzt.

Lückenhafte Verteidigungslinie der Betreiber
Dass die Betreiber der Seite auch die meisten Streaming-Server selbst betrieben haben, entkräftigt laut dem österreichischen Verein für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche die "Verteidigungslinie von 'kino.to' und manchen Unterstützern". Wie in einer Aussendung betont wurde, habe sich somit die Behauptung, "dass das Portal nur Links zur Verfügung stellt, als vordergründige Täuschung herausgestellt".

"Offensichtlich haben nach langjährigen, stagnativ scheinenden Versuchen die Anti-Piraterie-Organisationen des DACH-Bereichs auf verschiedenen Wegen einen wesentlichen Erfolg erreicht. Pirateriebekämpfung im Internet ist also keineswegs ein aussichtsloses Unterfangen", so VAP-Geschäftsführer Werner Müller. 

Nachfolger dürften nicht lange auf sich warten lassen
Die Filmindustrie in Deutschland rechnet nach dem Aus von "kino.to" bereits mit der Entstehung ähnlicher Plattformen. "Es ist zu vermuten, dass Nachfolger in Erscheinung treten werden", sagte GVU-Sprecherin Christiane Ehlers. "kino.to" sei "das mit Abstand bekannteste illegale Angebot" gewesen. Es sei zu erwarten, dass das Vorgehen der Behörden "eine gewisse Erschütterung in der illegalen Szene bewirken" werde, so Ehlers. Die Geschäftsmodelle solcher Angebote seien aber offenbar so lukrativ, dass auch in Zukunft mit ähnlichen Plattformen zu rechnen sei.

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