Schmidt reumütig

Ex-Google-Chef: “Vergeblich um Facebook gebuhlt”

Web
01.06.2011 12:33
Ex-Google-Chef Eric Schmidt blickt reumütig auf vertane Chancen im Zusammenhang mit der Entwicklung sozialer Netzwerke zurück. "Wir haben uns enorm bemüht, uns mit Facebook zusammenzutun", sagte Schmidt am Dienstag auf einer Konferenz des Technologieblogs "AllThingsD". Facebook - heute das weltweit größte Online-Netzwerk - habe dies jedoch stets abgelehnt.

Wie die Partnerschaft mit Facebook aussehen sollte, verriet der Manager nicht. Er sagte lediglich, dass die Google-Suche von einem Zugang zu Daten von Facebook-Nutzern profitieren könnte. Zugleich kam Schmidt auf Fehler in seiner zehnjährigen Zeit als Google-Chef zu sprechen. Er habe die Gefahren durch Facebook unterschätzt. "Ich wusste, dass ich etwas tun muss, und ich habe es nicht getan", sagte Schmidt.

Neuer Nutzerrekord für Facebook in Deutschland
Facebook verzeichnet indes weiter satte Nutzerzuwächse. In Deutschland durchbrach das Netzwerk nun die 20-Millionen-Marke. Allein in den vergangenen vier Monaten seien vier Millionen neue Mitglieder hinzugekommen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit. Bei der Zählung berücksichtigt das US-Unternehmen alle, die sich mindestens einmal im Monat anmelden. Damit hat der heutige Marktführer eine rasante Entwicklung gemacht: Im Oktober 2008 waren erst 1,2 Millionen Menschen registriert.

Schmidt warnt vor "Balkanisierung des Internet"
Schmidt warnte die Politik außerdem davor, mit einer staatlichen Regulierung die Rolle des Internet als weltumspannendes Netz aufs Spiel zu setzen. "Ich bin sehr besorgt, dass uns eine Balkanisierung des Internet droht", sagte Schmidt. Er bezog sich dabei vor allem auf Pläne im US-Senat, zur Verhinderung von Urheberrechtsverletzungen einen Filter im Internet installieren zu lassen.

"Bisher haben wir ein Internet, bis auf China", sagte Schmidt. "Ich befürchte, dass wir irgendwann einen Zustand haben, bei dem jedes Land sein eigenes Internet hat." Die vom republikanischen Senator Orrin Hatch (US-Bundesstaat Utah) vorangetriebene Initiative sieht vor, dass Internet-Provider und Suchmaschinen den Zugriff auf Angebote im Netz unterbinden müssen, die das Urheberrecht verletzen. Online-Werbenetzen und Finanzdienstleistern soll untersagt werden, mit den Anbietern Geschäfte zu machen.

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