Cyberattacken

Lage in Österreich laut CERT „verdächtig ruhig“

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02.03.2022 14:56
Porträt von krone.at
Von krone.at

Als „derzeit verdächtig ruhig“ hat Wolfang Rosenkranz, Teamleiter des Computer Emergency Response Teams (CERT), am Mittwoch die Gefährdungslage im österreichischen Cyberraum beschrieben. In der Branche gebe es die Vermutung, „dass sich die Konfliktparteien im Ukraine-Krieg aufeinander konzentrieren“, sagte er. In Sicherheit wiegen dürfe man sich hierzulande aber keinesfalls: „Racheaktionen“ seien jederzeit möglich und man sollte die Pause für entsprechende Vorbereitungen nutzen.

Lambert Scharwitzl, Leiter Kommando Führungsunterstützung & Cyber Defence (KdoFüU&CD) des Bundesheeres, bestätigte die Einschätzung von Wolfgang Rosenkranz: Die Hacker-Community habe sich Pro-Russland und Pro-Ukraine orientiert und sei gegenseitig aktiv. Europa und vor allem Österreich sei kein primäres Ziel. „Ich hoffe auch, dass wir nicht durch Kollateralschäden getroffen werden, schließlich ist alles stark miteinander vernetzt.“ Im Fall des Falles wolle man möglichst schnell reagieren.

In der EU und NATO sei in Sachen Cyber-Sicherheit der Alert-Modus hochgefahren worden, bekräftigte Scharwitzl. "Wir sind hier national und international in einem intensiven Informationsaustausch." Die zuständigen Stellen im Bundeskanzleramt, Innen- und Außenministerium sowie Verteidigungsministerium tagen normalerweise einmal wöchentlich, dies geschieht derzeit täglich.

Experte rät zu erhöhter Aufmerksamkeit
Rosenkranz zufolge habe es in der Vergangenheit immer wieder Cyber-Angriffe gegeben, und die Bedrohungslage habe sich keinesfalls in nichts aufgelöst. Angesichts des Risikos empfiehlt der Fachmann, regelmäßig aktiv zu überprüfen, ob man zur Zielscheibe wurde, etwa indem man täglich aktiv mit dem Virenscanner seinen Rechner überprüft. Selbiges wird auch Firmen auf einem entsprechend höheren Level empfohlen. Rosenkranz rät insgesamt zu erhöhter Aufmerksamkeit: „Wichtige Mitarbeiter sollte man derzeit nicht unbedingt in Urlaub gehen lassen.“

In der Vergangenheit habe bereits ein Zeitungsartikel genügt, um politische Hackergruppen gegen das Innenministerium aktiv werden zu lassen. Ob entsprechende Cyberattacken von privaten Gruppen kommen oder einen staatlichen Hintergrund haben, sei oft schwierig zu sagen: „Manchmal steckt mehr Budget dahinter, was zumindest für eine staatliche Unterstützung spricht - oft aus Russland oder China.“ Bei Nordkorea sei es klar, dass hier die Regierung dahinter steckt, etwa beim Diebstahl von Kryptowährungen.

Jeder Nutzer ein potenzielles Ziel
Wer zum Ziel werden kann, sei unklar: „Provokant gesagt, jeder, der einen Internetanschluss hat“, meint Rosenkranz. Große Unternehmen in Österreich hätten in Sachen Sicherheit nach intensiveren Attacken in der Vergangenheit zwar nachgezogen, kleinere Firmen „tun sich da schon schwerer mit ihrem geringeren Budget.“ Racheaktionen würden wohl vor allem das Ziel haben, öffentlichkeitswirksam zu sein, also etwa Webseiten zu verändern, um politische Botschaften zu transportieren. Aber auch die Infrastruktur könne zum Ziel werden.

Polizei und Verfassungsschutz in Alarmbereitschaft
Zurück in der realen Welt: Was den Schutz russischer und ukrainischer Einrichtungen in Österreich sowie des Flughafens Wien betrifft, erfolgte von der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst eine Sensibilisierung aller Landespolizeidirektionen und Landesämter für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Überwachungsmaßnahmen wurden angeordnet und auch Sicherheitsberatungen angeboten und durchgeführt, hieß es aus dem Innenministerium.

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