Die EZB-Bankenaufsicht warnt im Zuge geopolitischer Spannungen vor verstärkten Cyberattacken auf Finanzinstitute. „Wir haben Banken aufgerufen, ihre Cyber-Vorkehrungsmaßnahmen zu verstärken und sich mit einem möglichen Anstieg der Attacken und der künftigen Gefahr solcher Attacken zu beschäftigen“, so EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria.
Zuvor wurde berichtet, dass die EZB Banken auf ein wachsendes Risiko von Hackerangriffen aus Russland vorbereitet. Die EZB wolle die Aufmerksamkeit der Banken darauf lenken, dass sich die globalen Spannungen möglicherweise verschärften, was zu mehr solcher Cyberangriffe führen könne, sagte Enria. Daher sollten die Geldhäuser ihre Mitarbeiter entsprechend schulen, damit solche Bedrohungen besser abgewehrt werden könnten. Zudem sollen sie nach Schwachstellen suchen bei Dienstleistungen, die sie ausgelagert haben.
Auf der Presseveranstaltung stellte der oberste EZB-Bankenaufseher die Ergebnisse der turnusmäßigen jährlichen Bankenprüfung - in der Fachwelt „SREP“ genannt - vor. Danach haben die Institute aus Sicht der Kontrolleure das zweite Corona-Jahr insgesamt gut verkraftet. Sechs Banken von derzeit 115 überwachten Instituten erfüllten allerdings die Kapitalvorgaben der Kontrolleure nicht. „Im Großen und Ganzen sind wir mit dem bisherigen Vorgehen der Banken während der Pandemie zufrieden“, bilanzierte Enria. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Krise seien aber noch spürbar. „Die Banken müssen die möglichen Folgen für ihre Bilanzen im Blick behalten.“ Risikokontrolle und Governance müssten verbessert werden.
Solide Kapitalausstattung vorhanden
Die Aufseher kamen bei der Prüfung zu dem Ergebnis, dass die Großbanken weiter über eine solide Kapital- und Liquiditätsausstattung verfügen. Die SREP-Ergebnisse für 2021 deuteten auf eine weitgehende Stabilität hin, erklärte die EZB. Das Kapitalniveau der meisten Institute liege über den festgelegten Anforderungen. Die Institute hätten während der Pandemie solide Kapital- und Liquiditätspositionen aufrechterhalten. In diesem Jahr müssen die Geldhäuser aber etwas mehr Eigenkapital vorhalten: Die Anforderung und Empfehlung für das harte Kernkapital (CET 1) wurde im Schnitt für 2022 leicht auf 10,6 Prozent von bisher 10,5 Prozent erhöht.
Die Bestände an notleidenden Krediten in den Bankbilanzen sind laut EZB weiter gesunken. Die Geldhäuser hätten ihre Pläne zum Abbau und zum Verkauf solcher Problemkredite konsequent umgesetzt. Die Qualität der Darlehen sei weiterhin recht robust. Allerdings machten die Aufseher Anzeichen für eine sinkende Kreditqualität in jenen Wirtschaftsbereichen aus, die von den Stützungsmaßnahmen in der Virus-Krise am meisten profitiert haben. „Diese Entwicklung gilt es genau zu beobachten“, erklärten die Bankenwächter.
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