Oberösterreich war im April 1986 von allen Bundesländern am stärksten vom radioaktiven Niederschlag der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl betroffen. Noch heute finden sich Spuren von Cäsium-Isotope im Boden, und damit auch in heimischem Gemüse, Obst und Fleisch. Bei den Krebsraten gibt es aber eine Überraschung.
Oberösterreich war am stärksten betroffen, und hier ganz besonders das Mühlviertel, der Zentralraum und das Salzkammergut, weil es dort so viel geregnet hatte. In diesen Regionen sind auch nach wie vor die Konzentrationen radioaktiver Isotope, die in Wolken über Europa zogen und schließlich ausgewaschen wurden, am stärksten im Boden nachzuweisen.
Zahlreiche Proben untersucht
Von April 2021 bis April 2026 wurden 601 Lebensmittelproben aus Oberösterreich auf Radioaktivität untersucht, wie Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) am Dienstag auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit zwei Experten zum Thema Strahlenschutz – die bereits 1986 in ihren Feldern tätig gewesen waren – und einem Experten der Lebensmittelaufsicht mitteilte.
Cäsium in vielen Proben
In manchen Obst-, Gemüse- und besonders bei Pilzproben wurde das Isotop Cäsium-137 nachgewiesen. Bei zwei Rohmilch-Proben überstieg der Anteil sogar das meldepflichtige Niveau für Milch laut EURATOM-Vertrag. Auch bei Getreide- und Hülsenfrüchteproben wurde das Isotop nachgewiesen, wenn auch in geringerer Konzentration. Deutlich stärker konzentriert waren die gefährlichen Atomvarianten in Wildfleisch: Hier war Cäsium-137 mit bis zu 238 Becquerel pro Kilo zu messen – verglichen mit einem halben Becquerel pro Kilo in der Rohmilch.
Mehr Radioaktivität im Flieger
Die Experten beschwichtigten aber: „Der gelegentliche Konsum von Nahrungsmitteln, etwa von Wildpilzen oder von Wildfleisch, deren Radioaktivität über dem Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm liegt, ist kein Problem dar, weil unsere anderen Nahrungsmittel völlig unbelastet sind. Die stündliche Strahlenbelastung bei einem Flug in 10 Kilometern Höhe ist höher, als wenn bei einer Mahlzeit 200 Gramm Wildpilze oder Wildfleisch mit einer vergleichsweise hohen Kontamination von 1000 Bq/kg verzehrt werden.“
Krebsraten durch Vorsorge gesenkt
Aufgrund der hohen Strahlenbelastung von vor vierzig Jahren könnte man vermuten, dass Oberösterreich auch bei den Krebsraten ganz vorn mit dabei ist. Das sei aber zum Glück (noch) nicht der Fall: „Die zwischen 1984 bis 2023 ausgewerteten Krebsraten in Österreich zeigen, dass Oberösterreich im mittleren Bereich aller österreichischen Bundesländer liegt“, so eine Studie zum Thema. Ausnahmen seien Schilddrüsenkrebs und Krebs der strahlungssensitiven Organe, wo die altersstandardisierten Raten in Oberösterreich sogar unter dem Bundesländerdurchschnitt liegen. Das lasse sich damit erklären, dass unser Bundesland damals in Sachen Strahlenschutz sehr proaktiv und gut gehandelt habe.
Erst in 20 Jahren vollständig
Allerdings könne sich das noch ändern: Erst in rund 20 Jahren, wenn die 1986 geborenen Menschen in ein gehobeneres Alter kommen, könnte man die Zahlen ganzheitlich interpretieren. Um aber in der Zwischenzeit weitere Katastrophen gar nicht erst zu ermöglichen, forderte Landesrat Stefan Kaineder eine sofortige Abkehr von der Atomenergie, die europaweit derzeit viel Aufwind verspürt, ganz besonders in Form der berüchtigten „Small Modular Reactors“ (SMR).
„Alter Irrweg neu verpackt“
„Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes und der Energiesicherheit wird Atomkraft aktuell europaweit als alternativlos dargestellt. Unsere tschechischen Nachbarn planen direkt an unserer Grenze den nächsten Schritt: Bei Temelin und an weiteren bis zu zehn Standorten sollen sogenannte ,Small Modular Reactors‘ gebaut werden. Diese sind der alte Irrweg in neuem Gewand. Wer jetzt in Atomkraft investiert, verschwendet Zeit, Geld und Sicherheit, auf Kosten der Menschen in Oberösterreich. Wer Atomkraft als saubere Energie verkauft, verharmlost die Risiken massiv. Unsere Böden tragen noch immer die Spuren von Tschernobyl“, so der Politiker abschließend.
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