Umgang mit dem Sterben

Der Tod ist ein Umzug in ein schöneres Haus

 Für Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner ist das Leben nur eine Übergangsphase. Auf den Bergen hat sie ihre Spiritualität gefunden. Auch (Intensiv)mediziner müssen sich zwangsläufig mit dem Sterben bescghäftigen. Was sie dazu meinen.

Wer beschäftigt sich schon gerne mit den letzten Dingen, wenn es keinen persönlichen Anlass dazu gibt? Verständlich, zu angstbesetzt, verdrängt und aus dem Alltag ausgeklammert ist das Thema Sterben - dabei kommt ja sowieso niemand von uns daran vorbei. Anders stellt sich das für Mediziner dar. Sie haben gar keine Chance, sich nicht damit auseinander zu setzen. Der Tod ist allgegenwärtig. Vor allem auf Intensivstationen, in der Geriatrie, Palliativabteilungen. Wer sich für solche Fächer entscheidet, muss dementsprechende Strategien entwickeln, weit über therapeutische Kenntnisse hinaus.

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, Intensivmediziner am Klinikum Klagenfurt, Spezialist für multimodale Schmerztherapie, 1. Vizepräsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG), und ein Team aus anderen Experten beleuchten daher in einem neuen Buch das „Tabuthema Sterben“. Dabei steht die tröstende Erkenntnis: „Sterbende weinen am Ende nie. In den letzten Augenblicken sind die meisten mit sich völlig im Reinen“ im Mittelpunkt.

Eine repräsentative Umfrage unter Patienten in Kärnten von 65-97 Jahren zu menschenwürdigem Sterben ergab wenig überraschend, dass sich 95% der Teilnehmer ein Ende zu Hause, im Kreise ihrer Lieben und Schmerzfreiheit wünschen. Tatsächlich ist das aber nur einem von 10 Österreichern vergönnt. Daher fordern die Autoren dringend den Ausbau von (mobiler) Palliativversorgung!

Die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, die als erst dritte Frau weltweit 2011 mit dem Erreichen des Gipfels des K2 alle 14 Achttausender bestiegen hat, noch dazu ohne mitgeführten Sauerstoff, musste sich naturgemäß mit dem Thema Tod vertraut machen. Das gehört für sie zur Teambesprechung vor so einer Besteigung dazu. In den Bergen hat die 50-Jährige wundervolle und bewegende Momente erlebt, ihren spirituellen Weg gefunden. Über ihre persönliche Vorstellung nach dem Tod äußert sie sich so: „Es steht für mich außer Frage, dass ich meinen Körper für eine bestimmte Zeit bewohnen darf und es danach in einer anderen Form, die für mich nicht greifbar ist, weitergeht. Elisabeth Kübler-Ross (Anm.: in der Schweiz geborene und in die USA ausgewanderte Psychiaterin, Mitbegründerin der modernen Sterbeforschung) beschreibt das mit: ,Der Tod ist der Umzug in ein schöneres Haus.‘“

Buchempfehlung: "Es lebe der Tod"

„Es lebe der Tod“, ueberreuter Verlag, ISBN: 978-3-8000-7775-5. Die Autoren Karl Cernic (Kärntner Gesundheitsfonds), Thomas Frühwald (FA für Innere Medizin), Rudolf Likar (FA für Anästhesiologie und Intensivmedizin), Georg Pinter (FA für Innere Medizin/Geriatrie), Herbert Janig (Klin.Gesundheitspsychologe) beleuchten die großen Fragen der Menschheit nach der Vergänglichkeit.

Karin Podolak
Karin Podolak
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Mittwoch, 08. Dezember 2021
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