Gesundheits-App

Digitale Unterstützung bei Depression

Wissenschaftlich fundierte Selbsthilfe-Tools haben großen Nutzen - nicht nur in Krisenzeiten und ergänzen bestehende Therapien. Von Experten entwickelte Apps lassen sich bei depressiver Symptomatik auch schon präventiv einsetzen.

Schwer genug, wenn man von depressiven Gedanken, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Ängsten geplagt wird. Betroffene wissen zwar durchaus, dass sie sich Hilfe suchen könnten, oft fehlen aber Antrieb und der Zugang zu Therapien. Außerdem sind psychische Krankheiten immer noch ein Tabuthema, der Weg zum Arzt wird dann immer wieder aufgeschoben. Da können digitale Selbsthilfe-Tools einen wertvollen Beitrag zur Problemlösung leisten. Diesbezügliche Gesundheitsapps haben wissenschaftlich gesicherten Mehrfachnutzen: Verringerung depressiver Symptomatik, Verbesserung des Behandlungsverlaufs und der Remissionsrate (Krankheitsrückgang), Verringerung oder gar vollkommener Rückgang depressiver Symptomatik, Verbesserung des Behandlungsverlaufs sowie eine Verringerung der Rückfallquote.

Bei Menschen mit geringer Symptomausprägung lässt sich ein Programm präventiv einsetzen, sodass es gar nicht erst zur Ausbildung einer krankheitswertigen Depression kommt. Voraussetzung: Es handelt sich dabei um eine von Experten (Ärzte, Psychologen, Therapeuten) entwickelte App, die als Medizinprodukt zertifiziert wurde. Diese könnte auch, wie es bereits in Deutschland der Fall ist, ärztlich verschrieben und von den Krankenkassen bezahlt werden.

Selbsthilfe-Tools auf Krankenschein
Das Deutsche Digitale-Versorgung-Gesetz wurde Ende 2019 vom dortigen Bundesgesundheitsministerium etabliert. Damit sind zudem Datensicherheit und eine niederschwellige Versorgung gewährleistet. Auch in anderen Ländern zeigen sich bereits gute Erfolge. Prof. Priv.-Doz. Dr. Lukas Pezawas, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, MedUni Wien, ist von dem Nutzen wissenschaftlich entwickelter Medizinapps überzeugt: „Psychoedukation, die Schulung von Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung und Anpassung ihres Lebensstils für bessere Erfolge der Therapien, ist ein wichtiger Teil der Behandlung, aber auch eine gute Strategie zur Bewältigung von Lebenskrisen. Der Praktische Arzt als erster Ansprechpartner schließt zunächst körperliche Ursachen für die Symptome aus. Liegt eine eine leichte bis mittelgradige (unkomplizierte, unipolare) Depression vor, kann ein Online-Selbsthilfeprogramm empfohlen werden. Das ist oft auch als Begleittherapie sinnvoll.“

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Liegt eine eine leichte bis mittelgradige (unkomplizierte, unipolare) Depression vor, kann ein Online-Selbsthilfeprogramm empfohlen werden.

Dr. Lukas Pezawas, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin

Darin enthalten: multimediale Therapieeinheiten mit Lernmaterial, Übungen, Empfehlungen für den Alltag, Entspannungstechniken, Diagrammen, Berichten, aber auch der Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen uvm. Findet nach drei Monaten Anwendung keine Besserung statt, rät die App zur ärztlichen Konsultation.

Prof. Pezawas von der Medizinischen Universität Wien erstellt derzeit in Zusammenarbeit mit der KFA Wien eine klinische Studie. Weitere Informationen finden Sie hier.

Karin Podolak
Karin Podolak
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Sonntag, 17. Oktober 2021
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