Fünf Jahre Twitter

Biz Stone: “Haben gerade erst das Laufen gelernt”

Web
18.03.2011 10:05
Gezwitschert wird inzwischen pausenlos. Mehr als 200 Millionen Menschen nutzen mittlerweile den Kurznachrichtendienst Twitter. Jeden Tag schicken sie 140 Millionen Kurznachrichten los. Sie geben Restauranttipps weiter, prangern Menschenrechtsverletzungen an, reden übers Wetter, organisieren Revolutionen. Vor fünf Jahren, am 21. März 2006, schickte der Kalifornier Jack Dorsey die erste Mitteilung los: "Richte soeben mein Twitter ein." Was damals mit einem leisen Pieps anfing, ist inzwischen zum konstanten Hintergrundrauschen des modernen Lebens angeschwollen.

Dorsey entwickelte die Idee mit seinen Kollegen Biz Stone und Evan Williams weiter. Grenzenlose Vernetzung, direkte Kommunikation, Meinungsaustausch ohne Hürden - ermöglicht übers Internet, abrufbar am Computer oder am Mobiltelefon: Die drei Tüftler hatten früh das Gefühl, mit Twitter den Nerv der Zeit zu treffen. "Bei all dem Spaß, den wir hatten, war im Hinterkopf doch immer die Vorstellung, dass sich daraus etwas Wichtiges entwickeln könnte", sagt Twitter-Mitbegründer Stone (Bild) im AFP-Interview. "Das haben wir damals allerdings nicht laut gesagt."

25 Milliarden Tweets in 2010
Die gegenwärtige Entwicklung bestätigt den anfänglichen Optimismus. Im vergangenen Jahr schickten Twitter-Nutzer 25 Milliarden Kurzbotschaften, sogenannte "Tweets", hinaus in die Welt. In diesem Jahr werden es viel mehr sein. Derzeit melden sich täglich 460.000 neue Nutzer an. Twitter beschäftigt inzwischen 400 Menschen, fast jede Woche kommen neue Mitarbeiter hinzu (siehe Infobox).

Machtvolles Instrument sozialen Wandels
Die Plattform hat an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Was anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, ist zum machtvollen Instrument sozialen Wandels geworden. Die Demonstranten in der arabischen Welt etwa umgehen mit Twitter die staatliche Repression. Der japanische AKW-Betreiber Tepco hat zuletzt auch ein Konto eröffnet, um auf seine Art Interessierte am Laufenden zu halten.

"Triumph der Menschlichkeit"
"Es ist nicht unbedingt ein Triumph der Technologie, sondern ein Triumph der Menschlichkeit", erklärt sich Stone den Erfolg. "Wir sind nicht erfolgreich wegen unserer Algorithmen und Geräte, sondern durch das, was die Menschen damit machen." Und die Menschen machen viel damit, die Nutzerzahlen belegen es. "Es geht darum, den Interessen zu folgen, den Dingen, die einen faszinieren", sagt Stone. "Es geht um Nachrichten und Informationen, die man sonst nicht bekommen würde."

Lady Gaga ist die "Twitter-Queen"
Twitter verschafft den Nutzer Zugang zu Menschen, an die sie sonst nicht herankommen würden. Nutzer können zum Beispiel die Tweets ihrer Idole abonnieren und in Echtzeit verfolgen. Die meisten registrierten Abonnenten ("Follower") hat Popstar Lady Gaga - es sind fast neun Millionen. Teenie-Idol Justin Bieber kommt auf 8,2 Millionen Follower, US-Präsident Barack Obama liegt mit knapp über sieben Millionen auf Platz vier und somit hinter Britney Spears, die rund 7,2 Millionen Follower hinter sich schart,

"Erst am Anfang eines Lebens voller Potenzial und Abenteuer"
Twitter ist erfolgreich, und doch gibt es eine wunde Stelle: Die Beliebtheit schlägt sich noch nicht in Einnahmen nieder, in finanzieller Hinsicht ist Twitter nicht profitabel. "Wir sind erst in der Anfangsphase der Einnahmesteigerung", sagt Stone im AFP-Interview. Mit einigen Partnerfirmen wird derzeit an bezahlten Werbe-Tweets gearbeitet. Man probiere aus, was funktioniert und was nicht. Ein Börsengang sei nicht geplant.

Mitbegründer Stone vergleicht den Entwicklungsstand von Twitter mit dem eines Kindes, das gerade erst in den Kindergarten kommt. "Wir stehen hier gerade erst am Anfang eines Lebens voller Potenzial und Abenteuer", sagt Stone. "In den vergangenen Jahren haben wir eigentlich erst Laufen gelernt."

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